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Kommentar

Verkaufsoffener Sonntag – das Modell bekommt Risse

Am vergangenen Wochenende bot die Stadt nach dem Willen des Rates wieder einen verkaufsoffenen Sonntag an. Viele Leute kamen, trotz schlechten Wetters war die Fußgängerzone voll. Aber die Geschäfte liefen schlecht. Hat sich der verkaufsoffene Sonntag überlebt? Ein Kommentar.

Das hätte einer noch vor zwei Jahren wagen sollen: Jeder, der damals versuchte, die Anzahl der verkaufsoffenen Sonntage zu reduzieren, oder sie gänzlich in Frage zu stellen, wurde dem öffentlichen Spott ausgesetzt und der geistigen Vorgestrigkeit verdächtigt.
Die verkaufsoffenen Sonntage waren gewissermaßen heilig gesprochen. Wer an ihnen rüttelte, zog den geballten Zorn einer dem Mammon erlegenen „Kof-mich-Phalanx“ auf sich, oder gab sich zumindest verständnislos-überlegenem Gelächter preis.

Hat sich daran etwas geändert? Zumindest bröckelt die bisherige Euphorie, weicht die jede Kritik ins Abseits stellende Überlegenheit nüchterner Erkenntnis. Selbst um das Argument, der stationäre Einzelhandel müsse mit Verkaufssonntagen dem Internet etwas entgegensetzen, ist es still geworden.

Wie man hört war die Innenstadt am vergangenen Sonntag voll. Aber die Leute kamen mehr zum Schauen und Erleben als zum Einkaufen, resümieren Händler enttäuscht. Wenn selbst ehemalige Protagonisten jetzt etwas kleinlaut auf Distanz gehen, weil Ihnen der Handel, dem sie sich uneingeschränkt verpflichtet sahen, davonläuft, bekommt das Modell Risse.

Inflationäre Entwicklung

Die Bürgeraktion hatte sich seit jeher zu dem Thema kritisch verhalten; wohlwissend, damit mehrheitlich im Stadtrat zu unterliegen. Insbesondere die ausufernd inflationäre Entwicklung – die selbst Blüten trieb wie ‚Verkaufsoffen am Muttertag‘ oder am vierten Advent – und das Geschachere um Termine hatte die BA zu offener Kritik veranlasst.
Jetzt scheint dem Sonntags-an-der-Ladentheke-stehen deutlich der Reiz abhanden zu kommen. Nachdem in unserem Ballungsraum inzwischen so gut wie jeden Sonntag irgendwelche Städte oder auch nur Stadtteile sich finden, die zum „Shoppen“ einladen, ist nichts mehr Besonderes dabei.

Kritik des Einzelhandels gab es bisher nur hinter vorgehaltener Hand. So war immer wieder zu hören, dass der Sonntag keine zusätzliche Kaufkraft bringe – und wenn, der Folgetag um so schwächer ausfalle. Kein Wunder: In einer endlichen Welt auf endloses Wachstum zu setzen, kann nicht auf Dauer gut gehen.

Das wollten aber viele Verantwortliche in Politik und Verwaltung nicht hören, geschweige denn wissen. Wenn jetzt Einzelhändler laut über ein Nicht-mehr-Mitmachen nachdenken und der Presse ihre Gedanken zu Protokoll geben, wird das über kurz oder lang zum Umdenken zwingen.

Die Zeit, in der verkaufsoffene Sonntage sakrosankt waren, ist Vergangenheit.

Eiszeit bei der Feuerwehr

Seit Wochen gärt es bei der Hildener Feuerwehr. Um das Betriebsklima steht es dem Vernehmen nach nicht zum Besten.

