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Verwaltung

Beigeordneten-Wahl: Schlappe für die SPD – Stuhlträger „einstimmig“ zum Baudezernenten gewählt – ohne die Stimmen der SPD-Fraktion

Die SPD schmollt. Bei der Beigeordneten-Wahl in der letzten Woche ist sie mit ihrer Kandidatin nicht zum Zug gekommen.

Mit einer unter Applaus aus den eigenen Reihen abgegebenen Erklärung versuchten die Genossen, in der Ratssitzung wenigstens ihrem kollektiven Ärger Luft zu machen. Nachdem fest stand, dass sich für ihre Kandidatin keine Mehrheit findet, hatte die zum Wechsel von Leichlingen nach Hilden bereite Fachbereichsleiterin, vermutlich auf Weisung, ihre Bewerbung zurückgezogen. Bei der Wahl enthielten sich die SPD-Ratsmitglieder letztlich der Stimme. Enthaltungen werden bei der Bewertung des Ergebnisses üblicherweise nicht mitgezählt.

In der Tat hatte sich bereits Tage zuvor – zum Leidwesen der seit Jahren gerade in personeller Hinsicht erfolgsverwöhnten SPD – ein deutliches Votum für den bisherigen Planungsamtsleiter Peter Stuhlträger abgezeichnet. Ein Novum für die Hildener Genossen. Die Bürgermeisterin schien’s zähneknirschend zu schlucken, nachdem alle Rettungsversuche, ihre Favoritin durchzubringen, gescheitert waren und die SPD-Fraktionsführung zur Wahl frustriert mit leeren Händen da stand.

Fakten, die bei der SPD nicht gefragt waren

Da galt es zu versuchen, der aus sechs Fraktionen gebildeten Ratsmehrheit zumindest vermeintliches Fehlverhalten vorzuwerfen. Die Mehrzahl der Fraktionen ignoriere das Votum der Findungskommission, lautete der Genossen-Vorwurf. Folgte man dieser Kritik, hätte sich der Rat bevormunden lassen müssen. Abgesehen vom fragwürdigen Demokratieverständnis, das diese Schelte ans Licht fördert, hatte das zum Zweck der Vorbereitung interfraktionell besetzte Gremium (ein Vertreter je Fraktion) lediglich den Auftrag, aus dem Kreis einer engeren Bewerberauswahl zu sichten, wer und wieviele Kandidaten dem Rat präsentiert werden sollten. Was auch sonst? Keine Rede von präjudizierenden, die Souveränität des Rates einschränkenden Entscheidungen.

Und noch etwas hatte letztlich die Ratsmitglieder mehrheitlich in ihrer Wahlentscheidung bestärkt: Auf der Zielgeraden war bekannt geworden, dass die Bewerberin aus Leichlingen dort in einen Bauskandal verwickelt ist, der die Blütenstadt noch teuer zu stehen kommen kann. Aber für diese Nachricht hatte die SPD mal erst gar keine Antenne ausgerichtet.

Beigeordneten-Wahl: Volksmund versus Politik

Der Stadtrat soll in der kommenden Woche (11.09.), ein Jahr vor der Bürgermeister- und Stadtratswahl, über die neue Leitung des Baudezernats im Hildener Rathaus befinden. Die Wahlzeit beträgt acht Jahre.

Kommentar von Ludger Reffgen

Soweit der Volksmund Recht hat, freut sich der Dritte, wenn zwei sich streiten. Nun liegt weder der Volksmund immer richtig, noch gibt es bei einer Auseinandersetzung, die zwischen zwei Kandidaten ausgetragen wird, automatisch immer einen lachenden Dritten. Aber dennoch, wie so oft, birgt der Volksmund häufig einen wahren Kern.

Die Redensart kam mir in den Sinn, als ich über die Konstellation im Zusammenhang mit der Neuwahl eines/r Technischen Beigeordneten für die Stadt Hilden nachdachte. Dort kämpfen im Augenblick zwei Kandidaten um die Gunst der Fraktionen. Herr rechts, Dame links, könnte man die Lage schnell auf einen etwas flapsigen Nenner bringen, wollte man die politische Zuordnung und die Schrittfolge auf dem Parkett zur Wahl beschreiben. Im Klartext: Die CDU spricht sich für den männlichen Kandidaten aus, die SPD favorisiert eine Bewerberin.

