BA zur Betreuungssituation an Kindertagesstätten in Hilden: „Die Lage ist katastrophal“

By 8. August 2020August 17th, 2020Pressemitteilungen

In einem Interview („Wochenanzeiger“ vom 01.08.2020) hat die Bürgermeisterin eingeräumt, dass mehr Kindergartenplätze nötig seien, gleichzeitig jedoch den Standpunkt vertreten, dass aber auch „mit den Gegebenheiten“ klarzukommen sei.

Dazu erklärt die jugend- und schulpolitische Sprecherin der Bürgeraktion (BA), Doris Spielmann-Locks:

„Die desaströsen ‚Gegebenheiten‘ bei den Kita-Plätzen hat die Bürgermeisterin und mit ihr das SPD-geführte Rathaus selbst zu verantworten. Die fehlenden Betreuungsplätze kommen nicht von ungefähr. Sie sind das Ergebnis einer jahrelangen Fehlplanung in der Kindergartenbedarfsanalyse. Jetzt vonseiten der Bürgermeisterin die fehlenden Betreuungsplätze und das fehlende Personal zu beklagen und die fehlenden Bauflächen und den leergefegten Erzieher-Arbeitsmarkt dafür verantwortlich zu machen, ist schon dreist oder zeigt die Unfähigkeit der Verwaltungsspitze auf.

Die Bürgermeisterin hatte in ihrer Amtszeit sechs Jahre Zeit für Kinder und deren Eltern gute Voraussetzungen in der Betreuung zu schaffen! Erst jetzt mit dem Modell der praxisintegrierten Ausbildung (PiA) zum Erzieher-Beruf zu beginnen, hilft nicht aus der aktuellen Misere. Das Modell wurde aus der Not heraus entwickelt, weil das  pädagogische Fachpersonal in den Kitas fehlt. Nicht nur in diesem Bereich, aber hier im Besonderen hat das SPD-geführte Rathaus seine Hausaufgaben nicht gemacht!

Seit Jahren beschäftigt sich die Verwaltung mit der Auswahl verschiedener Baugrundstücke, die für Kindergarten-Neubauten in Frage kommen könnten. Seit geraumer Zeit steht die Überlegung an, am Holterhöfchen einen fünfgruppigen Kindergarten neu zu bauen. Konkret getan hat sich dort noch nichts. ‚Mit Beschluss des Aufsichtsrats der IGH (Infrastrukturgesellschaft) und bei entsprechender Baugenehmigung könnte eine Fertigstellung im Kindergartenjahr 2021/2022 realistisch sein,…‘, so ist es im Protokoll der letzten Sitzung des Jugendhilfeausschusses (vom 29.04.2020) nachzulesen. Die Verwaltung ist schwerfällig und ohne Empathie für die Eltern, die einen Betreuungsplatz benötigen, um wieder ihre berufliche Tätigkeit aufnehmen zu können. Die Eltern benötigen Planungssicherheit – und das nicht erst seit Corona.

Nach letzten Auskünften der Verwaltung fehlen zurzeit für das Kindergartenjahr 2020/2021 insgesamt 245 Kita-Plätze im U3-Bereich. Im Ü3-Bereich fehlen 97 Plätze. Hinzu kommen in allen Kindergartengruppen 117 Überbelegungen. Was zunächst einmal als Provisorium und Notlösung vorübergehend toleriert wurde, ist zur Regelbelegung geworden; zu Ungunsten der Kinder im Vorschulbereich.

Aus diesem Zahlenwerk ergibt sich eine katastrophale Lage im Betreuungsbereich: Rechnerisch fehlen in Hilden 459 Plätze für die Kinderbetreuung vom Babyalter bis zur Einschulung. Das ist einer Stadt, die gerne kinder- und familienfreundlich sein möchte, unwürdig.“