Ein Kommentar von Ludger Reffgen

Das Bild und die sich auftuenden Parallelen sind frappierend. Da sitzen in der Erkrather Stadthalle derzeit Eiszeitforscher beisammen und erörtern Erkenntnisse zum Verhalten des Neandertalers in der Eiszeit. Die These: Er könnte geflüchtet sein vor den Unbilden der Natur. Abwegig ist das nicht. Wer setzt sich schon freiwillig den widrigen Bedingungen der Kälte aus? Im Zweifel ergreift man da die Flucht, sucht andere Plätze mit klimatisch günstigeren Bedingungen.

Davon weiß aktuell auch die Hildener Feuerwehr ein Lied zu singen. Die Atmosphäre in den Reihen der Wehr ist arg frostig, wie man hört. Nicht, dass im Feuerwehrhaus die Heizung nicht funktionieren würde. Aber es mangelt an Herzenswärme. Und die will „von oben“ (vor-)gelebt sein.

Ein Problem, das in Hilden allerdings nicht nur die Feuerwehr kennt, sondern eigentlich seit einigen Jahren schon rathaustypisch ist.

Unter Feuerwehrleuten freilich wirkt soziale Kälte besonders signifikant. Weil dort nicht nur – wie in der Stadtverwaltung – für Geld gearbeitet wird, sondern auch, über die freiwillige Wehr, noch eine gehörige Portion ehrenamtliches Engagement ins Spiel kommt.

Feuerwehr ist seit jeher mehr als ein Job. Feuerwehr ist eine Herzensangelegenheit – nichts für unterkühlte Apparatschiks. Das kommt es nicht von ungefähr: Eines der wichtigsten Bindeelemente in der Feuerwehr war schon immer die Kameradschaft, die wie menschlicher Klebstoff den familiären Zusammenhalt in der Truppe fördert. Wenn jetzt in den Reihen der Hildener Wehr von einer unterentwickelten Willkommenskultur die Rede ist und fehlende Anerkennung angeprangert wird, muss das den Lebensnerv der Truppe berühren.

Den mehr Menschlichkeit und Würdigung ihrer Leistung einfordernden Wehrleuten mit der verwaltungseigenen Technokratenmanier zu begegnen, dürfte dem Problem nicht gerecht werden. Im Gegenteil – die gefühlsentleerte, seelenlose Art, die in Hilden um sich gegriffen hat, wird die soziale Eiszeit eher verschärfen und die Betroffenen weiter nach klimatisch günstigeren Bedingungen schauen lassen.

„Haushaltstour“ – Alarm: Da müssten beim Stadtrat alle Sirenen heulen 

Ein Kommentar von Ludger Reffgen

Mitte Dezember, der Rat in vorgezogener Festtagsstimmung – Friede, Freude, Eierkuchen. „Arm aber liquide“ beschreibt Beigeordneter Danscheidt Hildens Kassenlage. Und versucht sich damit vorsorglich mit einem Balanceakt: Einerseits soll die knappe Bonitätsbeschreibung ausdrücken, dass sich der Rat über die im Haushaltsplan-Entwurf vorgegebenen Ausgaben hinaus weitere Wünsche abschminken kann. Armut lässt keine Begehrlichkeiten zu. Bevor jedoch andererseits jemand auf die Idee kommt, den schlappen Finanzstatus der Verwaltungsnomenklatura anzulasten oder möglicherweise sogar Missmanagement und Fehlplanung in der Beletage des Rathauses damit in Verbindung zu bringen, wird er flugs belehrt: An der Liquidität der Stadt bestehen keine Zweifel.

Der Rat schluckt willig die Beruhigungspille und begibt sich in die Weihnachtspause.

Erster Szenenwechsel. Drei Wochen später eine Brandmeldung, die beim Stadtrat alle Sirenen heulen lassen müsste: Über die Presse erfährt der Rat, dass sieben Jahre nach Inbetriebnahme der neuen Feuerwache selbige zu klein ist und erweitert werden muss. Planungskosten sind vorausschauend schon in den Etatentwurf eingearbeitet. Reaktion des Rates: Abgesehen von kritischen Bemerkungen der Bürgeraktion, die es bisher aber auch nicht vom Redaktionsschreibtisch in die Zeitung schafften – keine. Die Herrschaften sind halt im Winterschlaf.