Kopf an Kopf

Nach Meinung von interessierten Beobachtern haben sich jetzt die kleinen Fraktionen zu entscheiden: Für den linken Stall, oder den rechten Stall. Soweit so gut, wäre da nicht eine weitere Bewerberin, die bei den meisten kleinen Fraktionen einen interessanten und damit wählbaren Eindruck hinterlassen hat. Die „Dritte“ im Bunde – an dieser Stelle kommt wieder das Sprichwort ins Spiel der Gedanken – hat allein den Makel, von keiner der „großen“ Fraktionen angemessen gewürdigt zu werden. Und fällt damit von vornherein durchs Raster der Betrachtung. Schade eigentlich, denn mit etwas virtueller Bewegung kämen ganz neue Möglichkeiten ins Spiel der Kräfte. Und wie gesagt – manchmal birgt der Volksmund doch einen wahren Kern.

BA kritisiert Stadtverwaltung: Taubenplage auch an der Gabelung

Leser der „Rheinischen Post“ haben neulich (15.08.) auf ein hohes Taubenaufkommen in der unteren Heiligenstraße hingewiesen und sich in Richtung Rathaus über die Folgen beschwert. Der Stadt lägen „keine Beschwerden wegen besonders hohen Taubenaufkommens vor“, hieß es dort. Und bezüglich der Hinterlassenschaften: „Ein besonderer Handlungsbedarf wird aktuell nicht gesehen.“

Die Taubenplage ist an einer Reihe von Orten in der Innenstadt ein ärgerliches Problem. Kürzlich hat die Bürgeraktion das Thema im Arbeitskreis „Sicherheit und Ordnungspartnerschaften“ angesprochen. Die BA hatte dort die üblen Spuren der Taubenplage am Beispiel „Gabelung“ zur Sprache gebracht.

Überall wo sich Fastfood- oder Außengastronomie in der Nähe befinden, für die Tiere also gelegentlich etwas „abfällt“, ist eine starke Tauben-Population nicht weit. An der Gabelung findet das Federvieh offenbar ideale Bedingungen, mit allen üblen Folgen der Verschmutzung. Dort ist rund um das Rheinbahn-Kundencenter unter den schattenspendenden Platanen ein Verschmutzungsgrad erreicht, der beispielsweise die Nutzung der Fahrradabstellanlagen teilweise gar nicht mehr zulässt, will man nicht anschließend eine Reinigung seines Zweirads riskieren.

„Schade“, findet die BA, weil der Taubendreck auch das architektonisch gut gestaltete Kundencenter der Rheinbahn abwertet und auf das Umfeld der Bushaltestelle negativ wirkt. Mit herkömmlichen Mitteln der Stadtreinigung ist das Problem offensichtlich nicht zu lösen. Um dem Eindruck zunehmender Verwahrlosung zu begegnen, hat die BA deshalb bei der Verwaltung für den Bereich eine Grundreinigung angeregt. Eine Erledigung steht indes noch aus.

Armutszeugnisse

Das Elektro-Museum wird von Recklinghausen übernommen. Warum der Verlust doppelt bitter ist. Ein Kommentar.

Wer künftig die von Elektro-Meister Günter Rateike über Jahrzehnte zusammengetragene Sammlung musealer Elektrogeräte bestaunen will, muss nach Recklinghausen ins Umspannwerk fahren. Wie die „Rheinische Post“ berichtet, hat das elektrotechnische Museum im nördlichen Ruhrgebiet die bisher im Elektro-Museum am heimischen Mühlenbachweg gezeigte Ausstellung übernommen.

Schade, werden viele sagen, denen die technischen Raritäten etwas bedeuteten und für die stolze Zeugnisse der technischen Entwicklung aus dem vergangenen Jahrhundert nicht nur auf Trödelmärkten einen Wert haben. Tröstlich immerhin, dass die mit Liebe, Leidenschaft und viel Fachkompetenz erhaltenen und aufpolierten Exponate für die interessierte Nachwelt würdig bewahrt und öffentlich zugänglich sein werden – wenn auch nicht mehr vor der Haustür als kleine Attraktion in Hilden.

Was aber noch viel schlimmer und empörender wirkt, ist die Schilderung Rateikes, was ihm bei der Suche nach einer neuen Bleibe und bei den Mühen um den Fortbestand für sein Museum in Hilden widerfuhr.

