BA: „Die Armut wird jünger“

Nach einer aktuell bundesweiten Erhebung nimmt die Zahl junger Menschen, die die Tafeln in Deutschland nutzen, deutlich zu. Sozialverbände sehen diese Entwicklung durch die Corona-Pandemie begünstigt. Für die Bürgeraktion (BA) ein Indiz dafür, dass die Armut spürbar jünger wird.

Bereits im vergangenen Jahr hatte der Hildener SKFM darüber berichtet, dass das Publikum im Sozialkaufhaus, genannt „Kleiderkammer“, an der Benrather Straße immer jünger werde. Der Verband hatte dies damit begründet, dass zum Beispiel die Nachhaltigkeit im Konsumverhalten junger Menschen zunehmend eine Rolle spiele.

Aus ihrer Sicht sei jedoch ein Ressourcen-schonendes Verhalten nicht das alleinige Motiv, verstärkt Second-Hand-Ware zu kaufen, hatte die BA schon in diesem Zusammenhang erklärt. Wohnen sei in Hilden vergleichsweise teuer, Sozialwohnungen ziemlich rar. Bei den davongaloppierenden Mieten bleibe vielen Menschen nach BA-Beobachtung einfach nur noch wenig Geld in der Tasche, urteilt Claudia Beier, sozialpolitische Sprecherin der BA. Dies schränke zwangsläufig das Konsumverhalten auch vieler jüngerer Verbraucher ein, die sich häufig nicht mehr leisten könnten.

„Die Stadt muss sich mit Sozialtarifen auf die Lebenswirklichkeit vieler Menschen in Hilden einstellen.“

Jetzt kämen die Sozial-Effekte aus der Corona-Krise noch hinzu. Da sei es wichtig, wenn sich der Runde Tisch „Corona-Hilfe“ in Kürze besonderer Schicksale in Hilden annehme. Vor allem junge Leute, die noch mit der Haushalts- und Familiengründung beschäftigt seien, stünden oft ohnehin schon vor einem Berg von Investitionen, der zu sehr preisbewussten Alternativen zwinge. Da biete vielfach gebrauchte Ware die einzige Möglichkeit, den Start in ein selbständiges Wohnen zu finanzieren. Die Kleiderkammer leiste neben der Tafel einen wertvollen Beitrag zur Linderung von „relativer Armut“ in Hilden, so Beier. Jedoch sei auch die Stadt gefordert, mit Sozialtarifen der Lebenswirklichkeit vieler Menschen in Hilden zu entsprechen.