Zweiter Szenenwechsel. Vier Wochen nach der Haushaltseinbringung: Ein unerschrockenes Mädchen namens Stella aus dem Hildener Süden wird den Lesern der Rheinischen Post präsentiert. Die mutige Kleine hat nicht nur die Patenschaft über den Spielplatz am Topsweg übernommen, sondern schmeißt sich jetzt auch noch in die Bresche für die Reparatur des Spielgeräts, das Kindern auf der Spielfläche am meisten Spaß macht: die Seilbahn. Sie mag nicht einsehen, dass seit vier Monaten deren Betrieb ruht, ohne dass sich Besserung abzeichnet. Deshalb hat sie schon mal 466 Euro für eine Reparatur gesammelt und eine Unterschriftenaktion angestoßen. Bei der Verwaltung ist an Instandsetzung in diesem Jahr nicht zu denken, denn die Ausgaben zur Schadensbehebung schafften es nicht in den Etatentwurf für 2019.

Ob sich Stella wohl für die „Haushaltstour“ des Bürgerhaushalts angemeldet hat? Am nächsten Wochenende könnte sie versuchen, tiefere Einblicke in die Geheimnisse des Haushalts der Stadt Hilden zu bekommen und Bürgermeisterin und Kämmerer fragen, warum ausgerechnet die Reparaturkosten für das Drahtseil der Seilbahn auf ihrem Spielplatz nicht in der Etatplanung für das laufende Jahr vorkommen. Aber bislang stehen nur Vorzeigeprojekte der Stadt auf dem Fahrplan der „Haushaltstour“. Und im Übrigen wird der Alarm von der Feuerwehr ausgelöst, nicht von Stella auf dem Spielplatz.

Zum Jahreswechsel – Wie die Bürgermeisterin 2018 bilanziert

In ihrem Neujahrsgrußwort zieht Hildens Bürgermeisterin eine positive Bilanz für 2018. Ist das Ergebnis gerechtfertigt?

Ein Kommentar von Ludger Reffgen

Ein Jahreswechsel bietet in aller Regel Anlass für Vorsätze und Ziele. Das ist im Privaten nicht anders als für eine Stadt. Am Ende des Jahres kann man dann Bilanz ziehen, „ob man das erreicht hat, was man sich vorgenommen hatte.“

Diesen gedanklichen Weg zeigt die Bürgermeisterin in ihrem Jahresrückblick den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt auf. Wer ihn mitgehen will oder ihn zumindest nachvollziehen möchte, versucht zunächst, sich mit der Ausgangssituation, den Vorsätzen und Zielen, vertraut zu machen. Da wäre es logischerweise nicht schlecht, diese einmal zu erfahren. Wie war das vor einem Jahr, Anfang 2018?

Bilanz ohne Maßstäbe: Ziele hat Hilden noch nie formuliert

 

Aber schon an dieser Stelle kann der wohlwollende Bürger seine guten Absichten knicken: Über die ursprünglichen Vorsätze der Stadt schweigt sich die Bürgermeisterin aus. Und allgemeine Ziele zu benennen, wäre ihr sogar schier unmöglich, denn die wurden in Hilden noch nie formuliert.

Wie will man folglich zu einer objektiven Bewertung kommen, wenn die Maßstäbe im Dunkeln liegen? Mit solchen Fragen hält sich die SPD-Frau aber mal erst gar nicht auf, sondern hat die Antwort – woher auch immer – gleich parat: „Meine Bilanz ‚Hilden 2018‘ ist positiv.“

Damit’s auch jeder glaubt, folgen einige Aufzählungen: Hilden ist eine attraktive Stadt, es gibt viele Freizeitangebote, hier kauft man gerne ein. Allesamt genannten Faktoren sind zwar allgemeingültiger Natur und haben nichts Spezielles mit dem Jahr 2018 zu tun; aber sei’s drum – der Zweck heiligt die Mittel.

