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Kommentar

Beigeordneten-Wahl: Volksmund versus Politik

Der Stadtrat soll in der kommenden Woche (11.09.), ein Jahr vor der Bürgermeister- und Stadtratswahl, über die neue Leitung des Baudezernats im Hildener Rathaus befinden. Die Wahlzeit beträgt acht Jahre.

Kommentar von Ludger Reffgen

Soweit der Volksmund Recht hat, freut sich der Dritte, wenn zwei sich streiten. Nun liegt weder der Volksmund immer richtig, noch gibt es bei einer Auseinandersetzung, die zwischen zwei Kandidaten ausgetragen wird, automatisch immer einen lachenden Dritten. Aber dennoch, wie so oft, birgt der Volksmund häufig einen wahren Kern.

Die Redensart kam mir in den Sinn, als ich über die Konstellation im Zusammenhang mit der Neuwahl eines/r Technischen Beigeordneten für die Stadt Hilden nachdachte. Dort kämpfen im Augenblick zwei Kandidaten um die Gunst der Fraktionen. Herr rechts, Dame links, könnte man die Lage schnell auf einen etwas flapsigen Nenner bringen, wollte man die politische Zuordnung und die Schrittfolge auf dem Parkett zur Wahl beschreiben. Im Klartext: Die CDU spricht sich für den männlichen Kandidaten aus, die SPD favorisiert eine Bewerberin.

Kopf an Kopf

Nach Meinung von interessierten Beobachtern haben sich jetzt die kleinen Fraktionen zu entscheiden: Für den linken Stall, oder den rechten Stall. Soweit so gut, wäre da nicht eine weitere Bewerberin, die bei den meisten kleinen Fraktionen einen interessanten und damit wählbaren Eindruck hinterlassen hat. Die „Dritte“ im Bunde – an dieser Stelle kommt wieder das Sprichwort ins Spiel der Gedanken – hat allein den Makel, von keiner der „großen“ Fraktionen angemessen gewürdigt zu werden. Und fällt damit von vornherein durchs Raster der Betrachtung. Schade eigentlich, denn mit etwas virtueller Bewegung kämen ganz neue Möglichkeiten ins Spiel der Kräfte. Und wie gesagt – manchmal birgt der Volksmund doch einen wahren Kern.

Bäume wässern – Politik widersprüchlich

Anfang des Jahres hat die Politik eine Verstärkung des Bauhofs um vier Mitarbeiter zur Grünpflege abgelehnt. Jetzt, da alle Hände voll zu tun sind, um den Durst der Bäume zu stillen, rächt sich die Entscheidung.

Die Bäume hätten’s nötig, daran besteht kein Zweifel. Der zweite Dürresommer in Folge macht der Vegetation arg zu schaffen. Die Trockenheit hinterlässt unübersehbare Spuren, gerade auch in Hilden.

Doch Grünflächenpflege – und dazu zählt auch die Sorge um Bäume und Gehölze – ist seit einiger Zeit in Hilden politisch umstritten.

Anfang des Jahres hatte die Verwaltung der Politik plausibel aufgezeigt, dass mit der derzeitigen personellen Ausstattung keine ausreichende Grünflächenpflege möglich sei. Um dem vielerorts beklagten Wildwuchs in städtischen Grünanlagen nachkommen zu können, lagen im Stadtrat zwei sich ergänzende Vorschläge auf dem Tisch: Erstens vier zusätzliche Mitarbeiter zur Grundversorgung. Und zweitens 200.000 Euro zusätzlich, um Spitzenbelastungen mit Fremdfirmen auffangen zu können. Schlussendlich hat die Politik mit Ach und Krach mehrheitlich nur die zusätzlichen finanziellen Mittel zur Beauftragung externer Firmen bewilligt. „An der mangelhaften Grundausstattung hat sich damit aber nichts geändert“, hatte die BA bereits damals bedauert.