Wer Hilfe braucht oder Rat sucht, der wendet sich nach landläufiger Auffassung ans Rathaus. Das tat auch der Handwerksmeister. „Das können wir nicht gebrauchen, das kostet nur Geld“, habe er laut RP von der Bürgermeisterin zu hören bekommen. Kein nützlicher Tipp, kein Hilfsangebot. Nicht einmal der Versuch einer Hilfestellung oder eine kompetente Empfehlung. Ein trauriges Verhalten, das den Beobachter beschämt und kopfschüttelnd zurücklässt.

Ein Dilemma, das zu denken gibt

Aber auch das Kulturamt, das Fabry-Museum und die Stadtwerke hätten abgewunken. „Keiner hatte Interesse. Ich finde das furchtbar“, zitiert die Zeitung den alten Herrn.

Was die „Rheinische Post“ nicht erwähnt: Im Februar hatte die Bürgeraktion mit einer Anfrage unter Hinweis auf den kulturgeschichtlichen Wert der Sammlung den Fortbestand des Elektro-Museums im Kulturausschuss thematisiert. Parallel hatte die BA-Fraktion dort vorgeschlagen zu prüfen, ob die Sammlung zumindest vorübergehend in der früheren Löwen-Apotheke – das Haus an der Benrather Straße gehört der Stadt – eingelagert werden könnte, um für die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten in Hilden Zeit zu gewinnen. Über die Initiative war die Presse informiert worden. Auch an dieser Stelle hatten wir mit Hinweis auf die abschlägige Antwort der Verwaltung darüber berichtet.

Was hat Elektromeister Rateike falsch gemacht? Trotz Einladung habe kein Städtisch-Offizieller sein Museum je besucht, berichtet der passionierte Elektrotechniker. Die Enttäuschung steht ihm ins Gesicht geschrieben. Wahrscheinlich war es ein Fehler, nie bei der Stadt einen Antrag auf öffentliche Unterstützung gestellt zu haben, sondern sich ausschließlich mit seinem ehrenamtlichen Engagement und privatem Geld zu begnügen, gleichwohl aber seine Leidenschaft in den Dienst der Öffentlichkeit zu stellen. Aber ist allein der Gedanke nicht schon furchtbar, dass derjenige, der Jahrzehnte klaglos auf öffentliche Alimentierung verzichtet, am langen Ende der Dumme ist? Ein Fall, der zum Dilemma wurde, das in vieler Hinsicht zu denken gibt.

Eiszeit bei der Feuerwehr

Seit Wochen gärt es bei der Hildener Feuerwehr. Um das Betriebsklima steht es dem Vernehmen nach nicht zum Besten.

Ein Kommentar von Ludger Reffgen

Das Bild und die sich auftuenden Parallelen sind frappierend. Da sitzen in der Erkrather Stadthalle derzeit Eiszeitforscher beisammen und erörtern Erkenntnisse zum Verhalten des Neandertalers in der Eiszeit. Die These: Er könnte geflüchtet sein vor den Unbilden der Natur. Abwegig ist das nicht. Wer setzt sich schon freiwillig den widrigen Bedingungen der Kälte aus? Im Zweifel ergreift man da die Flucht, sucht andere Plätze mit klimatisch günstigeren Bedingungen.

Davon weiß aktuell auch die Hildener Feuerwehr ein Lied zu singen. Die Atmosphäre in den Reihen der Wehr ist arg frostig, wie man hört. Nicht, dass im Feuerwehrhaus die Heizung nicht funktionieren würde. Aber es mangelt an Herzenswärme. Und die will „von oben“ (vor-)gelebt sein.

Ein Problem, das in Hilden allerdings nicht nur die Feuerwehr kennt, sondern eigentlich seit einigen Jahren schon rathaustypisch ist.

Unter Feuerwehrleuten freilich wirkt soziale Kälte besonders signifikant. Weil dort nicht nur – wie in der Stadtverwaltung – für Geld gearbeitet wird, sondern auch, über die freiwillige Wehr, noch eine gehörige Portion ehrenamtliches Engagement ins Spiel kommt.