Herausragend für die Entwicklung der Stadt sei ihre Anpassungsfähigkeit, schlussfolgert die Bürgermeisterin und verweist in diesem Zusammenhang auf drei Jubiläen: das 10-jährige Bestehen der Lernpaten, der 100. Geburtstag des evangelischen Kinderheims und die 50 Jahre alt gewordene Partnerschaft mit Warrington. „2018 war für Hilden positiv“, lautet ihr Fazit. Glückwunsch, es gab etwas zu feiern.

Dann dankt die Bürgermeisterin den Hildenern für überdurchschnittliches Bürgerengagement und hebt dabei beispielhaft und zu Recht den kulturpolitischen Einsatz des Jugendparlaments zum 80-jährigem Gedenken an die Reichspogromnacht hervor. Dieser Vorgang wiegt umso bedeutsamer, als ihr noch 2017 der Idealismus des Vereins Nostromo um Peter Brack für die Kulturbühne im Area 51 keinen Pfifferling wert war.

Besser auf die eigene Wahrnehmung verlassen: Personal-Flucht im Rathaus

 

Als Beweis für den Fortschritt führt die Rathauschefin ein neues Geschäftsfeld der Stadtwerke an: Im vergangenen Jahr hat der örtliche Energie-Versorger damit begonnen, in einzelnen Gewerbegebieten vornehmlich im Westen der Stadt ein Glasfasernetz aufzubauen. Der „Fortschritt“ hält sich allerdings bei Licht besehen sehr in Grenzen und kommt auch nur mit erheblicher Verzögerung und dann auch noch sehr schleppend daher: Andere Städte haben den Ausbau von Datenautobahnen schon in weiten Teilen ihres Territoriums abgeschlossen.

Als Verwaltungschefin wirft die Bürgermeisterin in ihrer Bilanz auch einen Blick aufs Rathaus. Wer hier auf einen Blick hinter die Kulissen hofft, sollte sich besser auf seine eigene Wahrnehmung verlassen. Dass sie die hohe Fluktuation in den Ämtern ausschließlich dem demographischen Wandel zuschreibt, wird ihr im Rathaus niemand abnehmen. Kein Wort über die miese Stimmung bei den Mitarbeitern, die in den letzten Jahren geradezu zu einer Personal-Flucht geführt hat. Und das, was sich im abgelaufenen Jahr bei der Wiederbesetzung von Amtsleiterstellen abgespielt hat, war nun auch wirklich kein Ruhmesblatt für Personalentwicklung. Die Nachfolge des Kämmerers geriet zum Fiasko. Die Leitung des Kulturamts blieb wegen Tatenlosigkeit ein halbes Jahr unbesetzt und wird jetzt von der Musikschulleiterin halbtags übernommen.

Abschließend in der Bilanz noch ein Pflicht-Thema: die Finanzen, die nach der Kurzformel Alles-bleibt-wie-es-ist fortgeschrieben werden. Die Bürgermeisterin wünscht sich „Menschen, die (…) möglich machen, was möglich ist, und dabei auch über den Tellerrand schauen“. Das hätte sie beim Thema Finanzen – und nicht nur dort – einmal selbst tun sollen, um dann zu erklären, wie sich Hilden auf die massiven Steuersenkungen in der Nachbarstadt Langenfeld einstellt.

Frisiert und schöngefärbt

 

Aber zu dieser Herausforderung gibt es kein Wort. Genauso wenig zu den unübersehbaren Zielkonflikten der Stadtentwicklung, der Situation auf dem Wohnungsmarkt, den für Hilden verheerenden Auswirkungen des Klimawandels oder des sich spürbar bahnbrechenden Bürgerprotests, zum Beispiel bei strittigen Bauprojekten oder in Sachen Schulentwicklungsplan. Es wäre gut gewesen, der Bürgermeisterin, die alle Hildener im Blick haben sollte, wäre auch dazu ein Satz eingefallen.