Diejenigen, die jetzt am lautesten schreien, waren zuvor nicht bereit, die Grünkolonne aufzustocken.

Diese Mehrheitsentscheidung des Stadtrats rächt sich jetzt besonders augenfällig während der Trockenheit. Natürlich könnte auch „mal“ über eine „Feuerwehrübung“ nachgedacht werden, um der Dürre punktuell abzuhelfen. Aber – daran führt prinzipiell kein Weg vorbei: Die personelle Grundausstattung der städtischen Grünkolonnen für die regelmäßige Grünflächenpflege muss schon stimmen.

Doch so, wie die Politik zu Beginn des Jahres mehrheitlich entschieden hat, prallten in den letzten Wochen alle noch so berechtigten Forderungen nach zusätzlicher Bewässerung durch den Bauhof – der ja ohnehin schon gezwungen ist, alle Register zu ziehen – mit dem Argument ‚Kein Personal‘ an der Verwaltung ab.

Die Krux: Diejenigen, die jetzt aus Kreisen der Politik am lautesten nach Wasser schreien, waren zuvor nicht bereit, der Verwaltung mit mehr Personal unter die Arme zu greifen. Wohlfeile Forderungen, wie die Stadt müsse grüner werden, gehen manchen eben im Zweifelsfall schnell über die Lippen. Aber dann müssen diejenigen auch bereit sein, die Grünkolonne in die Lage zu versetzen, die Arbeit zu schaffen.

Erst Stillstand, dann Schneckentempo

Ein Kommentar von Ludger Reffgen.

Den klimatischen Verschlechterungen im Schneckentempo begegnen – darauf hat sich der Umweltausschuss in einem Minimalkonsens nach zähem Ringen verständigt. Natürlich ist das angesichts der Tatsache, dass 70 Prozent der Hildener bei sommerlichen Wetterlagen unter sogenannten Hitzeinseln leiden, deutlich zu wenig. Aber mehr wollten die Mehrheitsfraktionen einfach nicht zulassen: Für die SPD war es das Äußerste; der CDU war selbst das Schneckentempo zu schnell – sie wollte erneut eine Vertagung.

Jetzt soll die Verwaltung zunächst einmal bis Ende des Jahres ein „Konzept für das Konzept“ erarbeiten, die Kosten ermitteln – die bisherigen Rathaus-Prognosen lagen zwischen 90.000 und 170.000 Euro – und Fördermöglichkeiten prüfen. Das ärgerliche an der Sache: Diesen Auftrag hätte der Ausschuss auch schon mit dem Kenntnisstand von vor einem Jahr fassen können. Aber damals musste es eine Vertagung sein, mit dem Argument, Fachreferenten zu Wort kommen zu lassen, deren Expertise jetzt überhaupt keine Rolle mehr spielte.

So ist ein volles Jahr verspielt worden, ohne dass sich im derzeitigen Stadtrat eine Mehrheit abzeichnet, die auf Sicht an den Grundlagen für die fortschreitende Klimaverschlechterung in Hilden tatsächlich etwas ändern möchte. Das bis Ende des Jahres vorzulegende „Konzept für das Konzept“ muss im nächsten Jahr erst einmal die Haushaltsplanberatungen passieren. Und wie das ausgeht, steht in den Sternen.

Derweil werden weiter – unter den Augen und mit Billigung der politisch Verantwortlichen – Grün- und Freiflächen zugebaut. Flächen, die für die Durchlüftung der Stadt so wichtig wären.

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Klimapolitik: Wird frische Luft zur Mangelware?

Armutszeugnisse

Das Elektro-Museum wird von Recklinghausen übernommen. Warum der Verlust doppelt bitter ist. Ein Kommentar.

