Ein Wald an der Hofstraße? – Was an der Sache faul ist

By 15. Februar 2020Analyse, Neues

Die Nachricht lässt stutzen. Ein Wald an der Hofstraße? Die Meldung erscheint so kurios wie überraschend. Was hat es mit dem Vorschlag, der neulich den Stadtentwicklungsausschuss beschäftigte, auf sich?

Die Sache geht auf einen Antrag der CDU zurück, die vorgeschlagen hat, ein landwirtschaftlich genutztes Feld zwischen Hofstraße und Bahnlinie aufzuforsten und dort einen Wald anzulegen. „Wald“ ist vielleicht ein bisschen viel gesagt. „Mini-Wald“ oder „Wäldchen“ wäre schon treffender. Denn tatsächlich handelt es sich um ein Gelände von gerade mal 1,6 Hektar.

Zum Vergleich: Eine drei mal so große Fläche, auf dem Areal der Tennis- und Golf-Ranch im Hildener Norden gelegen, hält die Stadtverwaltung tendenziell für zu klein, um darauf einen Gewerbepark zu realisieren.

Als Ziel des Antrags nennen die Antragsteller, der Ackerstreifen, 70 Meter schmal, solle dauerhaft vor Bebauung geschützt werden. Wie wirksam ist dieser Schutz? Schwer zu sagen. Aber immerhin sind in Hilden Zweifel berechtigt. Denn meistens – wenn es mal wieder darum geht, einige zig Bäume für ein Bauprojekt zu opfern – bekommen wir doch aus dem Rathaus die Formel „Baurecht bricht Baumrecht“ zu hören. Ein Glaubensatz, den die Lokalpresse längst in ihr Standardrepertoire übernommen hat und in schöner Regelmäßigkeit zur Norm in Hilden hat werden lassen.

Was eine Freifläche tatsächlich vor Bebauung schützt, ist der politische Wille, kein Baurecht zu schaffen. Denn solange die Stadt samt ihrer politischen Gremien die Planungshoheit besitzt, kann sie auch eine Baugenehmigung versagen, ohne die keine Bebauung möglich ist. Dazu bedarf es keiner Aufforstung.

„Der Landwirt ist nur Pächter“

Womit noch nicht gesagt ist, dass ein kleiner Waldstreifen keinerlei Vorteile schafft. Jedoch war an dieser Stelle für die BA in der Ausschusssitzung zunächst einmal naheliegend, sich nach der Existenz des Landwirts zu erkundigen. Hat die Verwaltung mit dem bäuerlichen Pächter Gespräche geführt oder gar ein Einvernehmen erzielen können, hinsichtlich des bei Aufforstung zwangsläufig zu beendenden Pachtverhältnisses, wollte BA-Fraktionschef Ludger Reffgen vom neuen Baudezernenten wissen. Der musste nicht nur passen, sondern verteidigte sich mit dem Hinweis, der Landwirt sei „nur Pächter“ und habe überhaupt keinen Anspruch auf Fortsetzung des Pachtvertrags. Der Rat sei frei in der Entscheidung, über die Fläche und ihre Nutzung zu verfügen.

Reffgen hakte nach, stellte in Frage, ob eine Entscheidung über den Kopf des Bauern hinweg tatsächlich der richtige Umgang mit einem Vertragspartner sei. Doch die Mahnung der BA, zunächst mit Rücksicht auf die bäuerliche Existenz das Gespräch mit dem Hildener Landwirt zu suchen, verhallte im Raum – SPD, CDU und Allianz lehnten dies kategorisch ab. Der CDU-Antrag, die Planungsvoraussetzungen für eine Aufforstung voranzutreiben, bekam schlussendlich fast alle Stimmen der Ausschussmitglieder. Allein die BA versagte bis auf Weiteres die Zustimmung.