So bleibt die Bilanz der Bürgermeisterin frisiert und ihre Bewertung geschönt. Sie verdient nicht das Testat der Unbedenklichkeit.

Hilden – Stadt am Schilderwald

Einem Pressebericht (RP vom 29.11.2018) zufolge wurden in den letzten Wochen an einigen Hauptverkehrsstraßen in Hilden 90 zusätzliche Verkehrsschilder montiert. Damit wurde begonnen, das in 2016 (!) vom Rat beschlossene nächtliche Tempolimit auf 30 km/h umzusetzen. Zeitgleich lehnte der Stadtentwicklungsausschuss einen Antrag der BA-Fraktion ab, den ADAC an sogenannten Verkehrsschauen zu beteiligen. Der Verkehrsclub bietet den Städten als Serviceleistung im Dienste der Verkehrssicherheit kostenlos an, die Beschilderung auf nicht erforderliche Zeichen zu durchforsten. Stattdessen möchte die Verwaltung die „erfolgreiche“ Praxis fortführen und das Hinzuziehen des ADAC allenfalls auf den „im Vorfeld“ besonders zu begründenden Bedarfsfall beschränken. Die BA hatte den Antrag gestellt, nachdem im Sommer bei einer Spontanaktion ein ADAC-Verkehrsreferent auf Einladung der Rheinischen Post binnen kürzester Zeit an nach dem Zufallsprinzip ausgewählten Straßen 15 überflüssige Verkehrsschilder aufgespürt hatte.

Kommentar von Ludger Reffgen

Dass der Beschluss zum Lärmaktionsplan, in Hilden eine nächtliche Tempobegrenzung einzuführen, auf ein geteiltes Echo stoßen würde, stand bereits fest, bevor das Votum im Stadtrat überhaupt zustande kam. Wo, wenn nicht in Verkehrsangelegenheiten, gilt die Binse, wonach man es niemandem recht machen kann, mehr?

Sicher, es ist richtig: Der Effekt, der von der Maßnahme erwartet wird, muss sich in der Praxis erst noch erweisen. Ganz abgesehen von dem subjektiven Empfinden von Lärm. Während der Eine selbst mit Ohropax noch nicht in den Schlaf findet, schlafen andere an gleicher Stelle seelenruhig, tief und fest. Aber sollen einem die 1400 rechnerisch ermittelten Menschen, die nächtens in Hilden mit hoher Wahrscheinlichkeit und objektiv in ihrer Wohnung Opfer von Verkehrslärm werden, egal sein? Vor allem, wenn es gleichzeitig Mittel und Wege gibt, dagegen einzuschreiten?

In dieser Situation auf andere Lärmquellen zu verweisen, die zwar nicht minder harmlos sind, sich aber der direkten Einflussnahme entziehen, wäre pharisäerhaft.

Deshalb sollten jetzt nicht diejenigen geprügelt werden, denen – im Zweifel fern jeder Opportunität – Minderheitenschutz, auch beim Thema Lärm, ein ernsthaftes Anliegen bedeutet. Womit allerdings noch längst nicht alle Fehlentwicklungen und jegliche Begleitumstände gerechtfertigt, geschweige denn gutgeheißen werden sollen.

Ob der mit der Maßnahme ausgelöste Schilderwald seine Berechtigung hat, darf mit Fug und Recht bezweifelt werden. Zumal, wenn zeitgleich ein kostenloses Angebot des ADAC, auf Durchforstung des selbigen, ausgeschlagen wird. Denn die im letzten Sommer durchgeführte Spontanaktion der Rheinischen Post, bei der im Handumdrehen auf zufällig ausgewählten Straßen 15 überflüssige Schilder zusammenkamen, hätte alle Verantwortlichen aufhorchen lassen müssen. An politischer Initiative hat es mit einem entsprechenden Antrag der BA, künftig den ADAC an Verkehrsschauen zu beteiligen, auch nicht gemangelt.

