„Kastanienhof“ in der Heiligenstraße – Das Ende einer Baum-Karriere

Knapp drei Jahre nach Fertigstellung des Gebäudekomplexes Heiligensraße/Am Kronengarten stirbt die für das Bauprojekt namensgebenden Kastanie langsam vor sich hin. Ihr Erhalt sei nicht gefährdet, hatte es zuvor geheißen.

Um dem Bauprojekt in der Innenstadt einen verkaufsfördernden Namen zu geben, dafür war sie noch gut genug. Jetzt, da es nichts mehr zu vermarkten gibt, sie ihre Schuldigkeit getan hat, zeichnet sich ihr Ende ab: Dass es der einst stolzen Kastanie in der Heiligenstraße neben dem neuen Baukomplex „Kastanienhof“ nicht gut geht, ist deutlich sichtbar.

Eigentlich war die traurige Karriere des großen Baumes vorgezeichnet, seit die Planung des Wohn- und Geschäftsgebäudes mit Tiefgarage an der Ecke Kronengarten ihren Lauf nahm. Darauf hatten in der Vergangenheit die Bürgeraktion und engagierte Umweltschützer mehrfach hingewiesen. Aber das mochten nur wenige hören. Zumindest nicht diejenigen, die mit ihrer Neubauplanung auf dem ehemals städtischen Grundstück (Teestube/Jueck) dem Baum sehr stark auf die Pelle rückten, das Baugenehmigungsverfahren forcierten oder die Bauarbeiten ausführten. Alle gingen rücksichtslos mit dem Baum um, trotz deutlicher Proteste besorgter Menschen, die – anders als beteiligte Gutachter – den Baum auf Dauer gefährdet sahen.

„Die Fachauskunft, der Erhalt des Baumes sei sichergestellt, hat sich als Irrtum erwiesen.“

Besorgte Fragen zum Erhalt des Baumes waren während des Bauleitplanverfahrens unter Hinweis auf besondere Vorschriften im Bebauungsplan zum Schutz der Kastanie beiseite gefegt worden, erinnert sich BA-Fraktionsvorsitzender Ludger Reffgen, der selbstkritisch einräumt, auch die BA habe sich schließlich von der vermeintlichen Fachkompetenz blenden lassen und sich trotz Bedenken gegen die Autorität der Gutachter nicht durchsetzen können. Der Erhalt der Kastanie sei „während und nach der Baumaßnahme, trotz der Nachbarschaft zum Neubauvorhaben, sichergestellt“, hieß es unmissverständlich in den Erläuterungen der Bauverwaltung. Reffgen: „Dies hat sich als Irrtum erwiesen.“

„Was nutzen noch so viele sogenannte „textliche Festsetzungen“ im Bebauungsplan – darin sind unter anderem detailliert Auflagen zum Erhalt des Baumes im Laufe der Baumaßnahme beschrieben -, wenn der Patient „Baum“ die heftigen Attacken nicht übersteht“, fragt Reffgen verärgert.

Das Ziel, mit detaillierten Auflagen das Überleben des Baumes zu sichern, müsse an der Heiligenstraße nüchtern als gescheitert betrachtet werden. Mit dem massiven Neubau sei der großen Kastanie die Therapie „Stirb langsam“ verordnet worden, der Ratsbeschluss zum Bebauungsplan habe wie ein Freibrief zur Umweltzerstörung gewirkt.

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