Das ehemalige Vion-Gelände am Westring steht vor einem grundlegenden Wandel. Sollten die in dieser Woche von der Rheinischen Post veröffentlichten Absichten des neuen Eigentümers verwirklicht werden, wären Arbeitskräfte auf dem ehemals arbeitsplatzintensiven Industrieareal möglicherweise kaum mehr gefragt.
Wo bisher 160 Mitarbeiter tätig waren plant ein Projekt-Entwickler ein großflächiges Logistik-Zentrum. Die Rede ist zwar von einem „Logistik- und Gewerbekomplex“, der geschaffen werden soll. Im Vordergrund steht jedoch die günstige Lage des Grundstücks „in einer der gefragtesten Logistiklagen Nordrhein-Westfalens“, womit im Kern der Schwerpunkt der künftigen Nutzung für den neuen Eigentümer vorbestimmt sein dürfte.
Dass Hilden dank seiner direkten Anbindung an zwei hochfrequentierte Autobahnen nicht nur verkehrsgünstig gelegen ist, sondern sich laut Fachkreisen in einer „etablierten Logistiklage“ befindet, ist seit langem bekannt. Das trifft aber auch für die sich daraus ableitenden Folgen zu. Die in die Stadt drängenden Transport-Unternehmen erhöhen das Verkehrsaufkommen auf Stadtstraßen, ohne in nennenswertem Umfang Arbeitsplätze zu schaffen. Rat und Verwaltung waren sich daher in der Vergangenheit einig, einer ausufernden Ansiedlung von Betrieben der Logistikbranche einen Riegel vorzuschieben.
Daran hat jetzt Ludger Reffgen den Bürgermeister erinnert. Hilden habe sich seit vielen Jahren zum Schutz gegen eine überbordende Ausweitung des Logistikgewerbes vornehmlich restriktiv gegenüber dem unverkennbaren Ansiedlungsdruck aus der Transportbranche verhalten, schreibt der Fraktionsvorsitzende der Ratsfraktion von Bürgeraktion und Piraten in einer ans Rathaus adressierten Anfrage. Das sei zum Beispiel durch einschlägige Ausschlusskriterien in Bebauungsplänen geschehen.
Hohe Verkehrsbelastung, wenig Beschäftigung
Übereinstimmendes Ziel sei es bisher gewesen, einerseits die Verkehrsbelastung durch den Gütertransport-Verkehr auf Hildener Straßen einzudämmen und andererseits negative Auswirkungen auf die Beschäftigungslage zu berücksichtigen. Reffgen fragt: Welche Möglichkeiten sieht die Verwaltung, diese Ziele auch an dem ehemaligen Vion-Standort zu verwirklichen? Und: Kann der Rat auf die Planungen überhaupt Einfluss nehmen?
Nachdem der Fleischzerlegebetrieb Vion bereits im Februar seinen Betrieb am Westring eingestellt hat und die Verkaufsabsichten bekannt gewesen seien, möchte der Fraktionschef außerdem wissen, was die Verwaltung bisher präventiv unternommen hat, um unliebsame Entwicklungen auszuschließen.
Was damit gemeint ist? Menschenleere Lagerhallen statt produzierendem Gewerbe, erläutert Reffgen. Sowohl in verkehrspolitischer wie in arbeitsmarktpolitischer Hinsicht bestand gegenüber Speditionen im Rat der Stadt fraktionsübergreifend ein breiter politischer Konsens. Daran hätten auch einzelne Ausnahmen und Abweichungen wie am „Hildener Tor“ oder in der Giesenheide, wo die Zulassung von „Distribution“ den Ausschluss von Transport und Logistik unterlaufen konnten, grundsätzlich nicht geändert.