„Niemand, außer den Rathaus-Bediensteten, weiß, was für Hilden gut ist.“

Aber der Vorschlag störte – absehbar – empfindlich den im Rathaus weitverbreiteten Alleinvertretungsanspruch, wonach niemand, außer den Bediensteten, weiß, was für Hilden gut ist. Deshalb wurde er schnellstmöglich mit K.O.-Kriterien weggebissen, sowohl gegenüber dem recherchierenden Redakteur, als auch gegenüber der nervig insistierenden Politik, der – mangels Mehrheit – ohnehin keine Chance blieb. Denn dass die „großen“ Fraktionen pflichtschuldigst und wie selbstverständlich Verwaltungsinteressen verteidigen, entspricht der Regel. Da kann auch der als Alibizweck dienende Hinweis auf den Kreis ebensowenig darüber hinwegtäuschen, wie sonstige entschuldigende Vorbehalte: Zu der ernsthaften Beteiligung eines ADAC-Verkehrsreferenten wird es absehbar nicht kommen. Sie ist nicht wirklich gewollt – und das mit politischem Segen. Womit gleichzeitig der in Hilden aufgeforstete Schilderwald hinreichend unter Schutz gestellt wäre.

Gestaltungsbeirat – CDU erntet Lacherfolg

Kommentar von Ludger Reffgen

 

Eigentlich bringt die Hildener CDU seit Jahren im Stadtrat nicht viel zu Wege. Keine Themen, keine Impulse, keine Denkanstöße. Von politischer Kreativität ganz zu schweigen. Sie befindet sich damit in guter Gesellschaft zu den örtlichen Genossen der SPD, die sich bestenfalls graduell davon unterscheiden. 

Ganz anders das Verhalten beider Parteien bei Fragen demokratischer Partizipation. Wenn es darum geht, sich einen Vorteil gegenüber anderen zu sichern, kann man auf das Engagement beider Fraktionen blind vertrauen.

Jüngstes Beispiel in der Kette unrühmlichen Verhaltens: der Gestaltungsbeirat. Das Gremium soll neu eingerichtet werden und in kniffligen Planungsfragen, jenseits der Wünsche der Bauherrn, das Stadtbild im Auge behalten. Nicht in jedem Hinterhof, jedoch um so mehr bei Bauvorhaben in exponierter Lage. Auswärtige Architektur-Fachleute sollen ein kritisches Auge auf das Planungsgeschehen werfen und den Hildener Entscheidern mit objektivem Rat empfehlend zur Seite stehen. Mit am Tisch, überwiegend in der Zuhörer-Rolle: Die Politik, die sehr oft das letzte Wort in Bauangelegenheiten hat.

Der Gestaltungsbeirat ist dem Wesen nach ein Gremium mit hoher fachlicher Souveränität.

Was läge also näher, dem Verwaltungsvorschlag zu folgen und alle Fraktionen mit jeweils einem Vertreter zu beteiligen – so sie wollen und interessiert sind? Alleine schon, um einen ausreichenden Informationsfluss an alle politischen Mandatsträger jedweder Couleur zu gewährleisten. Erst recht, da in dem Gremium nichts entschieden wird, sondern ihm „nur“ eine beratende Funktion zukommt. Und was könnte für die Hauptakteure der Baukunst schöner sein, als den etwa jährlich viermaligen Zusammenkünften des Gestaltungsbeirats, der dem Wesen nach ein Gremium mit hoher fachlicher Souveränität verkörpert, einen gewissen Seminar-Charakter zu geben – vielleicht sogar zum Nutzen der ein oder anderen politischen Entscheidung?

Gestaltung durch Ausgrenzung

Aus alledem wird nichts. Denn auf Anregung der SPD haben Christ- und Sozialdemokraten beschlossen, im Gestaltungsbeirat unter sich bleiben zu wollen. Damit sucht die fachliche Souveränität der Baumeister leider vergeblich nach einem Pendant auf Seiten der Politik, die eine demokratische Partizipation nicht aushält und mit dem erbärmlichen Mittel der Ausgrenzung antwortet.

