Hinter Corona verschanzt? – Das Waldbad soll auf unabsehbare Zeit geschlossen bleiben

  • Statt im Waldbad mit den Arbeiten zur Saison-Vorbereitung zu beginnen, haben die Stadtwerke den Bäder-Mitarbeitern Kurzarbeit verordnet.
  • Die für den 18. Mai geplante Freibad-Eröffnung wird auf unbestimmte Zeit verschoben.
  • Alles deutet darauf hin, dass Schwimmen im Waldbad frühestens im nächsten Jahr wieder möglich ist.

Das derzeitige, coronabedingte Kontaktverbot macht viele Aktivitäten im Freien zunichte. Kein Denken auch ans Schwimmen im Waldbad, das für gewöhnlich so manchem Gesundheitsvorsorge in frischer Luft ermöglicht und jedes Jahr vielen Familien einen kleinen Urlaubs-Ersatz für zwischendurch bietet. Daraus wird wohl einstweilen nichts. Jedenfalls aktuell ist das so. Aber was ist danach, wenn die Zeit der Verbote vorbei ist, die Beschränkungen gelockert oder aufgehoben werden? Träumen ist ja wohl noch erlaubt – wie soll man sich sonst über die triste Zeit retten?

In den meisten Städten bereitet man sich ungeachtet der Corona-Krise auf die Freibad-Saison vor. „Damit wir, wenn es wieder zulässig ist, sofort öffnen können“, heißt es dort. Anders in Hilden. Mit den eigentlich jetzt fälligen Auswinterungsarbeiten, die nach dem Winterschlaf etwa sechs Wochen in Anspruch nehmen, um alles wieder auf Vordermann zu bringen, hat man im Waldbad mal erst gar nicht begonnen. Die Mitarbeiter wurden in Kurzarbeit geschickt, großzügig aufgestocktes Kurzarbeitergeld inclusive. Die für den 18. Mai geplante Wiederaufnahme des Betriebs sei auf unbestimmte Zeit verschoben, hat die Geschäftsführung der Stadtwerke unlängst verlautbart.

Jeder Tag, an dem das Bad nicht öffnet, bringt dem Betreiber bares Geld.

Ist das wirtschaftlich? Für die Stadtwerke schon. Jeder Tag, an dem das Bad nicht öffnet, bringt dem Betreiber bares Geld, erhöht den Gewinn des Unternehmens. Große Teile der Betriebskosten, vornehmlich für Energie und saisonales Personal, fallen nicht an. Da jede Eintrittskarte in hohem Maße bezuschusst werden muss, – hier unterscheiden sich Bäder nicht von Theatern, Opernhäusern und Museen – sind Besucher betriebswirtschaftlich gesehen „kontraproduktiv und verzichtbar“.

Andererseits gehören Bäder, wie andere Sport- und Kultureinrichtungen, zur kommunalen Daseinsvorsorge einer Gemeinde. An ihnen bemisst sich unter anderem die Attraktivität einer Stadt. Vor Jahren hatte der Rat in Hilden unter legalen Steuerspar-Gesichtspunkten ganz bewusst den defizitären Bäderbetrieb den Stadtwerken übertragen, zur Verrechnung der Verluste mit den Gewinnen aus dem Strom-Gas-Wasser-Geschäft.

Bei der BA wird befürchtet, dass die Stadtwerke in diesem Jahr gar nicht die Absicht haben, das Waldbad überhaupt zu öffnen.

Doch seither ist so einiges Wasser die Itter runtergeflossen und manche naturgemäß defizitäre Einrichtung entwickelt sich zum Dorn im Auge wirtschaftlicher Betrachtungen – nicht nur in Zeiten knapper Kassen. Die Tendenz, restriktiv mit dem Bäder-Angebot in Hilden umzugehen, beobachtet die BA schon seit längerem mit Sorge. Bis vor einigen Jahren – regelmäßige Badegäste werden sich erinnern – hatte das Waldbad beispielsweise immer am ersten Mai-Wochenende geöffnet. Heute macht der reguläre Betriebsplan die erste Wochenend-Nutzung in der Saison erst drei Wochen später, das heißt nach Himmelfahrt, möglich. Und das, obgleich klimatische Veränderungen mit heißen Tagen den Sommer bei uns seit einigen Jahren spürbar früher beginnen lassen.

Die BA befürchtet, dass – Corona hin oder her – die Stadtwerke in diesem Jahr gar nicht die Absicht haben, das Waldbad überhaupt zu öffnen. Dabei wäre es nach Auffassung der Wählergemeinschaft durchaus zu wünschen, dass auch das Freibad nach Aufhebung der Pandemie-Beschränkungen möglichst schnell wieder in der Lage sei, seine Pforten zu öffnen und dann nicht erst sechs Wochen zur Erledigung verschleppter Auswinterungsarbeiten ins Land gehen müssten.

„Im Sommer könnte das Waldbad – mit oder ohne Wasser – eine wichtige Rolle spielen.“

Doch danach sieht es aktuell nicht aus. Ludger Reffgen, BA-Fraktionschef und selbst in beratender Funktion Mitglied des Aufsichtsrats der Stadtwerke, hält das Thema von so grundsätzlicher Bedeutung, dass es in dem Kontrollgremium des stadteigenen Unternehmens zur Sprache kommen sollte. Die BA habe dort zwar kein Stimmrecht, aber er plädiere für eine unvoreingenommene Diskussion. Wenn der übliche Familien-Urlaub Corona-bedingt diesen Sommer schon weitestgehend ins Wasser falle, könnte die gute alte Stadtranderholung für Kinder einen ganz neuen Stellenwert bekommen, skizziert Reffgen die weitere denkbare Entwicklung. „Da könnte auch das Waldbad – mit oder ohne Wasser – unter Umständen eine wichtige Rolle spielen.“ Und: „Es wäre zu wünschen, dass, wenn die Corona-Beschränkungen fallen, es gleich wieder losgehen könnte“, so der BA-Fraktionsvorsitzende abschließend.