Feuerwehr ist seit jeher mehr als ein Job. Feuerwehr ist eine Herzensangelegenheit – nichts für unterkühlte Apparatschiks. Das kommt es nicht von ungefähr: Eines der wichtigsten Bindeelemente in der Feuerwehr war schon immer die Kameradschaft, die wie menschlicher Klebstoff den familiären Zusammenhalt in der Truppe fördert. Wenn jetzt in den Reihen der Hildener Wehr von einer unterentwickelten Willkommenskultur die Rede ist und fehlende Anerkennung angeprangert wird, muss das den Lebensnerv der Truppe berühren.

Den mehr Menschlichkeit und Würdigung ihrer Leistung einfordernden Wehrleuten mit der verwaltungseigenen Technokratenmanier zu begegnen, dürfte dem Problem nicht gerecht werden. Im Gegenteil – die gefühlsentleerte, seelenlose Art, die in Hilden um sich gegriffen hat, wird die soziale Eiszeit eher verschärfen und die Betroffenen weiter nach klimatisch günstigeren Bedingungen schauen lassen.

Spannende Personalfrage: Wie geht es im Hildener Bauamt weiter?

In Hilden gilt es in Kürze wieder eine spannende Personalfrage zu klären: Wie geht es an der Spitze des Bauamts weiter? Vor allem: Mit wem? Und wieviel Geld des Steuerzahlers kostet das?

Eine Analyse von Ludger Reffgen

In diesen Tagen ist bereits viel von Kandidaten und Personalfragen die Rede, über die jedoch erst in anderthalb Jahren, bei der Kommunalwahl im Herbst 2020 zu entscheiden sein wird. Bis es soweit ist, wird vielen der Wahlkampf vermutlich noch zu den Ohren herauskommen. Dennoch wird vielerorts fleißig versucht, das Personalkarussell mit echten, aber auch so manchem Möchte-gern-Kandidaten bereits jetzt in Schwung zu bringen.

Ein Karussell, das in Hilden schon wieder in naher Zukunft Fahrt aufnehmen wird, steht im Rathaus. Diesmal sitzt nicht der Kämmerer drauf – der Posten wurde vor Kurzem nach mehreren, quälend langen Anläufen endlich besetzt -, sondern die Baudezernentin. Rita Hoff, die öffentlich kaum wahrzunehmende Amtsinhaberin, ist als technische Beigeordnete Wahlbeamtin. Ihre Amtszeit endet im Spätsommer dieses Jahres.

Das Besondere: Frau Hoff nähert sich dem Pensionsalter und ist bei Ablauf ihrer Amtszeit noch etwa ein Jahr von der regulären Altersgrenze entfernt. Wenn sie für diese Zeit nicht ihre Pensionsansprüche verlustig gehen will, ist sie verpflichtet, sich erneut zu bewerben und könnte bis zu ihrem Ruhestand wiedergewählt werden. Falls der Stadtrat dies nicht tut und sich gegen Frau Hoff entscheidet, würde sie vorzeitig mit dem Anspruch auf hohe Ruhestandsbezüge aus dem Dienst scheiden und könnte den Rest ihres Berufslebens spazieren gehen – auf Kosten der Stadt. Was also tun?

Das Verhältnis der beiden Damen ist von Stress und Auseinandersetzungen geprägt

Dass das Verhältnis der beiden Damen in der Rathaus-Chefetage, der Bürgermeisterin als Dienstvorgesetzter und der Baudezernentin an der Spitze der Bauverwaltung von Stress und Auseinandersetzungen geprägt ist, pfeifen in Hilden die Spatzen von den Dächern. Ungenügende Führungskompetenzen auf beiden Seiten mit desaströsen Auswüchsen lassen es permanent krachen. Die Spannungen sind selbst Zuhörern bei öffentlichen Sitzungen nicht verborgen geblieben und haben schon so manchen Rathaus-Bediensteten fluchtartig seinen Dienst bei der Stadtverwaltung quittieren lassen. Dennoch stellt sich die Frage, ob diese Umstände reichen und es vor allem rechtfertigen, jetzt tief ins Stadtsäckel zu greifen und das Nichtstun einer verhinderten Baudezernentin zu finanzieren.

Abzuwarten bleibt auch, wie die Bürgermeisterin mit dieser Frage umgeht. Versucht sie auf Kosten der Allgemeinheit, das heißt der Steuerzahler, noch vor Ablauf der Wahlperiode und ihrer eigenen Wahlzeit im nächsten Jahr die Riege der Beigeordneten (politisch) nach ihrem Gusto neu zu strukturieren? Und welche Hilfs-Rolle spielt dabei die informelle Große Koalition? Wenn’s um Posten geht, wacht man dort doch in der Regel auf. Immerhin war Hoffs Amtsvorgänger der frühere SPD-Ratsherr und rot durchgefärbte Genosse Maximilian Rech.

