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Kultur

Kulturausschuss: BA-Vorstoß für Fortbestand des Elektro-Museums

Mit einem Vorstoß im Kulturausschuss hat die Bürgeraktion versucht, dem in diesem Monat obdachlos werdenden Elektro-Museum aus der Klemme zu helfen. „Sieht die Verwaltung eine Möglichkeit, dem Elektro-Museum in dem Gebäude der ehemaligen Löwen-Apotheke an der Benrather Straße eine vorübergehende Bleibe zu verschaffen? Zumindest mit einer einstweiligen Unterbringung der Gegenstände, bis eine endgültige Lösung für das Museum gefunden ist“, wollte der kulturpolitische Sprecher der BA-Fraktion, Ludger Reffgen, von Kultur-Dezernent Sönke Eichner wissen.

Der winkte im Bausch und Bogen ab. Und baute zudem gleich vor: Die Stadt habe keine Neigung, die private Sammlung zu übernehmen. Es gebe bei der Stadt auch keine Räumlichkeiten, die zur Unterbringung angeboten werden könnten. Die frühere Löwen-Apotheke werde für andere Exponate gebraucht.

Nostalgiereise durch 80 Jahre Elektrotechnik

Die Bürgeraktion bedauert diese rigoros ablehnende Haltung der Stadt. Das Elektro-Museum, so die BA in der Begründung zu ihrer Anfrage, sei seit einigen Jahren am Mühlenbachweg auf privater Basis betrieben worden. Der Initiator habe es sich zur Aufgabe gemacht, anschaulich und kenntnisreich die technische Entwicklung bei Elektro-Geräten aus der haushaltsnahen, privaten und gewerblichen Anwendung aufzuzeigen. „Präsentiert wurde ein Querschnitt aus dem 20. Jahrhundert, ein Zeitraum, in dem sich die Technik revolutionär und immer rasanter entwickelt hat“, so Reffgen.

Im Laufe einiger Jahrzehnte sei eine umfangreiche Sammlung deutscher Technikgeschichte entstanden, die dem Museum regionale Anerkennung und Aufmerksamkeit verschafft habe. „Sie vermittelte auch etwas vom Erfinder-Geist und -Reichtum und lieferte wichtige Erkenntnisse zur kulturgeschichtlichen Entwicklung der Zivilisation im analogen, präelektronischen Zeitalter.“ Den Besuchern sei eine Nostalgiereise durch 80 Jahre Elektrotechnik geboten worden. „Wir würden den Fortbestand des Museums sehr begrüßen“, so Reffgen abschließend.

Jüdische Kulturtage – Hilden ist nicht mehr dabei

Hilden ist bei dem größten jüdischen Kunst- und Kulturfestival in der Bundesrepublik ausgestiegen. – Für die Bürgeraktion völlig unverständlich.

Was hat die Stadt bewogen, aus dem Kreis der mitveranstaltenden Kulturämter, Förderer und Aufführungsorte der „Jüdischen Kulturtage“ auszusteigen? Aus der Anfrage der Bürgeraktion spricht Verärgerung. Die mag Ludger Reffgen auch gar nicht verbergen. „Ich war stolz darauf, dass Hilden bei diesem besonderen Kunst- und Kulturfestival mitmachte“, sagt der frühere Kulturausschussvorsitzende.

Bei den Jüdischen Kulturtagen handelt es sich um ein gemeinsames Projekt vieler Kommunen, einzelner Kreise, dem Landschaftsverband Rheinland, dem Kultursekretariat Wuppertal und dem Landesverband der Jüdischen Gemeinden. Sie finden in diesem Jahr zum 5. Mal statt. Wie dem aktuellen Programm der gerade gestarteten Neuauflage zu entnehmen ist, sind zwar wieder viele Städte der Regionen Rheinland, Ruhrgebiet und Bergisches Land als Mitveranstalter, Förderer und gastgebende Aufführungsorte dabei, nicht jedoch – und damit anders als noch beim letzten Mal vor vier Jahren – Hilden.

