Kurz vor Beginn der Sommerferien hatte die  CDU von der Öffentlichkeit fast unbemerkt einen Antrag auf den Weg gebraucht, der gegen Ferienende an den Grundschulen für hohe Wellen sorgte. Jetzt stand der Plan, die Nachmittagsbetreuung an den Hildener Grundschulen zu privatisieren,  – zeitgleich mit Bekanntwerden der neusten Ergebnisse aus der aktuellen PISA-Studie – im Kreuzfeuer der politischen Debatte im Schulausschuss. Am Ende gab es vor aus den Nähten platzenden Zuschauerrängen eine rote Karte.

 

War es Zufall, oder hatten die Schulleiter/innen bezüglich des verheerenden Abschneidens bei der in dieser Woche präsentierten PISA-Studie einen siebten Sinn? Empört und verunsichert hatten die Schulleitungen der städtischen Grundschulen auf die Absicht der CDU reagiert, die offene Ganztagsschule (OGS) an Hildener Schulen in private Trägerschaft zu überführen. Kurz vor den Sommerferien waren die Hildener Christdemokraten mit einem Antrag vorgeprescht, der der Kategorie „politisch initiierte Haushaltskonsolidierung“ zuzurechnen ist. Der unter der Bezeichnung „Pilotprojekt“ unterbreitete Vorschlag sah vor, beginnend mit einer Grundschule die OGS nach und nach aus der städtischen Verantwortung zu lösen und an private Anbieter zu vergeben. Obschon es in erster Linie um Kosten ging, hatte die CDU versucht, den Eingriff pseudo-fachlich schönzureden.

Ärger an den Grundschulen

Dagegen hatte sich an den Schulen, die in keiner Weise in solche Überlegungen eingebunden waren, erheblicher Widerstand formiert. Die Befürchtungen reichten von einer Zerstörung des pädagogischen Netzwerks, in das die OGS stadtweit eingebunden ist, über Personalausfälle bis zu Qualitätseinbußen bei der pädagogischen Arbeit mit massiven Folgen für die Entwicklung der Kinder. Es sei die Frage zu stellen, so die Schulleiter in einer den Fraktionen vorliegenden Stellungnahme, ob eher finanzielle und wirtschaftliche als pädagogische oder qualitative Aspekte für die OGS im Vordergrund stünden. Kindergärten und Grundschulen hätten eine fundamentale Rolle für die Entwicklung der Gesellschaft. Das in Hilden seit Jahren aufgebaute, funktionierende Betreuungssystem gewährleiste einen hohen Qualitätsmaßstab und dürfe nicht aufs Spiel gesetzt werden. Eine reine „Verwahrung“ der Kinder sei unter allen Umständen zu vermeiden.

Überhaupt konterten die Schulleitungen den CDU-Vorschlag mit ihren Erfahrungen aus dem Schulalltag und deklassierten ihn als fachlich unausgegoren. Das Kindeswohl dürfe auf keinen Fall außer Acht gelassen und wirtschaftlichen Überlegungen geopfert werden.

Eltern hoch zufrieden

In diese Kerbe schlug auch Ratsmitglied Ulrich Siedentop, für die Fraktion Bürgeraktion/Piraten Sprecher im Schulausschuss. Im CDU-Antrag dominierten rein fiskalische Sparüberlegungen und Personalkostenreduzierungen auf Kosten der Betreuungsqualität, bemängelte Siedentop. Der ungewisse Ausgang einer europaweite Ausschreibung riskiere deutliche Qualitätseinbußen. Dass die Eltern mit der derzeitigen OGS-Qualität durchaus zufrieden sind, präsentierte die Vorsitzende der Stadtelternpflegschaft anhand einer Spontanbefragung. Danach hatten sich 98 Prozent der Eltern zufrieden mit der aktuellen Kooperation zwischen Schulen und städtischer OGS gezeigt. Immerhin 85 Prozent äußerten sich auch zufrieden mit dem bestehenden Angebot von Arbeitsgemeinschaften in den Bereichen Kultur, Sport und Musik.

Der zunächst ausschließlich über die sozialen Medien kommunizierte CDU-Antrag hatte überdies zu vielen Spekulationen und existenziellen Ängsten bei den etwa 170 Beschäftigten geführt, die im OGS-Bereich der Stadt Hilden arbeiten. Sie alle hatten sich Sorgen um ihre berufliche Zukunft gemacht, zumal offen geblieben war, welche Schulen es denn zunächst treffen sollte, und welche nicht.

Im Laufe der Debatte blieb von dem ursprünglichen Antrag inhaltlich immer weniger übrig. Bei der abschließenden Abstimmung bekam die CDU außer ihren eigenen Stimmen (5) nur noch eine Zustimmung von den Grünen. Die übrigen Ausschussmitglieder (8) erteilten dem Antrag eine ziemlich deutliche Abfuhr.

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