Viel Zeit hat der Rat nicht, um sich mit der Frage vorbereitend zu beschäftigen. Nach der Gemeindeordnung können die Stadtverordneten frühestens ein halbes Jahr vor Ablauf der Amtszeit des Stelleninhabers darüber entscheiden; spätestens jedoch drei Monate vorher müssen sie es. Falls der Amtsinhaber nicht erneut antritt oder nicht wiedergewählt wird, muss die Stelle ausgeschrieben werden. Dann käme das Karussell richtig in Fahrt. Spannend wird es allemal.

„Haushaltstour“ – Alarm: Da müssten beim Stadtrat alle Sirenen heulen 

Ein Kommentar von Ludger Reffgen

Mitte Dezember, der Rat in vorgezogener Festtagsstimmung – Friede, Freude, Eierkuchen. „Arm aber liquide“ beschreibt Beigeordneter Danscheidt Hildens Kassenlage. Und versucht sich damit vorsorglich mit einem Balanceakt: Einerseits soll die knappe Bonitätsbeschreibung ausdrücken, dass sich der Rat über die im Haushaltsplan-Entwurf vorgegebenen Ausgaben hinaus weitere Wünsche abschminken kann. Armut lässt keine Begehrlichkeiten zu. Bevor jedoch andererseits jemand auf die Idee kommt, den schlappen Finanzstatus der Verwaltungsnomenklatura anzulasten oder möglicherweise sogar Missmanagement und Fehlplanung in der Beletage des Rathauses damit in Verbindung zu bringen, wird er flugs belehrt: An der Liquidität der Stadt bestehen keine Zweifel.

Der Rat schluckt willig die Beruhigungspille und begibt sich in die Weihnachtspause.

Erster Szenenwechsel. Drei Wochen später eine Brandmeldung, die beim Stadtrat alle Sirenen heulen lassen müsste: Über die Presse erfährt der Rat, dass sieben Jahre nach Inbetriebnahme der neuen Feuerwache selbige zu klein ist und erweitert werden muss. Planungskosten sind vorausschauend schon in den Etatentwurf eingearbeitet. Reaktion des Rates: Abgesehen von kritischen Bemerkungen der Bürgeraktion, die es bisher aber auch nicht vom Redaktionsschreibtisch in die Zeitung schafften – keine. Die Herrschaften sind halt im Winterschlaf.

Zweiter Szenenwechsel. Vier Wochen nach der Haushaltseinbringung: Ein unerschrockenes Mädchen namens Stella aus dem Hildener Süden wird den Lesern der Rheinischen Post präsentiert. Die mutige Kleine hat nicht nur die Patenschaft über den Spielplatz am Topsweg übernommen, sondern schmeißt sich jetzt auch noch in die Bresche für die Reparatur des Spielgeräts, das Kindern auf der Spielfläche am meisten Spaß macht: die Seilbahn. Sie mag nicht einsehen, dass seit vier Monaten deren Betrieb ruht, ohne dass sich Besserung abzeichnet. Deshalb hat sie schon mal 466 Euro für eine Reparatur gesammelt und eine Unterschriftenaktion angestoßen. Bei der Verwaltung ist an Instandsetzung in diesem Jahr nicht zu denken, denn die Ausgaben zur Schadensbehebung schafften es nicht in den Etatentwurf für 2019.

Ob sich Stella wohl für die „Haushaltstour“ des Bürgerhaushalts angemeldet hat? Am nächsten Wochenende könnte sie versuchen, tiefere Einblicke in die Geheimnisse des Haushalts der Stadt Hilden zu bekommen und Bürgermeisterin und Kämmerer fragen, warum ausgerechnet die Reparaturkosten für das Drahtseil der Seilbahn auf ihrem Spielplatz nicht in der Etatplanung für das laufende Jahr vorkommen. Aber bislang stehen nur Vorzeigeprojekte der Stadt auf dem Fahrplan der „Haushaltstour“. Und im Übrigen wird der Alarm von der Feuerwehr ausgelöst, nicht von Stella auf dem Spielplatz.