„Hilden hätte allen Grund, ganz besonders und mehr als andere jüdische Kultur zuzulassen und zu fördern.“

Dabei hätte Hilden allen Grund, ganz besonders und mehr als andere jüdische Kultur zuzulassen und zu fördern, ihr nicht aus dem Weg zu gehen, findet Reffgen. Die besonders schlimmen Ausschreitungen und die Vielzahl der Morde des 9. November 1938 in der Stadt hätten im Hilden der Nachkriegs- und Jetztzeit eine besondere Sensibilität gegenüber dem Holocaust und der Judenverfolgung bewirkt. Die Stadt gebe sich 80 Jahre nach der Reichspogromnacht ihrer besonderen historischen Verantwortung bewusst und lasse durch Aktionen gerne erkennen, dass sie die Lektion aus der Geschichte gelernt habe. Das sei gut und der schrecklichen Erfahrung angemessen.

Da passe es aber überhaupt nicht, bei den Jüdischen Kulturtagen auszusteigen. Diese verstehen sich mit insgesamt einigen hundert Veranstaltungen als größtes jüdisches Kulturfestival in der Bundesrepublik, voller kultureller Höhepunkte, die weit über die hiesigen Regionen hinausstahlen. „Das Hildener Publikum erinnert sich gerne an Ausstellungen, Lesungen, Vorträge und Konzerte aus diesem Veranstaltungsprojekt, die die kulturelle Vielfalt hier bei uns bereichert haben“, so Reffgen.

Der kulturpolitische Sprecher der BA-Fraktion will jetzt wissen, wer die Entscheidung, sich als Stadt Hilden nicht mehr zu beteiligen, zu verantworten hat, wie hoch die finanzielle Beteiligung bisher war und wie die Stadt künftig mit dem Thema „Jüdische Kulturtage“ umzugehen gedenkt.

„Sonntags gratis ins Museum“ – Mit der Idee tut sich Hilden schwer

Äußerst skeptisch reagierte der Kulturausschuss auf den Vorschlag der Bürgeraktion, eine Idee aus Düsseldorf zu übernehmen. Dort wird seit ein paar Monaten Besuchern sonntags in vielen Museen freier Eintritt gewährt.

Was sich in Düsseldorf bewährt, könnte doch auch für Hilden gut sein, dachte die BA, als sie beantragte, sonntags künftig im Wilhelm-Fabry-Museum gratis die Türen zu öffnen. Mit der Aktion setze die Nachbarstadt ein kulturpolitisches Ausrufezeichen, das nachahmenswert sei, argumentierte Ludger Reffgen für die BA-Fraktion im Kulturausschuss. Den Menschen werde eine anspruchsvolle Alternative bei der Freizeitgestaltung geboten.

In Düsseldorf sei das soziale Kultur- und Bildungsangebot mit bemerkenswertem Erfolg gestartet: Die teilnehmenden Kunsthäuser der Landeshauptstadt konnten bereits in den ersten Wochen ihre Besucherzahlen vervielfachen. Auch das Folkwang-Museum in Essen verzichte schon seit längerer Zeit für seine Regel-Präsentation auf Eintrittsgelder und habe seitdem seine Besucherzahlen verdreifacht.

Aus Sicht der BA sollte das Beispiel in der Umgebung Schule machen. Die Idee dahinter: Wer sonntags ins Museum geht, kann dies in der ganzen Region kostenlos tun. Reffgen: „Je mehr Museen dabei mitmachen, umso besser. Das Ziel ist eine Museumslandschaft, die sich insbesondere für Familien zur Freizeitgestaltung am Wochenende anbietet und dabei auf Hürden und Schwellen weitestgehend verzichtet.“

„Es ist einfacher, sonntags Geschäfte zu besuchen, als einen kostenfreien Zugang zum Museum zu bekommen.“