Wer künftig die von Elektro-Meister Günter Rateike über Jahrzehnte zusammengetragene Sammlung musealer Elektrogeräte bestaunen will, muss nach Recklinghausen ins Umspannwerk fahren. Wie die „Rheinische Post“ berichtet, hat das elektrotechnische Museum im nördlichen Ruhrgebiet die bisher im Elektro-Museum am heimischen Mühlenbachweg gezeigte Ausstellung übernommen.

Schade, werden viele sagen, denen die technischen Raritäten etwas bedeuteten und für die stolze Zeugnisse der technischen Entwicklung aus dem vergangenen Jahrhundert nicht nur auf Trödelmärkten einen Wert haben. Tröstlich immerhin, dass die mit Liebe, Leidenschaft und viel Fachkompetenz erhaltenen und aufpolierten Exponate für die interessierte Nachwelt würdig bewahrt und öffentlich zugänglich sein werden – wenn auch nicht mehr vor der Haustür als kleine Attraktion in Hilden.

Was aber noch viel schlimmer und empörender wirkt, ist die Schilderung Rateikes, was ihm bei der Suche nach einer neuen Bleibe und bei den Mühen um den Fortbestand für sein Museum in Hilden widerfuhr.

Wer Hilfe braucht oder Rat sucht, der wendet sich nach landläufiger Auffassung ans Rathaus. Das tat auch der Handwerksmeister. „Das können wir nicht gebrauchen, das kostet nur Geld“, habe er laut RP von der Bürgermeisterin zu hören bekommen. Kein nützlicher Tipp, kein Hilfsangebot. Nicht einmal der Versuch einer Hilfestellung oder eine kompetente Empfehlung. Ein trauriges Verhalten, das den Beobachter beschämt und kopfschüttelnd zurücklässt.

Ein Dilemma, das zu denken gibt

Aber auch das Kulturamt, das Fabry-Museum und die Stadtwerke hätten abgewunken. „Keiner hatte Interesse. Ich finde das furchtbar“, zitiert die Zeitung den alten Herrn.

Was die „Rheinische Post“ nicht erwähnt: Im Februar hatte die Bürgeraktion mit einer Anfrage unter Hinweis auf den kulturgeschichtlichen Wert der Sammlung den Fortbestand des Elektro-Museums im Kulturausschuss thematisiert. Parallel hatte die BA-Fraktion dort vorgeschlagen zu prüfen, ob die Sammlung zumindest vorübergehend in der früheren Löwen-Apotheke – das Haus an der Benrather Straße gehört der Stadt – eingelagert werden könnte, um für die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten in Hilden Zeit zu gewinnen. Über die Initiative war die Presse informiert worden. Auch an dieser Stelle hatten wir mit Hinweis auf die abschlägige Antwort der Verwaltung darüber berichtet.

Was hat Elektromeister Rateike falsch gemacht? Trotz Einladung habe kein Städtisch-Offizieller sein Museum je besucht, berichtet der passionierte Elektrotechniker. Die Enttäuschung steht ihm ins Gesicht geschrieben. Wahrscheinlich war es ein Fehler, nie bei der Stadt einen Antrag auf öffentliche Unterstützung gestellt zu haben, sondern sich ausschließlich mit seinem ehrenamtlichen Engagement und privatem Geld zu begnügen, gleichwohl aber seine Leidenschaft in den Dienst der Öffentlichkeit zu stellen. Aber ist allein der Gedanke nicht schon furchtbar, dass derjenige, der Jahrzehnte klaglos auf öffentliche Alimentierung verzichtet, am langen Ende der Dumme ist? Ein Fall, der zum Dilemma wurde, das in vieler Hinsicht zu denken gibt.

A3-Ausbau: „Alternative Realität“

In der heutigen Samstagsausgabe berichtet die „Rheinischen Post“ über eine Informationsveranstaltung von Straßen-NRW zum geplanten Autobahn-Ausbau. „A3-Planern schlägt Bürgerwut entgegen“, heißt es da über das Treffen, das Mitte der Woche in Langenfeld stattfand. Im Detail wird darüber berichtet, wie sich der Zorn vieler Teilnehmer gegenüber den Referenten von Straßen-NRW und des nordrhein-westfälischen Verkehrsministeriums entladen hat. Und dass CDU-Landrat Thomas Hendele sich im Prinzip für den Ausbau aussprach.