Feuerwache: Verwaltung überrascht mit Erweiterungsplänen

Gerade gut sieben Jahre sind vergangen, dass die Stadt sich voller Stolz über die Fertigstellung einer großzügig modernisierten und durch Um- und Neubau erweiterten Feuerwache freute. Doch wer geglaubt hatte, damit hätte Hilden für die nächsten zwanzig, dreißig Jahre ausgesorgt, wird jetzt eines Anderen belehrt.

Drei Wochen nach Einbringung des Haushalts präsentiert das Rathaus der Öffentlichkeit eine faustdicke Überraschung. Kaum dass die Erweiterung der Feuerwache hinsichtlich der bei solchen Projekten üblichen Nachbesserungen richtig  abgewickelt wäre, kommt die Verwaltung mit der Hiobsbotschaft um die Ecke, der Neubau sei den personellen Aufstockungen der Wehr nicht gewachsen und platze aus den Nähten.

Die mit gravierenden finanziellen Folgen verbundene Nachricht erstaunt um so mehr, als Feuerwehr-Dezernent Danscheidt in der Rolle des amtierenden Kämmerers in seiner Rede zum Haushaltsentwurf darüber keine Silbe verloren hat. Ist die neuerliche millionenschwere Investition in die Rettungswache so unbedeutend, dass sie bei der Präsentation der Finanzplanung unerwähnt blieb? Oder war sie für die Planungsverantwortlichen so peinlich, dass verschämt darüber hinweggegangen wurde?

Immerhin sollen sich in dem Zahlenwerk für 2019 versteckt Planungskosten für die Erweiterung befinden, die bereits kurzfristig anfallen sollen. Um so mehr hält die BA die Information und das Projekt von der Verwaltungsspitze für dringend erläuterungsbedürftig.

Darüber wird noch im Haupt- und Finanzausschuss zu sprechen sein. In diesem Zusammenhang ist für BA-Fraktionsvorsitzenden Ludger Reffgen auch die Frage von Interesse, warum bei der ersten Erweiterung offenbar Null Reserven eingeplant wurden. Wie vorausschauend war vor ein paar Jahren die Planung angelegt? Als vor gut sieben Jahren der Neu- und Umbau fertig wurde, hatte man noch die großzügige Architektur als ein Pfund gesehen, mit dem man „bei der Nachwuchsgewinnung künftig werde wuchern können“.

Die Beurteilung des für Hilden nicht unmaßgeblichen Bauprojekts müsse vor dem Hintergrund der heutigen Erkenntnisse in neuem Licht erfolgen. Von einer mit Weitsicht angelegten Planung könne jedenfalls nicht mehr die Rede sein, so Reffgen abschließend.

Großbaustellen auf der A 46 und der Elberfelder Straße – BA: „Das kann nicht gut gehen“

In dieser Woche beginnt die auf eine Dauer von mindestens 22 Monaten ausgelegte Großbaustelle in der Elberfelder Straße (B 228). In der gleichen Zeit wird im Hildener Kreuz vom Landesbetrieb Straßen NRW eine Brücke über die A 46 erneuert. Die Ratsfraktion der Bürgeraktion befürchtet schlimme Folgen für Autofahrer und Anwohner: „Unsere Bedenken sind nicht ausgeräumt. – Das kann nicht gut gehen.“

Die Wechselwirkung mit anderen Baustellen hatte sich bereits in den Sommerwochen gezeigt, als gleichzeitige Baustellen an Brücken auf dem Ostring und der Elberfelder Straße das Verkehrschaos bis weit in den Herbst perfekt machten. Das Verkehrsverhalten staugeplagter Autofahrer werde sich auch künftig nicht von den, auf falschen Annahmen beruhenden Prognosen des Hildener Tiefbauamts steuern lassen, so die BA.

Wie die Stadtverwaltung anzunehmen, dass der Neubau einer Brücke über die A 46 am Hildener Kreuz selbst bei Aufrechterhalten aller Fahrspuren keinerlei Einfluss auf den Verkehrsfluss haben werde, sei einfach weltfremd. Verengte Fahrstreifen auf der A 46 seien baustellenbedingt überhaupt nicht zu vermeiden und würden das Unfall- und Staurisiko für lange Zeit beträchtlich erhöhen. Autofahrer würden sehr sensibel auf staugefährdete Strecken reagieren.

