SOZIALDEZERNENT – Unsensibel im Umgang mit Flüchtlingen

By 27. August 2021Neues

Flüchtlinge, die bisher in einzelnen ehemaligen Bundeswehr-Häusern am Brahmsweg untergebracht waren, werden umquartiert. Sie müssen ihre bisherigen Unterkünfte verlassen. Das Besondere: Die Betroffenen haben einen Tag Zeit, sich auf diesen Umzug vorzubereiten. Ist das der richtige Umgang mit Flüchtlingen?

Die wenig menschliche Vorgehensweise wird von Sozialdezernent Sönke Eichner gegenüber der Rheinischen Post mit der Neuankunft neuer Asylbewerber in Hilden begründet. Dafür werde ausreichend Platz benötigt. Der Vorgang sei nicht ungewöhnlich.

Warum dazu die Bewohner am Brahmsweg allerdings Hals über Kopf ihre Zimmer verlassen müssen, ohne ihnen zumindest ein paar Tage Zeit zu geben, sich auf den Umzug einzustellen, bleibt das Geheimnis des für die Integration von Flüchtlingen zuständigen Dezernenten. Noch im Juni hatte Eichner den Stadtrat und die Öffentlichkeit über große, bei Bedarf zur Verfügung stehende Unterbringungskapazitäten informiert, die aktuell ungenutzt leer stünden. Aktuell seien 362 Plätze belegt, aber für rund 1000 Geflüchtete Platz. Da sei noch ausreichend Luft nach oben, hieß es damals.

So geht man nicht mit schutzsuchenden Menschen um.

Am fehlenden Platz, den Eichner heute angibt, kann es also kaum liegen, dass die Leute am Brahmsweg überstürzt raus müssen. Und selbst wenn: So geht man nicht mit schutzsuchenden Menschen um.

Dass der Sozialdezernent, der seit Anfang des Jahres auch 1. Beigeordneter und damit direkter Vertreter von Bürgermeister Pommer im Rathaus ist, bisweilen unsensibel in Flüchtlingsfragen reagiert und durch soziale Kälte auffällt, ist indes nicht das erste Mal. Als die Bürgeraktion (BA) etwa vor drei Jahren anregte, junge Asylbewerber, die sich in einer Berufsausbildung befinden, gesondert – zum Beispiel in einem Haus am Brahmsweg – unterzubringen, um ihnen Wohnverhältnisse zu bieten, die es ihnen besser ermöglichen, sich gezielt aufs Lernen und ihre Prüfungsvorbereitungen zu konzentrieren, zeigte Eichner dem Ansinnen die kalte Schulter und lehnte kategorisch ab.

Die Absicht, in den ehemals von Bundeswehr-Angehörigen bewohnten und später lange Zeit leer stehenden Häusern Flüchtlinge unterzubringen, war in der Nachbarschaft vor einigen Jahren zunächst auf Proteste gestoßen. Der Bund hatte die unbewohnten Häuser der Stadt zum Zweck der einstweiligen Flüchtlings-Unterbringung überlassen. Nach einer bedarfsgerechten Instandsetzung waren sie von geflüchteten Familien bezogen worden. Auf BA-Nachfrage hatten Anwohner später berichtet, dass sich in der Nachbarschaft ein unauffälliges, problemloses Zusammenleben ergeben habe, das keinen Anlass zur Kritik gebe.

 

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