Manchmal schlägt das Wetter Kapriolen. Sonnenschein und dunkle Wolken folgen dicht aufeinander und wechseln sich ab. Was das Wetter ohne menschlichen Einfluss vermag, schafft der Mensch an anderer Stelle auf seine Art. Die Reaktion ist in allen Fällen ähnlich: Staunen und Verwunderung.

 

Kurz bevor neulich interessierte Bürger im Bürgersaal des Bürgerhauses an der Mittelstraße zusammenkamen, um sich vom Bürgermeister und der anwesenden Verwaltungsspitze beim sogenannten „Bürgerhaushalt“ die desaströse Haushaltslage der Stadt Hilden erläutern zu lassen, erörterten Kommunalpolitiker der VHS-Zweckverbandsversammlung Hilden-Haan eine Etage tiefer die Finanzplanung der Volkshochschule. Dass die, den beiden Städten in Rechnung gestellte Verbandsumlage im laufenden Jahr stabil bleiben soll, wurde dabei durchaus positiv vermerkt. Aber wie es danach weitergehen soll, kritisierten einige Teilnehmer umso heftiger: Ab 2027 möchte die VHS erhöhte Kosten umlegen. Die Verbandsumlage für die beiden Mitgliedsstädte Hilden und Haan soll dann um 124.000 Euro pro Jahr steigen. Wie das, angesichts leerer Kassen?

Schuld daran sind im Wesentlichen die Umzugspläne, die Bürgermeister Pommer als Verbandsvorsteher der VHS in Zusammenarbeit mit dem technischen Dezernat aus dem Hildener Rathaus heraus vorbereitet hat. Die VHS soll 2027 vom Alten Helmholtz in der Gerresheimer Straße in repräsentative Räumlichkeiten der früheren Dresdner Bankfiliale am Nové-Město-Platz umziehen. Der Umbau der zu mietenden Räumlichkeiten soll die Stadt Hilden allein 1,2 Millionen Euro kosten. Darüber hinaus langt die Vonovia als Eigentümerin der Immobilie wie sich abzeichnet mit einem Quadratmeter-Mietpreis von knapp 20 Euro zu.

Keine Rücksicht auf die Finanzlage in Hilden und Haan

Sollten die Pläne umgesetzt werden, könnte die VHS die erhöhten Mietaufwendungen „aus eigenen Mitteln nicht stemmen“, wie VHS-Leiter Martin Kurth gegenüber der Zweckverbandsversammlung zu verstehen gab. Heißt mit anderen Worten: Die VHS bräuchte ab 2027 mehr Geld.

Ludger Reffgen, Vorsitzender der Ratsfraktion Bürgeraktion|Piraten, betrachtet die Pläne als illusorisch, weil „finanziell nicht tragbar“ und äußerte deutliche Kritik. Der Hildener Kulturpolitiker machte klar, dass es keineswegs darum gehe, der VHS nicht ausreichenden Unterrichtsraum zur Verfügung zu stellen, wenn es die dem Abriss geweihten Räume in der ehemaligen Theodor-Heuss-Hauptschule an der Furtwänglerstraße – bislang finden dort VHS-Kurse statt – bald nicht mehr gibt. Aber die Pläne müssten auch auf die Finanzlage der Städte Rücksicht nehmen.

Die Standort-Suche sei unkreativ gewesen, weil die Verwaltung eigentlich von vornherein sehr stark auf den ehemaligen Standort der Bank-Filiale fixiert gewesen sei. Im Übrigen, so Reffgen, gebe es in der Planung keine rote Linie hinsichtlich der Kosten. Die Ratsfraktion der Bürgeraktion|Piraten fordert zum Umdenken auf. Es müsse die Frage gestellt werden, ob ein Projekt mit solchen Kosten zur aktuellen Lage der Städte passe.

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