Vor zwei Wochen las sich das Thema bei der „RP“ noch anders. Da wurden Versuche, den achtspurigen Autobahn-Ausbau im Hildener Stadtrat zu thematisieren – gemeint ist die Initiative der BA, das Rathaus mit einem Beschluss zu verpflichten, ähnlich wie seinerzeit bei der CO-Pipeline, sich auf die Seite der Menschen zu stellen, die den Umwelt-Wahnsinn nicht wollen – als Wahlkampf-Profilierung abgetan („RP“ v. 17.05.).

Wie sich manche Medien und Journalisten je nach Bedarf und Gusto ihre eigene Realität imaginieren.

Miserables Baustellen-Management

Seit über einer Woche befindet sich die Kirchhofstraße im Ausnahmezustand. Die Durchfahrt vom Lindenplatz zur Gabelung ist gesperrt. Bauarbeiten, die die Sperrung rechtfertigen würden, sind bisher (noch) nicht wirklich zu erkennen. Das bringt viele, der ohnehin gestressten Autofahrer morgens und abends zusätzlich auf die Palme und strapaziert extrem die Nerven.

Vielen reißt der Geduldsfaden. Sie umfahren einfach die Absperrbarrikaden, fahren durch die momentan verschlafen wirkende Kirchhofstraße und passieren Sekunden später flüssig die Kreuzung Gabelung. Illegal und unter Missachtung aller Verbote. Aber spätestens beim Durchatmen an der Ampel Berliner Straße wird rückblickend nochmals der Unsinn einer Baustellenabsperrung bewusst, die wertvolle Lebenszeit kostet. Einfach ärgerlich.

Was sich im Augenblick vor allem morgens und nachmittags auf einer der Nord-Süd-Achsen durch Hilden abspielt, ist typisch für den amtlichen Umgang mit Ausnahmesituationen. Natürlich weiß man auch im Rathaus um die prekären Folgen solcher Maßnahmen für die Bürger. Aber warum dabei vor etwas zurückschrecken, wenn man die Leidensfähigkeit der Menschen immer wieder risikolos auf die Probe stellen kann?

Keine Frage: So lästig es auch sein mag, die Regenwasserkanalsanierung auf der Kirchhofstraße muss sein. Und dass dabei auch verkehrliche Einschränkungen hinzunehmen sind, steht ebenso außer Frage. Aber würde es nicht reichen, die Sperrung und Umleitung konkret auf die Zeiten zu beschränken, in denen die Bauarbeiten auch tatsächlich stattfinden und die Nutzung der Fahrspuren unmöglich ist?

Was prinzipiell selbstverständlich erscheinen mag, ist offenbar im Rathaus überhaupt nicht klar. Und das ist kein Einzelfall. Wir erinnern uns: Im vergangenen Jahr nervten nicht abgestimmte Baustellen im Bereich Elberfelder Straße /Ostring den ganzen Sommer über die Autofahrer, an der Oststraße dauerte es gar bis zum Jahresende. Die unhaltbaren Zustände veranlassten die Bürgeraktion damals zu mehreren Anfragen im Stadtrat. Und damals wie jetzt ist der Stein des Anstoßes der gleiche: ein miserables Baustellen-Management.

Verkaufsoffener Sonntag – das Modell bekommt Risse

Am vergangenen Wochenende bot die Stadt nach dem Willen des Rates wieder einen verkaufsoffenen Sonntag an. Viele Leute kamen, trotz schlechten Wetters war die Fußgängerzone voll. Aber die Geschäfte liefen schlecht. Hat sich der verkaufsoffene Sonntag überlebt? Ein Kommentar.