„Die Verwaltung steuert sehenden Auges auf das nächste Verkehrschaos zu.“

Im Übrigen habe die Verwaltung noch letztes Jahr im Frühjahr bestätigt, dass ihr die Problematik voll bewusst sei: „In der Vergangenheit hatten die größten Auswirkungen auf den innerstädtischen Verkehr in Hilden akute Staus auf der A 46 Richtung Düsseldorf. Autofahrer versuchten dann auf die parallel laufende B 228 auszuweichen, um nach Düsseldorf o.ä. zu gelangen“, heißt es in einem Schreiben an die BA. Aus deren Sicht ist damit das Problem absolut zutreffend beschrieben. „Die Verwaltung steuert also sehenden Auges auf das nächste Verkehrschaos zu“, sagt dazu BA-Fraktionschef Ludger Reffgen.

Die B 228 sei weder eine gewollte Entlastungsstrecke für die A 46, noch könne es Ziel der Stadt Hilden sein, dass sie eine solche Funktion erfüllen könnte, hatte es damals aus dem Rathaus weiter geheißen. Und wörtlich: „Dies auch schon zum Schutz der Innenstadtbevölkerung (Luftverunreinigung). Darüber hinaus können bekanntlich keine zusätzlichen Verkehrsmengen über die B 228 abgewickelt werden, da dies die Infrastruktur nicht hergibt. Dies haben ja die besonderen Verkehrslagen der Vergangenheit ganz eindeutig aufgezeigt.“ Für die BA steht das Handeln der Verwaltung, ohne eine Baustellen-Koordination auskommen zu wollen, dazu in glattem Widerspruch.

Reffgen erstaunt auch der Mut und die Überheblichkeit, nach den Erfahrungen mit dem monatelangen Desaster mit der Baustelle an der Kreuzung Oststraße alle Warnungen in den Wind zu schlagen und Forderungen nach einem klugen Baustellenmanagement abzulehnen. „Die Bürger werden erneut Opfer eines völlig überheblich agierenden Tiefbauamts und der Unfähigkeit zweier Behörden, sich miteinander abzustimmen.“

Grünflächenpflege: Bürger werden seit 2 Jahren vertröstet – „Stinksauer“

Seit zwei Jahren warten viele Bürger auf eine durchgreifende Änderung bei der Pflege öffentlicher Grünflächen. Passiert ist bis heute nichts.

„Die Antworten sind diffus bis nichtssagend und sehr unverbindlich. Sie sind im Grunde eine Zumutung.“ Damit reagiert BA-Frakationsvorsitzender Ludger Reffgen auf eine Stellungnahme zu einer Anfrage zur Pflege von öffentlichen Grünflächen, die er vor einigen Wochen im Umweltausschuss stellte.

Zu der Anfrage war es gekommen, nachdem sich Bürger wiederholt über verwahrloste und wild wuchernde Grünanlagen im Stadtgebiet beschwert hatten. „Gibt es konkrete Planungsabsichten zur Verbesserung des Pflegezustands der Grünflächen?“, wollte Reffgen wissen und erinnerte die Verwaltung an in der Vergangenheit gegebene Zusagen, die mangelhafte Reinigung und Pflege der Grünflächen und des Straßenbegleitgrüns grundlegend zu ändern.

Bereits im Frühjahr 2017 habe die Verwaltungsspitze von einem vorliegenden ausgearbeiteten Grünflächenkonzept zur Verbesserung des Pflegezustands gesprochen, das ausprobiert und mit dem Erfahrungen gesammelt werden sollten, hält Reffgen dem Rathaus vor. Im Sommer 2017 hätte die Verwaltung dazu ein erstes Resümee ziehen wollen. Jetzt sei der aktuellen Stellungnahme zu entnehmen, dass zwischenzeitlich jedoch nichts passiert sei. „Die Antworten entsprechen weitestgehend den einschlägigen Erfahrungen der sich beschwerenden Bürger, die endlos, aber völlig wirkungslos vertröstet werden.“

Im Februar soll das Konzept jetzt mit zweijähriger Verspätung dem Umweltausschuss vorgelegt werden. Reffgen: „Wir werden diesmal in der Angelegenheit nicht locker lassen. Die Glaubwürdigkeit der Verwaltung ist verspielt. Kein Wunder, dass die Bürger stinksauer sind.“

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