So einfach wie in Düsseldorf und Essen scheint das in Hilden allerdings nicht zu gehen. Zwar stand die Museumsleitung in der Sitzung des Kulturausschusses nicht für eine Stellungnahme zur Verfügung; die Verwaltung hatte jedoch vorab den fiktiven Verlust durch entgangene Eintrittsgelder hochgerechnet und vermutet, ihr gingen dabei etwa 1000 Euro im Jahr durch die Lappen. Anlass für die meisten Fraktionen abzuwinken. Doch nicht genug damit. Die SPD sprach gar von „Folgeschäden“, sollte es zu einem positiven Beschluss kommen und befürchtete, das Museums-Personal könnte an Wochenenden überfordert sein.

Jetzt sollen dem Kulturausschuss erst einmal die Besucherzahlen vorgelegt werden: während der Woche, an normalen Wochenenden und an verkaufsoffenen Sonntagen. Denn, darauf hatte die BA auch hingewiesen, bisher sei es einfacher, sonntags Geschäfte zu besuchen, als einen kostenfreien Zugang zum Museum zu bekommen.

Kulturamt – BA: „Applaudiert wird nach der Vorstellung“

Zur Euphorie der SPD, die neue Führung des Kulturamts mit Vorschusslorbeeren zu überschütten, hat die Ratsfraktion der Bürgeraktion Stellung bezogen.

Bevor die neue Leitungsstruktur des Kulturamts über den grünen Klee gelobt werde, müsse sie sich zunächst einmal in der Praxis bewähren, dämpft die Bürgeraktion allzu hochfliegende Erwartungen, wie sie jüngst von der SPD vorgetragen wurden.

Es gelte in einigen Kultursparten ein hohes Leistungsniveau zu erhalten. Vieles sei aber auch verbesserungswürdig, wie beispielsweise der Hildener Sommer, dessen Qualitäten bereits seit einigen Jahren leichtfertig verspielt wurden. „Über den Applaus entscheidet das Publikum erst nach der Vorstellung“, so der kulturpolitische Sprecher der BA-Fraktion, Ludger Reffgen, in Anspielung auf die üblicherweise am Ende eines Auftritts zu entscheidende Frage, wieviel Beifall die Akteure auf der Bühne verdienen.

Kritisch und keineswegs unbedenklich sieht Reffgen die Entwicklung der Musikschule. Eine Institution mit über 2000 Schülern mit einer Halbtagsstelle zu leiten sei nicht risikolos. Die Musikschule genieße seit Jahren weit über die Grenzen Hildens hinaus einen extrem guten Ruf, der nicht verloren gehen dürfe. Reffgen monierte im Kulturausschuss, dass die seit Juli vergangenen Jahres vakante Stelle des stellvertretenden Musikschulleiters noch immer nicht besetzt sei. Die Dinge schleifen zu lassen und jetzt gerade mal das Ausschreibungsverfahren zu betreiben, sei kein guter Stil, auch dem Kollegium gegenüber.

Kulturamt auf der Kippe

 

Beim Rätseln um die neue Amtsleitung gibt es mehr Fragezeichen als Aufklärung

Die Bürgeraktion sorgt sich um die Zukunft des Kulturamts. Seine Leitung ist seit Wochen vakant. Amtsleiterin Monika Doerr war Anfang September in den Ruhestand gewechselt. Ihr Abschied kam nicht überraschend. Er war seit Jahresbeginn angekündigt. Über die Nachfolge indes wird gerätselt. Bürgermeisterin und Kulturdezernent hüllten sich lange in Schweigen.

Das jedoch schien auch neun Monate nach Bekanntwerden der sich abzeichnenden Vakanz – abgesehen von einigen hauptamtlichen Akteuren in den kulturellen Einrichtungen der Stadt – niemanden zu interessieren, geschweige denn zu stören.

