BA fordert soziale Offensive auf dem Hildener Wohnungsmarkt

By 31. Dezember 2017Neues

 

„Rezept gesucht“: Zum Jahresende hat die Lokalpresse die Diskussion um fehlende Sozialwohnungen entfacht.

Der Mangel an bezahlbaren Wohnungen ist eines der drängendsten Probleme in Hilden. Die Bürgeraktion hat jetzt ein neues Denken angemahnt. Das Modell anderer Städte, mit einer Sozialquote bei Bauprojekten neue geförderte Wohnungen anteilig zu bauen, sei für Hilden zu wenig. “Wenn wir ganz viele Wohneinheiten neu bauen müssen, nur damit ein paar Sozialwohnungen dabei herausspringen, wird das der Hildener Situation nicht gerecht.“

In der Debatte über fehlende Sozialwohnungen in Hilden hat der Fraktionsvorsitzende der Bürgeraktion Ludger Reffgen vom Rat ein radikales Umdenken gefordert. Als geradezu verhängnisvoll bezeichnete es Reffgen, den Neubau von geförderten Wohnungen heute allein an eine kleinliche Quote knüpfen zu wollen. „Dieses Prinzip hätte vielleicht geholfen, wenn man in den neunziger Jahren damit begonnen hätte.“ Damals habe es in Hilden noch 2.800 Sozialwohnungen gegeben.

 

Zwei massive Probleme bestimmen die Lage

 

In den letzten 25 Jahren sei einfach zu wenig passiert, um dem Schwund an Sozialwohnungen entschlossen entgegenzuwirken. Inzwischen sei der Wohnungsmangel so groß und andererseits der Flächenbestand in städtischer Hand so weit geschrumpft, dass das Prinzip „Sozialquote“ nicht mehr ausreiche. „Wenn wir den einkommensschwächeren Haushalten mit Wohnberechtigungsschein ernsthaft helfen wollen, brauchen wir eine soziale Offensive, die Lösungen anbietet.“ Es sei zu wenig, in dieser Situation gelegentlich den Einzelfall prüfen zu wollen. Reffgen: „Das ist doch genau das, was seit mehr als 20 Jahren im Rathaus gemacht wird und uns nicht entscheidend weiter bringt.“

„Wir können nicht darauf warten, dass 1000 Wohnungen gebaut werden, um 300 Sozialwohnungen zu erhalten.“

Hilden habe zwei massive Probleme: Das eine sei eine sehr hohe Siedlungsdichte auf kleiner Stadtfläche, das andere ein eklatanter Mangel an günstigem Wohnraum. Der sei in über zwanzig Jahren gewachsen. In dieser Situation helfe heute eine Sozialquote nicht weiter. Reffgen macht dazu eine einfache Rechnung auf: Bei einer Sozialquote von 30 Prozent müssten 1000 Wohnungen gebaut werden, um 300 Sozialwohnungen zu erhalten. „Wo, bitte schön, sollen denn in Hilden noch 1000 Wohnungen gebaut werden“, fragt Reffgen. „Wir haben bei einer bereits extrem hohen Bevölkerungsdichte gar nicht den Platz, um auf dieser Rechenbasis den Mangel wirksam zu bekämpfen.“

Nach Auskunft der Stadtverwaltung waren Ende 2016 (neuere Zahlen liegen nicht vor) 193 Parteien wohnungssuchend gemeldet. Zum gleichen Zeitpunkt standen in Hilden 1.254 Sozialwohnungen zur Verfügung, von denen jedoch allein bis 2025 etwa 350 aus der Sozialbindung fallen. Auch deshalb, so der BA-Fraktionschef, reiche das Starren auf eine 30-Prozent-Quote nicht aus. „Auf stadteigenen Grundstücken müssen wir 100 Prozent anstreben, um den aktuellen und absehbar noch steigenden Bedarf zu decken.“

Reffgen räumt ein: Das möge auf den ersten Blick vielleicht etwas erschrecken, sei aber bereits vor vielen Jahren mit dem Bauprojekt „Am Zuckerbuckel“ von der früheren politischen Mehrheit im Stadtrat so praktiziert worden – hundert Prozent sozialer Wohnungsbau. „Und daran ist Hilden nicht zugrunde gegangen.“

 

Das alte Denkschema überwinden – kein blindwütiges Bauen

 

Aktuell könnte dieser Vorschlag an der Furtwänglerstraße zum Tragen kommen. Dort soll anstelle der ehemaligen Hauptschule Wohnungsbau entstehen. Wie, das ist im Rat noch umstritten. Das Gelände, das – verteilt auf mehrere Baukörper – Platz für etwa 100 Wohneinheiten bietet, befindet sich vollständig im städtischen Besitz.

„Diejenigen, die günstigen Wohnraum in Hilden suchen, gehen überwiegend leer aus.“

Grundsätzlich gehe es der BA darum, das alte Denkschema mit der Abhängigkeit zwischen allgemeiner Bautätigkeit und sozialem Wohnungsbau zu entkoppeln. Von den aktuell rund 300 in Hilden im Bau befindlichen Wohnungen seien die meisten „hochwertige Eigentumswohnungen im oberen Marktsegment.“ Die fänden zwar alle einen Käufer oder Mieter, so Reffgen. „Kein Zweifel, die regionale Nachfrage vor allem aus Düsseldorf ist groß – das Angebot geht aber am eigentlichen Hildener Bedarf vorbei.“ Reffgen nennt das eine für die Bedürftigen ineffiziente Politik: „Diejenigen, die günstigen Wohnraum in Hilden suchen, gehen dabei überwiegend leer aus.“

Keine Lösung sieht die BA darin, jetzt in blindwütiges Bauen zu verfallen, und die allerletzten Freiflächen zu opfern. „Wenn wir Hilden nicht noch weiter zubauen wollen – diese Zukunftsangst gehe quer durch die Bevölkerung -, muss die Stadt im eigenen Zuständigkeitsbereich alle Möglichkeiten ausschöpfen, um ihren Wirkungsgrad auf dem Markt für öffentlich geförderte Wohnungen zu erhöhen.“ Allerdings dürfe das nicht zu Lasten der allgemeinen Lebensqualität gehen.

Gleichzeitig müsse in Hilden das Förderprinzip überdacht werden. Reffgen kündigte an, die BA werde dazu in der nächsten Sitzung des Wohnungsbauförderungsausschusses einen Vorschlag vorlegen.

 

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