Zum Krisenmanagement im Rathaus – Kritische Stimmen aus der BA

Voll des Lobes waren die meisten Fraktionen nach dem Bericht der Bürgermeisterin zur Krisenbewältigung während der vergangenen Wochen im Rathaus. Aus Sicht der Bürgeraktion (BA) fällt die vorläufige Bilanz jedoch eher durchwachsen aus.

Dem Defilee seiner Kollegen im Kreis der Fraktionsvorsitzenden mochte sich Ludger Reffgen (BA) bei der Ratssitzung denn auch nicht anschließen. Natürlich sei der Umgang mit der Krise eine große Herausforderung im Rathaus gewesen, steht auch für die BA außer Frage. „Aber doch nicht nur für die Stadtverwaltung; sie zu meistern hatten doch alle Branchen und Berufe – zum Teil unter erheblich schwierigeren Bedingungen.“

Es habe manches, aber eben durchaus nicht alles zur Zufriedenheit der Bürger funktioniert. Die geschlossene Grünschnitt- und Wertstoffannahme am Bauhof sei beispielsweise von Bürgern zu Recht kritisch hinterfragt und bemängelt worden. Ebenso die anfängliche kategorische Absage an jegliches Corona-taugliche Ferienprogramm für Kinder berufstätiger Eltern und daheimgebliebener Familien, die sich dem Beobachter nicht erschlossen und für Verstimmung gesorgt habe. Daran habe im Rathaus erst öffentlicher Druck etwas geändert.

Auch der Umgang mit der Bücherei sei für viele Bürger deprimierend gewesen. Viele Städte würden von einem so großzügigen Bücherei-Gebäude wie am Nové-Mesto-Platz nur träumen und Hilden um diesen Komfort beneiden. „Sich unter anderem deshalb Bibliothek des Jahres 2016 nennen zu dürfen, war ja auch eine schmucke Auszeichnung“, so Reffgen, auf die Hilden zurecht stolz gewesen sei. Aber andere Städte hätten ihren Büchereinutzern – Krise hin oder her – einen deutlich besseren Service geboten und nicht – mit dem Argument, die Bücherei sei zu klein, oder die Toilette nicht zu benutzen – so lange geschlossen wie in Hilden.

„Von einem rosigen Bericht der Bürgermeisterin lassen wir uns nicht den Blick verstellen“

Deshalb sei die BA weit davon entfernt, die Verwaltung jetzt über den grünen Klee zu loben. Weil es eben auch Schattenseiten gegeben habe. Damit solle keineswegs die Leistung einzelner Mitarbeiter nicht wertgeschätzt, geschweige denn pauschal abgewertet werden. Die meisten Mitarbeiter arbeiteten ohnehin überwiegend auf Weisung. Da verbiete es sich in der Regel sowieso, Versäumnisse bei einzelnen Ausführenden festmachen zu wollen. Aber die BA werde sich nicht daran hindern lassen, die Verwaltung realistisch und differenziert zu betrachten.

Schon gar von einem rosigen Bericht der Bürgermeisterin lasse sich die BA nicht den Blick verstellen. Inzwischen arbeite die Verwaltung nach Aussagen der Rathauschefin wieder „normal“. Für die Bürger läuft der Betrieb jedoch nur eingeschränkt, mit Terminvergabe – aktuelle Wartezeit im Bürgerbüro vier Wochen. „Weil die Flure im Rathaus für Besucher und Mitarbeiter nicht breit genug seien“, so die offizielle Begründung. Gegenüber vielen bescheidenen Verhältnissen in Firmen gleiche das Rathaus einem „Palast“, gibt Reffgen zu bedenken. Das Rathaus verfüge über drei Treppenhäuser plus Aufzugsanlage.

Es sei den Menschen schwer zu erklären, warum Geschäfte, öffentliche Verkehrsmittel etc. mit den einschlägigen Schutzvorkehrungen zu benutzen seien, im Rathaus es aber an der Breite der Flure hapern würde. Reffgen: „So kann sich nur eine Behörde verhalten. Manchmal frage ich mich, was passieren würde, wenn den Rathaus-Verantwortlichen Ähnliches in den Geschäften bei ihren täglichen Besorgungen widerfahren würde.“