Was ist dran an den Gerüchten? Zur Zeit halten sich hartnäckig Gerüchte, trotz leerer städtischer Kassen solle die Bezirkssportanlage am Bandsbusch für den VfB Hilden in ein Regionalliga-taugliches Stadion umgebaut werden. Dabei werden offenbar auch Lobbyisten eingeschaltet. Was das über den Grad der Einflussnahme verrät.
In Gesprächen wird über die Sache schon seit Wochen gemunkelt. Aktuell stand der Verein VfB 03 auf Platz zwei der Oberliga-Tabelle, ist jetzt auf Platz drei zurückgefallen, mit einem Punkt Abstand zur Spitze. Das lässt Vereinsfunktionäre, Mitglieder und Fans von einem Aufstieg in die Regionalliga träumen. So weit, so gut. Doch was hat das mit der Sportanlage Bandsbusch zu tun?
In der Regionalliga müssen die Stadien, in denen die Spiele ausgetragen werden, für ein erhöhtes Zuschaueraufkommen und ein nicht auszuschließendes aggressives Verhalten von Fan-Gruppen bestimmten Sicherheitsanforderungen genügen. Die sind dem Vernehmen nach auf der heimischen Platzanlage des Vereins an der Hoffeldstraße nicht zu erfüllen. Damit kommt das Stadion am Bandsbusch ins Spiel, das nicht nur über einen Rasenplatz, sondern auch über eine Tribüne und großzügigere Platzverhältnisse verfügt.
Als kürzlich die Ratsfraktion Bürgeraktion|Piraten öffentlich die Frage aufwarf, ob im Zusammenhang mit der etliche Millionen verschlingenden Erneuerung der Laufbahn und dem Umbau des Kleinspielfelds der Bezirkssportanlage angesichts der hohen Defizite von über 28 Millionen Euro in der Stadtkasse die richtigen Ausgabe-Prioritäten gesetzt würden (die vielen Schlaglöcher auf Hildens Straßen werden demgegenüber tatenlos hingenommen), dauerte es nur wenige Stunden, dass sich die Sport-Redaktion der in Essen beheimateten Funke-Mediengruppe meldete. Dort hatte der für den „Revier-Sport“ zuständige Redakteur, Oliver Stolz, die Sorge, entsprechende Überlegungen könnten die Chancen, das Bandsbusch-Stadion ligatauglich auszubauen, schmälern oder gar zunichte machen.
“Gästekäfig“ und “Löwengang“
Wenngleich das Missverständnis hinsichtlich der Zusammenhänge schnell ausgeräumt war – was blieb, war mehr als nur eine bloße Ahnung, mit welcher Intensität im Hintergrund das Ziel, am Bandsbusch ein ligataugliches Stadion herzurichten, auch mit externer Lobby-Unterstützung verfolgt wird. Denn, auch das wurde in dem Gespräch mit Stolz klar: Es gehe darum, die Zuschaueranlage um einen sogenannten „Gästekäfig“ und um einen „Löwengang“ auszubauen. Beide Einrichtungen gehörten zum Sicherheitskonzept und seien für ligataugliche Spielstätten unumgänglich. Zwar gebe es auch noch einen Plan B, sozusagen für alle Fälle. Denn sollte die Stadt Hilden die entsprechenden Investitionen zur Ertüchtigung des Stadions nicht leisten, habe der Verein die Zusage, Heimspiele ersatzweise in Velbert oder Wuppertal austragen zu können, in Stadien mit entsprechenden Schutzkonzepten. Natürlich immer unter der Voraussetzung, der Aufstieg gelingt.
Der Vorstoß macht deutlich, dass hier nicht nur die Gerüchteküche brodelt, sondern der Verein offenbar auch mit Lobbyarbeit in der Stadt unterwegs ist bei den Entscheidungsträgern seine Interessen verfolgt. Das Fußballmagazin Kicker bestätigt in einer auf den 23. März datierten Veröffentlichung die Darstellung und zitiert den zweiten Vorsitzenden des VfB: „Es ist nicht ganz ausgeschlossen, dass wir in Hilden spielen können. Aber ein bisschen was muss am Bandsbusch gemacht werden.“ Die Priorität sei jedoch klar: Der Verein wolle „im eigenen Stadion spielen“. Der 30. April sei ein wichtiges Datum zur Klärung der Voraussetzungen.
Wird über die Verwendung von Steuergeldern am Rat vorbei entschieden?
In der Ratssitzung, zu der vergangene Woche die Ratsmitglieder zusammengekommen waren und in der es maßgeblich um die Verwendung städtischer Finanzmittel im laufenden Jahr ging, war übrigens kein Ton von Investitionen zur Erfüllung von Sicherheits-Auflagen des Fußballverbands am Bandsbusch zu hören. Die Stadt hat die Anlage zwar formal der städtischen Tochtergesellschaft Stadt-Hilden-Beteiligungs-GmbH (SHB, Aufsichtsratsvorsitzender ist Bürgermeister Pommer) übertragen, finanziert aber tatsächlich alle zum Unterhalt und Betrieb erforderlichen Kosten aus Steuermitteln. Für deren Verwendung ist prinzipiell der Stadtrat zuständig.
Man darf gespannt sein, in welchem Rahmen die Öffentlichkeit an dem absehbaren Entscheidungsprozess über ein mit Steuermitteln finanziertes Projekt beteiligt wird.