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In Hilden werde nur noch für eine einkommensstarke „Elite“ gebaut, zitierte die Rheinische Post vor ein paar Tagen (22.07.) unter Hinweis auf zwei Bauprojekte den Geschäftsführer einer Bauträgergesellschaft.

 

Aktuell werden für Eigentumswohnungen 6000 Euro pro Quadratmeter aufgerufen. Für den Bau-Profi eines regionalen Anbieters ist damit klar: Der Hildener „Ottonormalverbraucher kann sich das nicht mehr leisten“. Allerdings: Ungeachtet der rekordverdächtigen Preise sei die Nachfrage nach solch teuren Objekten in Hilden gut.

Hilden zählt bekanntlich – anders als Meerbusch oder Haan – nicht zu den Top-Wohnorten der Betuchten in der Region. Die sogenannte „Elite“, Zielgruppe dieser Immobilienangebote, dürfte daher überwiegend von außerhalb kommen. Dass die Hildener, insbesondere junge Familien, bei derartigen Angeboten leer ausgehen, könne „nicht im Sinne der Stadt sein“, bemerkt die RP lapidar zu dem Zeitungsbericht. Na, möchte man da fragen, dann sind wir doch mal gespannt, was die RP der Stadt denn in dieser Situation zu tun empfiehlt? Aber leider bleibt die Frage  in der Zeitung genauso unbeantwortet wie im teilnahmslos-tristen politischen Alltag im Stadtrat.

Kein Aufschrei

Was normalerweise ob der Dramatik einen politischen Aufschrei erzeugen müsste – nicht um vermeintlich sozialistischen Erwartungen zu genügen, sondern aus gesamtstädtischer gesellschaftspolitischer Verantwortung –, ist in Hilden bestenfalls einer windelweichen Kommentierung wert. Kein weiteres Wort zur verfehlten Rolle der Stadt bei der Vermarktung ihrer eigenen Grundstücke, zur jahrelangen Vernachlässigung der Bevölkerung mit bezahlbarem Wohnraum oder zum äußerst halbherzigen und viel zu späten Versuch, der Fehlentwicklung auf dem örtlichen Wohnungsmarkt bei immer knapper werdenden Flächenreserven gegenzusteuern.

Dass sich das Wohnungsangebot in Hilden nicht erst seit vergangener Woche in einer Schieflage befindet, daran trägt die Stadt und mit ihr die politische Mehrheit eine große Verantwortung. Und – obwohl sie es in der Hand hätte – tut sie so gut wie nichts, daran nachhaltig etwas zu ändern. Denn der sinngemäße Hinweis, dass einkommensschwächere Familien, entsprechende Nachweise vorausgesetzt, preisgedämpft auch mit einer halben Million Euro beim Kauf einer Eigentumswohnung hinkommen, ist ja wohl eher ein Scherz.

Zur nicht nur sprachlich umwerfenden Erkenntnis der Redakteurin, „dass sich aus dem Nachfragedruck auf dem Hildener Wohnungsmarkt trotz der jüngsten Neubauprojekte keine Luft rauslassen lässt“, hätte es nicht dieser Berichterstattung bedurft, die ohnehin eher wie eine platte Verkaufswerbung für Bauträger-Firmen daherkommt. Seit langem vollzieht sich diese Negativ-Entwicklung vor den Augen der Öffentlichkeit, vor der jedoch auch die RP genauso lange die Augen verschließt und sowohl Verwaltung wie politische Mehrheit keinen entscheidend verbessernden Einfluss darauf nehmen. Mit der Konsequenz, dass die Zahl der Wohnungssuchenden mit Wohnberechtigungsschein ständig zunimmt, die Zahl der verfügbaren Sozialwohnungen gleichzeitig permanent abnimmt und den hunderten auf Hilfe Wartenden in Hilden keine angemessene Hilfe gewährt wird.

Angesichts des Ernstes der Lage auf dem Hildener Wohnungsmarkt wäre nicht nur mehr Klartext erwünscht, er wäre auch bitter notwendig.