Das hätte einer noch vor zwei Jahren wagen sollen: Jeder, der damals versuchte, die Anzahl der verkaufsoffenen Sonntage zu reduzieren, oder sie gänzlich in Frage zu stellen, wurde dem öffentlichen Spott ausgesetzt und der geistigen Vorgestrigkeit verdächtigt.
Die verkaufsoffenen Sonntage waren gewissermaßen heilig gesprochen. Wer an ihnen rüttelte, zog den geballten Zorn einer dem Mammon erlegenen „Kof-mich-Phalanx“ auf sich, oder gab sich zumindest verständnislos-überlegenem Gelächter preis.

Hat sich daran etwas geändert? Zumindest bröckelt die bisherige Euphorie, weicht die jede Kritik ins Abseits stellende Überlegenheit nüchterner Erkenntnis. Selbst um das Argument, der stationäre Einzelhandel müsse mit Verkaufssonntagen dem Internet etwas entgegensetzen, ist es still geworden.

Wie man hört war die Innenstadt am vergangenen Sonntag voll. Aber die Leute kamen mehr zum Schauen und Erleben als zum Einkaufen, resümieren Händler enttäuscht. Wenn selbst ehemalige Protagonisten jetzt etwas kleinlaut auf Distanz gehen, weil Ihnen der Handel, dem sie sich uneingeschränkt verpflichtet sahen, davonläuft, bekommt das Modell Risse.

Inflationäre Entwicklung

Die Bürgeraktion hatte sich seit jeher zu dem Thema kritisch verhalten; wohlwissend, damit mehrheitlich im Stadtrat zu unterliegen. Insbesondere die ausufernd inflationäre Entwicklung – die selbst Blüten trieb wie ‚Verkaufsoffen am Muttertag‘ oder am vierten Advent – und das Geschachere um Termine hatte die BA zu offener Kritik veranlasst.
Jetzt scheint dem Sonntags-an-der-Ladentheke-stehen deutlich der Reiz abhanden zu kommen. Nachdem in unserem Ballungsraum inzwischen so gut wie jeden Sonntag irgendwelche Städte oder auch nur Stadtteile sich finden, die zum „Shoppen“ einladen, ist nichts mehr Besonderes dabei.

Kritik des Einzelhandels gab es bisher nur hinter vorgehaltener Hand. So war immer wieder zu hören, dass der Sonntag keine zusätzliche Kaufkraft bringe – und wenn, der Folgetag um so schwächer ausfalle. Kein Wunder: In einer endlichen Welt auf endloses Wachstum zu setzen, kann nicht auf Dauer gut gehen.

Das wollten aber viele Verantwortliche in Politik und Verwaltung nicht hören, geschweige denn wissen. Wenn jetzt Einzelhändler laut über ein Nicht-mehr-Mitmachen nachdenken und der Presse ihre Gedanken zu Protokoll geben, wird das über kurz oder lang zum Umdenken zwingen.

Die Zeit, in der verkaufsoffene Sonntage sakrosankt waren, ist Vergangenheit.

Eiszeit bei der Feuerwehr

Seit Wochen gärt es bei der Hildener Feuerwehr. Um das Betriebsklima steht es dem Vernehmen nach nicht zum Besten.

Ein Kommentar von Ludger Reffgen

Das Bild und die sich auftuenden Parallelen sind frappierend. Da sitzen in der Erkrather Stadthalle derzeit Eiszeitforscher beisammen und erörtern Erkenntnisse zum Verhalten des Neandertalers in der Eiszeit. Die These: Er könnte geflüchtet sein vor den Unbilden der Natur. Abwegig ist das nicht. Wer setzt sich schon freiwillig den widrigen Bedingungen der Kälte aus? Im Zweifel ergreift man da die Flucht, sucht andere Plätze mit klimatisch günstigeren Bedingungen.