Der Fall erinnert an das Verhalten der sich damals wie heute noch „groß“ wähnenden Fraktionen, als es darum ging, einen Teil der Ratsfraktionen vom Austausch mit den städtischen Partnerstädten auszuschließen. Seinerzeit beendete erst eine Pressevertreterin durch Verzicht auf ihre Teilnahme das unwürdige Spiel.

Inzwischen sind zwar die meisten politischen Höhenflüge der früheren „Volksparteien“ durch Sinkflüge abgelöst worden. Dennoch glauben sich viele ihrer Amtsträger noch immer hoch über den Wolken. Die CDU hat damit jetzt unter Hinweis auf (vermeintliche) Stärke und Größe ihr Verhalten im Stadtrat sogar explizit erklärt, sehr zum Gelächter der Öffentlichkeit.

Parkdruck in der Nordstadt steigt

 

Der Parkdruck an der Zelterstraße wird deutlich zunehmen. Das geht aus einer Anfrage hervor, die die Bürgeraktion im Zusammenhang mit dem Bauvorhaben an der Zelterstraße/Händelstraße an die Bauverwaltung richtete. 

Im Bereich des inzwischen abgeholzten Wäldchens beabsichtigt die Wohnungsbaugesellschaft LEG in drei Mehrfamilienhäusern den Neubau von 38 hochpreisigen Wohnungen. Welche Auswirkungen hat das auf die Parksituation im Umfeld, wollte darauf die BA vom Bauamt wissen. Und gibt es möglicherweise ein Parkraum-Konzept?

In ihrer Antwort verkennt die Verwaltung nicht den bereits jetzt existierenden Parkdruck. Ihr seien jedoch „die Hände gebunden“ heißt es dort entschuldigend mit Hinweis auf den fehlenden Platz in diesem Bereich. Deshalb könne auch kein Parkraum-Konzept angeboten werden. Das Bauvorhaben genüge der Auflage der Bauaufsicht, je neuer Wohneinheit einen Stellplatz auf dem eigenen Grundstück vorzusehen.

Dass das bei weitem nicht reichen wird, steht außer Zweifel. Aber nicht genug damit. Für die Zufahrt zu den neuen Häusern von der Zelterstraße aus werden dort auch einige Parkplätze wegfallen. Das bedeutet im Ergebnis: Weniger Parkplätze für mehr Anwohner. BA-Fraktionschef Ludger Reffgen: „Wir beobachten die Entwicklung mit Sorge. Der Bau von zusätzlich über 140 neuen Wohnungen an der Zelterstraße und der Beethovenstraße wird großflächige Auswirkungen auf den ruhenden und den Parksuch-Verkehr in großen Teilen der Nordstadt haben.“ Die Bauvorhaben seien einfach überdimensioniert und nicht sozialverträglich.

Kommentar

Stadtplanung zu Lasten der Lebensqualität

Es ist schon fatal: Für die über 30 abgeholzten Bäume wird es nur teilweise Ersatz geben. Und die im Zuge des Bauvorhabens im Verhältnis 1:1 geplanten Stellplätze werden auch vorne und hinten nicht reichen. Die Begründung ist in beiden Fällen die gleiche: Es fehlt an Platz. Kein Platz, um die Autos der neuen Bewohner unterzubringen. Kein Platz, um den Kahlschlag des Wäldchens wenigstens durch eine ausreichende Zahl junger Bäume zu ersetzen. Die Entwicklung ist nicht gesund. Hier vollzieht sich Stadtentwicklung eindeutig zu Lasten der Lebensqualität. Eine durchdachte Stadtplanung, die den Klimawandel und die Balance der Bedürfnisse der Einwohner im Auge hat, sieht anders aus.

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