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NRW-Landtagswahlkampf – Was Parteien so verzapfen

By 8. Mai 2017Allgemein
 
Fehler gehören zum menschlichen Leben. Manchmal sind es gerade Fehler, die – soweit damit keine folgenschweren Konsequenzen verbunden sind – für eine humane Atmosphäre sprechen und das Gefühl vermitteln: Hier menschelt es, hier sind nicht nur Apparate am Werk.
 
Peinlich nur, wenn Fehler gerade dort auftreten, wo Lösungskompetenz vonnöten wäre, aber bestenfalls vorgetäuscht werden soll. So versucht die SPD im Namen der Ministerpräsidentin in einer Werbeanzeige (veröffentlicht in der Mülheimer Woche) mit der Aufforderung „Kein Kind zurücklassen!“ eine Lanze für mehr Bildung in NRW zu brechen, und stellt ausgerechnet dabei unter Beweis, dass die Verfasser die deutsche Sprache beim richtigen Umgang mit der Präposition „seit“ („7200 Lehrer mehr seid 2010!“) nicht beherrschen. Der Rechtschreibfehler macht in der Tat Bildungsdefizite deutlich. „Mehr Bildung“ – die SPD liefert gleich im Selbsttest den Nachweis – tut hier wirklich not. Was aber auch beweist, dass Geld nicht alles in der Bildung ist, sondern man sich auch um Bildungsinhalte kümmern sollte. Und korrektes Schreiben mehr als nur eine lästige, sekundäre Kulturtechnik ist.
 
Beispiel Nummer zwei: Hier wirbt die örtliche CDU-Kandidatin, Claudia Schlottmann, in einer persönlich unterzeichneten Anzeige für mehr Eigentumsbildung bei Familien, „damit der Traum vom Eigenheim nicht nur ein Traum bleibt“ (Wochen Anzeiger, 8. April 2017). Die Haltung wäre prinzipiell nicht zu beanstanden, wäre da nicht ein Patzer im Werbetext, der Schlottmann als explizit ahnungslos entlarvt. Denn sie verwechselt in der Argumentation die Grunderwerbssteuer – für deren Erhöhung zu Recht die rotgrüne Landesregierung verantwortlich zu machen ist – mit der Grundsteuer, die in der Zuständigkeit der Kommunen liegt. Und das nicht nur ein Mal, sondern gleich drei Mal. Damit kann der zufällige Fehlerteufel als Ursache getrost ausgeschlossen werden. Im Übrigen haben Frau Schlottmann und die CDU gemeinsam mit der SPD im Stadtrat für die Erhöhung der Grundsteuer in Hilden gestimmt. Vielleicht, ohne wirklich zu wissen, was das bedeutet; aber auf jeden Fall zum Leidwesen aller Eigentümer und Mieter.
So gesehen ließe sich dem Wahl-Slogan „NRW geht schlauer“ durchaus etwas abgewinnen. Zum Beispiel mit einem besseren Personalangebot der Parteien zur Landtagswahl.

 

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