Davon weiß aktuell auch die Hildener Feuerwehr ein Lied zu singen. Die Atmosphäre in den Reihen der Wehr ist arg frostig, wie man hört. Nicht, dass im Feuerwehrhaus die Heizung nicht funktionieren würde. Aber es mangelt an Herzenswärme. Und die will „von oben“ (vor-)gelebt sein.

Ein Problem, das in Hilden allerdings nicht nur die Feuerwehr kennt, sondern eigentlich seit einigen Jahren schon rathaustypisch ist.

Unter Feuerwehrleuten freilich wirkt soziale Kälte besonders signifikant. Weil dort nicht nur – wie in der Stadtverwaltung – für Geld gearbeitet wird, sondern auch, über die freiwillige Wehr, noch eine gehörige Portion ehrenamtliches Engagement ins Spiel kommt.

Feuerwehr ist seit jeher mehr als ein Job. Feuerwehr ist eine Herzensangelegenheit – nichts für unterkühlte Apparatschiks. Das kommt es nicht von ungefähr: Eines der wichtigsten Bindeelemente in der Feuerwehr war schon immer die Kameradschaft, die wie menschlicher Klebstoff den familiären Zusammenhalt in der Truppe fördert. Wenn jetzt in den Reihen der Hildener Wehr von einer unterentwickelten Willkommenskultur die Rede ist und fehlende Anerkennung angeprangert wird, muss das den Lebensnerv der Truppe berühren.

Den mehr Menschlichkeit und Würdigung ihrer Leistung einfordernden Wehrleuten mit der verwaltungseigenen Technokratenmanier zu begegnen, dürfte dem Problem nicht gerecht werden. Im Gegenteil – die gefühlsentleerte, seelenlose Art, die in Hilden um sich gegriffen hat, wird die soziale Eiszeit eher verschärfen und die Betroffenen weiter nach klimatisch günstigeren Bedingungen schauen lassen.

„Haushaltstour“ – Alarm: Da müssten beim Stadtrat alle Sirenen heulen 

Ein Kommentar von Ludger Reffgen

Mitte Dezember, der Rat in vorgezogener Festtagsstimmung – Friede, Freude, Eierkuchen. „Arm aber liquide“ beschreibt Beigeordneter Danscheidt Hildens Kassenlage. Und versucht sich damit vorsorglich mit einem Balanceakt: Einerseits soll die knappe Bonitätsbeschreibung ausdrücken, dass sich der Rat über die im Haushaltsplan-Entwurf vorgegebenen Ausgaben hinaus weitere Wünsche abschminken kann. Armut lässt keine Begehrlichkeiten zu. Bevor jedoch andererseits jemand auf die Idee kommt, den schlappen Finanzstatus der Verwaltungsnomenklatura anzulasten oder möglicherweise sogar Missmanagement und Fehlplanung in der Beletage des Rathauses damit in Verbindung zu bringen, wird er flugs belehrt: An der Liquidität der Stadt bestehen keine Zweifel.

Der Rat schluckt willig die Beruhigungspille und begibt sich in die Weihnachtspause.

Erster Szenenwechsel. Drei Wochen später eine Brandmeldung, die beim Stadtrat alle Sirenen heulen lassen müsste: Über die Presse erfährt der Rat, dass sieben Jahre nach Inbetriebnahme der neuen Feuerwache selbige zu klein ist und erweitert werden muss. Planungskosten sind vorausschauend schon in den Etatentwurf eingearbeitet. Reaktion des Rates: Abgesehen von kritischen Bemerkungen der Bürgeraktion, die es bisher aber auch nicht vom Redaktionsschreibtisch in die Zeitung schafften – keine. Die Herrschaften sind halt im Winterschlaf.

