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Kaum dass das Wetter sommerlich wird, kommt es mit zunehmenden Graden auch wieder zu zunehmendem Ärger. Die Anwohner des Ortsweilers Elb beklagen an heißen Tagen eine Invasion von Badegästen und Störenfrieden, die ihnen ihre beschauliche Stadtrand-Idylle zunichte machen. Verwaltungstechnisch liegt ihr Problem zwischen Düsseldorfer Rheinufer und Hildener Itter, was die Sache behördlich nicht einfacher macht. Die Ursachen des Ärgers liegen hingegen tiefer und haben mehr als nur eine Seite, meint Ludger Reffgen in einem Kommentar.


Nicht, dass ich etwas für Vandalen übrig hätte. Im Gegenteil: Wer sich nicht benehmen kann, wer Müllberge hinterlässt, Sachbeschädigungen verursacht, sich lärmend und anderweitig ruhestörend verhält, der gehört zur Ordnung gerufen, zum Schadenersatz herangezogen und im Zweifel mit den Gesetzen konfrontiert. Egal, ob es um öffentliche Einrichtungen wie z.B. Parkhäuser, Verkehrsmittel wie Busse und Bahnen oder eben auch die zu schützende Natur wie am Elbsee geht. Von daher ist das Prinzip klar: Toleranz wäre hier fehl am Platze.

Aber es sind ja nicht nur diejenigen, die sich nicht benehmen können, die an heißen Tagen und Schönwetter-Wochenenden zum Elbsee strömen und den dortigen Anwohnern das Gefühl vermitteln, kurzzeitig den Wohnweiler mit einem Ferienbadeort vertauscht zu haben. Da sind ja auch diejenigen, die auf Ihrer Etagenwohnung für sich und ihre Kinder nach Abkühlung und Luft zum Durchatmen lechzen , weil ihnen bei 35 Grad und mehr die Decke auf den Kopf zu fallen droht. Und wer wollte es ihnen verdenken?

Die Sünden und Fehlentscheidungen bleiben auf Dauer nicht folgenlos und ungestraft

Nein, über alle, die zum Elbsee kommen gleichermaßen den Stab brechen zu wollen, wäre zu einfach. Natürlich steht bei einer Reihe Zeitgenossen der fortgesetzte Alkoholkonsum und die Zerstörungswut im Vordergrund. Aber ist der Ärger der Anwohner nicht auch zu einem großen Teil das Ergebnis einer fehlgeleiteten Politik – nicht nur in Hilden, aber dort speziell von der Verwaltung entworfen, vom Stadtrat entschieden und beschlossen? Einer Politik, die die Stadt immer dichter bebaut, obschon bereits etwa 70 Prozent der Bevölkerung bei sich häufenden Extremwetterlagen unter Hitzeinseln leiden? Einer Politik, die rücksichtslos Freiräume vernichtet und den Menschen das Gefühl gibt, in einer Sardinendose zu leben? Die das Freizeitangebot für Jugendliche und Junggebliebene spürbar einschränkt? Die bei den Öffnungszeiten der Bäder unflexibel verharrt, dafür aber bei jeder Gelegenheit an der Eintrittspreis-Schraube dreht?

Wer glaubt, derlei Sünden und Fehlentscheidungen blieben auf Dauer folgenlos und ungestraft, der irrt. Insofern dürfen sich die geplagten Anwohner am Elbsee – soweit sie in Einzelfällen in der Vergangenheit nicht selbst unmittelbar an den einschlägigen politischen Entscheidungen beteiligt waren – auch bei jenen bedanken, die ihnen mit ihrer Politik seit Jahren die Suppe eingebrockt haben. Und noch immer nicht daran denken, damit aufzuhören.