OFFENE FRAGEN UM SCHWERSTPFLEGEBEDÜRFTIGE – Kümmert sich der Kreisgesundheitsausschuss?

Pflegende Familienangehörige stellen Fragen zur Infektionsabwehr

In den letzten Wochen sind wiederholt pflegende Angehörige von Schwerstpflegebedürftigen mit offenen Fragen zur Gesundheitsversorgung öffentlich vorstellig geworden. Dabei ging es insbesondere um gezielte Fragen zur Infektionsabwehr. Aber auch ganz allgemein stand das Problem zur Debatte, wie familiär pflegende Angehörige beispielsweise von Demenzkranken oder Komapatienten in der Corona-Diskussion mehr Beachtung finden für ihre Problemlage und bei der Lösungssuche.

Die regionale Gesundheitsversorgung ist beim Kreis Mettmann angesiedelt. Deshalb und weil die Fragen stellvertretend für viele vergleichbare Schicksale stehen dürften, hat sich der Fraktionsvorsitzende der Bürgeraktion Hilden, Ludger Reffgen, in der Sache an die Vorsitzende des Kreisgesundheitsausschusses gewandt.

„Vergessen und abgeschrieben?“

Sicherlich könnten angesichts einer epidemischen Dramatik bisher unbekannten Ausmaßes nicht alle Probleme gleichzeitig gelöst werden, räumt Reffgen ein. Viele Menschen sollten aus ihren privaten und beruflichen Erfahrungen nur allzu gut die Start- und Anlaufprobleme kennen, wenn es zum Beispiel darum geht, ein neues Produkt zur Serienreife zu bringen, oder eine neue Maschine in Betrieb zu nehmen.

Aber wenn es die berechtigte Annahme zur Sorge gebe, dass, „sei die Geduld auch noch so groß“, sich an der persönlich verhängnisvollen Situation nichts ändere, weil man schlicht zu den „Vergessenen“ gehöre und vermeintlich „abgeschrieben“ sei, „worauf sollte man dann warten“, fragt Reffgen.

Offene Fragen werden nicht durch kollektives Wegschauen beantwortet

Deshalb seien die Fragen der betroffenen Familien nur allzu berechtigt. „Allein, sooft und wiederholt sie über Wochen gestellt werden, sowenig werden sie durch kollektives Wegschauen beantwortet“, stellt Reffgen weiter klar. Da es in unserer zivilisierten, hochentwickelten Region kaum etwas gebe, das nicht institutionalisiert sei, richte sich der Blick in diesem Zusammenhang auf die Arbeit des Kreisgesundheitsauschusses. „Erst recht in einer Zeit, in der Gesundheitsthemen ganz oben auf der politischen Agenda stehen.“

Reffgen bittet die Ausschussvorsitzende, Carola Rotert (CDU Velbert), „ebenso herzlich wie dringend, sich im Rahmen Ihrer Zuständigkeiten in Ihrem Ausschuss dafür einzusetzen, dass familiär pflegende Angehörige beispielsweise von Demenzkranken oder Komapatienten in der Corona-Diskussion im Kreis Mettmann die ihnen zustehende Beachtung finden für ihre besondere Problemlage und bei der Lösungssuche“. Angesichts ihrer schwierigen Situation dürften die Betroffenen zu Recht erwarten, dass sich die Ausschussmitglieder von ihren Problemen angesprochen fühlen. Das Schreiben endet mit der eindringlichen Aufforderung, den aufgeworfenen Fragen nachzugehen und den eklatanten Unzulänglichkeiten abzuhelfen.

Unglaublich: Kreisgesundheitsausschuss macht sechs Monate Sitzungspause

Seine letzte Sitzung hatte der Gesundheitsausschuss im August vergangenen Jahres. Laut Sitzungskalender des Kreistags kommt der Ausschuss nach sechsmonatiger Pause wieder im März zusammen – unglaublich. Dem Gremium gehören auch Kreistagsmitglieder aus Hilden an. Sie waren im Herbst für fünf Jahre gewählt worden.