Zweiter Szenenwechsel. Vier Wochen nach der Haushaltseinbringung: Ein unerschrockenes Mädchen namens Stella aus dem Hildener Süden wird den Lesern der Rheinischen Post präsentiert. Die mutige Kleine hat nicht nur die Patenschaft über den Spielplatz am Topsweg übernommen, sondern schmeißt sich jetzt auch noch in die Bresche für die Reparatur des Spielgeräts, das Kindern auf der Spielfläche am meisten Spaß macht: die Seilbahn. Sie mag nicht einsehen, dass seit vier Monaten deren Betrieb ruht, ohne dass sich Besserung abzeichnet. Deshalb hat sie schon mal 466 Euro für eine Reparatur gesammelt und eine Unterschriftenaktion angestoßen. Bei der Verwaltung ist an Instandsetzung in diesem Jahr nicht zu denken, denn die Ausgaben zur Schadensbehebung schafften es nicht in den Etatentwurf für 2019.

Ob sich Stella wohl für die „Haushaltstour“ des Bürgerhaushalts angemeldet hat? Am nächsten Wochenende könnte sie versuchen, tiefere Einblicke in die Geheimnisse des Haushalts der Stadt Hilden zu bekommen und Bürgermeisterin und Kämmerer fragen, warum ausgerechnet die Reparaturkosten für das Drahtseil der Seilbahn auf ihrem Spielplatz nicht in der Etatplanung für das laufende Jahr vorkommen. Aber bislang stehen nur Vorzeigeprojekte der Stadt auf dem Fahrplan der „Haushaltstour“. Und im Übrigen wird der Alarm von der Feuerwehr ausgelöst, nicht von Stella auf dem Spielplatz.

Zum Jahreswechsel – Wie die Bürgermeisterin 2018 bilanziert

In ihrem Neujahrsgrußwort zieht Hildens Bürgermeisterin eine positive Bilanz für 2018. Ist das Ergebnis gerechtfertigt?

Ein Kommentar von Ludger Reffgen

Ein Jahreswechsel bietet in aller Regel Anlass für Vorsätze und Ziele. Das ist im Privaten nicht anders als für eine Stadt. Am Ende des Jahres kann man dann Bilanz ziehen, „ob man das erreicht hat, was man sich vorgenommen hatte.“

Diesen gedanklichen Weg zeigt die Bürgermeisterin in ihrem Jahresrückblick den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt auf. Wer ihn mitgehen will oder ihn zumindest nachvollziehen möchte, versucht zunächst, sich mit der Ausgangssituation, den Vorsätzen und Zielen, vertraut zu machen. Da wäre es logischerweise nicht schlecht, diese einmal zu erfahren. Wie war das vor einem Jahr, Anfang 2018?

Bilanz ohne Maßstäbe: Ziele hat Hilden noch nie formuliert

 

Aber schon an dieser Stelle kann der wohlwollende Bürger seine guten Absichten knicken: Über die ursprünglichen Vorsätze der Stadt schweigt sich die Bürgermeisterin aus. Und allgemeine Ziele zu benennen, wäre ihr sogar schier unmöglich, denn die wurden in Hilden noch nie formuliert.

Wie will man folglich zu einer objektiven Bewertung kommen, wenn die Maßstäbe im Dunkeln liegen? Mit solchen Fragen hält sich die SPD-Frau aber mal erst gar nicht auf, sondern hat die Antwort – woher auch immer – gleich parat: „Meine Bilanz ‚Hilden 2018‘ ist positiv.“

Damit’s auch jeder glaubt, folgen einige Aufzählungen: Hilden ist eine attraktive Stadt, es gibt viele Freizeitangebote, hier kauft man gerne ein. Allesamt genannten Faktoren sind zwar allgemeingültiger Natur und haben nichts Spezielles mit dem Jahr 2018 zu tun; aber sei’s drum – der Zweck heiligt die Mittel.