Ende September erkundigte sich die Bürgeraktion offiziell nach der weiteren Entwicklung in dem publikumsrelevanten Amt. In einer Anfrage wollte die BA von der Bürgermeisterin wissen, wie, wann und mit wem es im Kulturamt weitergeht, und ob es vielleicht Organisationsüberlegungen gibt, die möglicherweise in die vorhandenen Strukturen der diversen kulturellen Institutionen der Stadt eingreifen.

Kultur-Amtsleitung mit Teilzeitkräften?

In ihrer Antwort teilte die Verwaltungschefin durch Personaldezernent Danscheidt nebulös mit, es seien intern Modelle entwickelt und diskutiert worden. Dabei seien die Würfel für eine Variante gefallen, die auf vorhandenem Personal beruhe und die stellvertretende Musikschulleitung einbeziehe. Daher erfolge die Ausschreibung ausschließlich intern. Das Kulturamt solle künftig einerseits unter „führungsspezifischen“, andererseits unter „kulturell-inhaltlichen Anforderungen“ durch Halbtagskräfte geleitet werden. An den weiteren Planungen solle die Organisationsabteilung beteiligt werden. Über deren Ziele schweigt sich die Stellungnahme aus.

Die Bürgeraktion hält das für wenig überzeugend und sieht ihre Anfrage damit nur äußerst unzureichend beantwortet. Nach Ansicht von BA-Fraktionschef Ludger Reffgen tun sich mit der Antwort mehr Fragezeichen auf, als Aufklärung erzeugt wird. Er hat sich daher erneut an die Bürgermeisterin gewandt. Die über den Personaldezernenten erteilte Antwort falle so unklar und verstellt aus, dass von einer aufschlussreichen Information nicht die Rede sein könne, schreibt Reffgen. Deshalb möchte die BA die Angelegenheit jetzt im Kulturausschuss zum Thema machen und bittet die Bürgermeisterin, den Sachverhalt um die Nachfolgeregelung im Kulturmanagement der Stadt und die Organisationsstruktur im Kulturamt in einer Sitzungsvorlage aufzubereiten.

„Wenn die Position spartenübergreifend kompetent besetzt wird, liegt in dem Wechsel eine Chance“

Während es auf der Position der stellvertretenden Amtsleitung, die für gewöhnlich die administrative Rolle spielt, in der Vergangenheit immer wieder Wechsel gab, hatte es an der Spitze des Amts, die auch für den Kreativpart steht, über mehr als zwei Jahrzehnte Kontinuität gegeben. Dabei sei die Gefahr, sich in der gleichmäßigen Fortschreibung zu verschleißen, naturgemäß nicht unbegründet und gerade für die auf kreative Ideen angewiesene Kulturszene im Zweifel fatal. Deshalb, so Reffgen, könnte nach vielen Jahren des Gleichklangs mit einem Wechsel ein Neubeginn einhergehen, dem die Chance zufiele, neue Kräfte und Ideen freizusetzen. Vorausgesetzt, so der frühere Kulturausschussvorsitzende: „Die Position wird spartenübergreifend kompetent besetzt und nicht nur unter haushalterischen Gesichtspunkten gefüllt.“ Nur so lasse sich für die Stadt ein ebenso qualitativ hochwertiges wie ungewöhnlich reichhaltiges und vielseitiges Kulturangebot garantieren.

Ob es tatsächlich dazu kommt, daran hegt die BA starke Zweifel. Der zuständige Fach-Dezernent, Sönke Eichner, der bereits bei seinem Amtsantritt vor annähernd zwei Jahren keinen Hehl daraus machte, dass Kultur nicht zu seinen Stärken zählt, ist bisher nicht als engagierter Kurator der Hildener Kultur in Erscheinung getreten. Das dämpft die Erwartungen an die künftige Entwicklung eines Amts, das sich unter Monika Doerr auf eine große Tradition mit klangvollen Namen von nationaler Reputation stützen konnte: Hubertus Franzen, nach seiner Hildener Zeit Intendant der Münchner Philharmoniker und Barbara Kisseler, zuletzt bis zu ihrem allzu frühen Tod Hamburger Kultursenatorin.

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