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Wo die Bauwut tobt

By 31. März 2015Pressemitteilungen

 

Heute: Das „Hildener Kolosseum“

Dass in Hilden rege gebaut wird, ist seit geraumer Zeit an vielen Ecken in der Stadt zu verfolgen. Die bereits eng besiedelte Stadt wird weiter verdichtet.

Doch wie sehr die Bauwut tobt, davon bekommt man aktuell besonders neben der katholischen Kirche an der Gabelung einen Geschmack. Aufgrund der fortschreitenden Bauarbeiten bedarf es hier inzwischen keiner Phantasie mehr, um den steinernen Größenwahn zu erkennen. Zwar befinden sich die Arbeiten augenblicklich erst zwischen Erdgeschoss und erstem Obergeschoss, aber die Umrisse lassen schon gut die drangvolle Enge erkennen, mit der sich die künftigen Bewohner auf die Pelle rücken. Und den Kirchturm zum Greifen nah haben. Denn, auch das wird gut erkennbar: Das monströse „Kolosseum“ stellt den Dom in den Schatten – dahin, wo manche die Kirche ohnehin gerne sehen.

Wenn erst die noch fehlenden Etagen ergänzt sind, wird der Bau eine „architektonische Glanzleistung“. Davon ist sogar die örtliche SPD überzeugt, die vor einem Jahr gemeinsam mit CDU, FDP, Grünen und Allianz (heute z. T. AfD) dem Bau ihren Segen gab. Damals stimmte nur die Bürgeraktion nach vergeblichem Kampf um Alternativen mit Nein.

Wenn der Bau mit seinen gewaltigen Ausmaßen fertig ist, wird ein „Aufschrei“ des Entsetzens durch die Bevölkerung gehen, mutmaßen heute selbst die Sozialdemokraten. Aber was soll’s? „Nach einem halben Jahr spricht niemand mehr darüber“, sind sich die Befürworter sicher, und eilen mit ihrem speziellen Verständnis von bürgerfreundlicher Stadtplanung zur nächsten Baustelle. Auch dort werden Größenwahn und Arroganz neue Blüten treiben. Und ebenso neue Proteste auslösen. Die sich mit Heinrich Heine wieder leicht ignorieren lassen: „Es sind kleine Leute, deren Hass nicht einmal bis an meine Waden reicht. Mit stumpfen Zähnen nagen sie an meinen Stiefeln. Das bellt sich müde da unten.“

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