Herausragend für die Entwicklung der Stadt sei ihre Anpassungsfähigkeit, schlussfolgert die Bürgermeisterin und verweist in diesem Zusammenhang auf drei Jubiläen: das 10-jährige Bestehen der Lernpaten, der 100. Geburtstag des evangelischen Kinderheims und die 50 Jahre alt gewordene Partnerschaft mit Warrington. „2018 war für Hilden positiv“, lautet ihr Fazit. Glückwunsch, es gab etwas zu feiern.

Dann dankt die Bürgermeisterin den Hildenern für überdurchschnittliches Bürgerengagement und hebt dabei beispielhaft und zu Recht den kulturpolitischen Einsatz des Jugendparlaments zum 80-jährigem Gedenken an die Reichspogromnacht hervor. Dieser Vorgang wiegt umso bedeutsamer, als ihr noch 2017 der Idealismus des Vereins Nostromo um Peter Brack für die Kulturbühne im Area 51 keinen Pfifferling wert war.

Besser auf die eigene Wahrnehmung verlassen: Personal-Flucht im Rathaus

 

Als Beweis für den Fortschritt führt die Rathauschefin ein neues Geschäftsfeld der Stadtwerke an: Im vergangenen Jahr hat der örtliche Energie-Versorger damit begonnen, in einzelnen Gewerbegebieten vornehmlich im Westen der Stadt ein Glasfasernetz aufzubauen. Der „Fortschritt“ hält sich allerdings bei Licht besehen sehr in Grenzen und kommt auch nur mit erheblicher Verzögerung und dann auch noch sehr schleppend daher: Andere Städte haben den Ausbau von Datenautobahnen schon in weiten Teilen ihres Territoriums abgeschlossen.

Als Verwaltungschefin wirft die Bürgermeisterin in ihrer Bilanz auch einen Blick aufs Rathaus. Wer hier auf einen Blick hinter die Kulissen hofft, sollte sich besser auf seine eigene Wahrnehmung verlassen. Dass sie die hohe Fluktuation in den Ämtern ausschließlich dem demographischen Wandel zuschreibt, wird ihr im Rathaus niemand abnehmen. Kein Wort über die miese Stimmung bei den Mitarbeitern, die in den letzten Jahren geradezu zu einer Personal-Flucht geführt hat. Und das, was sich im abgelaufenen Jahr bei der Wiederbesetzung von Amtsleiterstellen abgespielt hat, war nun auch wirklich kein Ruhmesblatt für Personalentwicklung. Die Nachfolge des Kämmerers geriet zum Fiasko. Die Leitung des Kulturamts blieb wegen Tatenlosigkeit ein halbes Jahr unbesetzt und wird jetzt von der Musikschulleiterin halbtags übernommen.

Abschließend in der Bilanz noch ein Pflicht-Thema: die Finanzen, die nach der Kurzformel Alles-bleibt-wie-es-ist fortgeschrieben werden. Die Bürgermeisterin wünscht sich „Menschen, die (…) möglich machen, was möglich ist, und dabei auch über den Tellerrand schauen“. Das hätte sie beim Thema Finanzen – und nicht nur dort – einmal selbst tun sollen, um dann zu erklären, wie sich Hilden auf die massiven Steuersenkungen in der Nachbarstadt Langenfeld einstellt.

Frisiert und schöngefärbt

 

Aber zu dieser Herausforderung gibt es kein Wort. Genauso wenig zu den unübersehbaren Zielkonflikten der Stadtentwicklung, der Situation auf dem Wohnungsmarkt, den für Hilden verheerenden Auswirkungen des Klimawandels oder des sich spürbar bahnbrechenden Bürgerprotests, zum Beispiel bei strittigen Bauprojekten oder in Sachen Schulentwicklungsplan. Es wäre gut gewesen, der Bürgermeisterin, die alle Hildener im Blick haben sollte, wäre auch dazu ein Satz eingefallen.

So bleibt die Bilanz der Bürgermeisterin frisiert und ihre Bewertung geschönt. Sie verdient nicht das Testat der Unbedenklichkeit.

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