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KITAS: Elternbeirat nimmt Ratsfraktionen zu Fragen der Kinderbetreuung in die Pflicht

By 22. April 2022Meinung, Neues

In einem umfangreichen Gastbeitrag für das neue Kommunikationsportal des Jugendamts-Elternbeirats (JAEB) hat die Bürgeraktion zu Fragen der Kinderbetreuung in Hilden Stellung bezogen. Der JAEB hatte die Stadtratsfraktionen eingeladen, für das Forum seines neuen Internetauftritts, mit dem die Interessenvertretung der Elternschaft in diesen Tagen an den Start gehen will, einige politische Statements beizusteuern.


Die BA freue sich darüber, dass der JAEB einen offenen Dialog mit den Fraktionen im Rat der Stadt Hilden führen wolle und in seinem neuen Kommunikationsportal die Hildener Lokalpolitik zu Fragen der Kinderbetreuung in die Pflicht nehme, schreibt BA-Fraktionsvorsitzender Ludger Reffgen einleitend in seinem Beitrag. Die BA und ihr jugendpolitischer Sprecher, Ulrich Siedentop, hätten das Thema Kinderbetreuung und die fehlenden Kinderbetreuungsplätze in Hilden schwerpunktmäßig bereits wiederholt in der Vergangenheit thematisiert.

Rein rechnerisch hätten schon in 2020, zur letzten Kommunalwahl, etwa 400 Betreuungsplätze gefehlt. Daran habe sich leider bis heute nichts geändert. Laut aktuellem Kindergartenbedarfsplan habe auch in diesem Jahr wieder 202 Kindern unter drei Jahren (U3) und 65 Kindern über 3 Jahren (Ü3) kein Betreuungsangebot gemacht werden können. Zähle man die gerne vergessene, ständige Überbelegung der Kita-Gruppen hinzu, fehlten weitere 120 Plätze. „Insgesamt fehlen per März 2022 also genau genommen bereits 387 Betreuungsplätze“, bilanziert die BA in ihrem Statement.

Der BA-Fraktionschef verbindet diese Negativ-Bilanz mit einer Feststellung: Festzuhalten sei zur Frage der politischen Verantwortung, dass der Hildener Stadtrat seit mehr als 20 Jahren unter wechselnder Führung de facto von einer „Großen Koalition“ aus CDU und SPD dominiert werde, die diesen dramatischen Fehlbestand an Betreuungsplätzen bis heute unwidersprochen hinnehme.

BA wirft den CDU-Landtagsabgeordneten vor, nichts gegen den Fachkräftemangel an Kitas zu tun

Zur Frage nach Ideen, mit denen Erziehern und Erzieherinnen die Tätigkeit in Hilden schmackhaft gemacht werden könnte, um dem Fachkräftemangel entgegenzutreten, räumt Reffgen für seine Fraktion ein, sich ein allgemein gültiges Rezept zur Behebung der äußerst schwierigen Personalsituation nicht anmaßen zu wollen. Die BA unterstütze Maßnahmen, die die Bindung von Fachkräften an den Arbeitgeber stärke. Dabei stünden alle Träger von Kindertageseinrichtungen vor dem gleichen  Problem. „Vor diesem Hintergrund wäre ein Wettbewerb um Personal zwischen den verschiedenen Trägern ruinös und sei unerwünscht“, schreibt Reffgen.

Vorstellbar und förderungswürdig seien für die BA hingegen Maßnahmen, die zum Beispiel die Teambildung, das Mitarbeiter-Coaching und Führungsschulungen der KiTa-Leitungen zum Ziel hätten und allen Hildener Kitas kostenfrei zur Verfügung gestellt würden. Dem Fachkräftemangel ganz allgemein könne eine Kommune allein jedoch kaum wirksam begegnen, gibt Reffgen zu bedenken. Dies sei vornehmlich Aufgabe der NRW-Landesregierung. Vergleichsweise gute Möglichkeiten, geeignete Maßnahmen auf den Weg zu bringen, hätte die Hildener CDU-Fraktion mit den beiden aktuell gewählten, für die Stadt zuständigen CDU-Landtagsabgeordneten. Leider bleibe diese Chance seit Jahren ungenutzt. „Dabei wäre es so wünschenswert, wenn gerade die Hildener Landtagsabgeordnete ihre politische Zuständigkeit beim Fachkräftemangel in der vorschulischen Kinderbetreuung und frühkindlichen Bildung durch wegweisende Impulse in die Waagschale werfen würde“, bedauert Reffgen.

»Auf unseren Vorschlag, leerstehende Gewerbe-Immobilien für Kitas zu nutzen, haben Verwaltung und Rat eher müde bis abweisend reagiert.«

Zur künftigen Handhabung des Personalmanagements mit dem Ziel, Ausfälle durch Krankenstand, Schwangerschaft und Elternzeiten zu kompensieren, bemerkt die BA, dass es wie bei kundenorientierten Wirtschaftsunternehmen möglich sein sollte, anhand von Erfahrungswerten und Kennzahlen entsprechendes Personal vorzuhalten. Träger müssten verpflichtet üäwerden, sich auf die jeweiligen Gegebenheiten einzustellen.

Zur drängenden Frage, wie neue Betreuungsplätze geschaffen werden könnten, um dem wachsenden Bedarf zu begegnen, verweist die BA-Fraktion auf einen bereits vor einem Jahr gemachten, konkreten Vorschlag: „Damals haben wir die Stadtverwaltung gebeten, nicht nur über Kita-Neubauten nachzudenken, sondern aus Gründen der dringlichen Problemlösung, aber ebenso unter finanziellen Aspekten auch bestehende, vor allem leerstehende, ehemals

gewerblich genutzte Immobilien in diese Überlegungen miteinzubeziehen“, erinnert Reffgen. Die Reaktionen darauf seien bei der Verwaltung und im Rat eher müde bis abweisend ausgefallen. „Dennoch halten wir diese Idee aufrecht, insbesondere um kurzfristig Betreuungsplätze schaffen zu können.“

Aktuell schaffe es Hilden nicht, die bestehende Infrastruktur mit entsprechendem Personal auszustatten, so dass Kapazitäten nunmehr seit Jahren brach lägen und nicht genutzt werden könnten, hatte der JAEB moniert und gefragt, wie bestehende Kapazitäten besser – oder überhaupt genutzt werden könnten? Die BA, so die Antwort, fordere und unterstütze seit jeher die Ausschreibung von unbefristeten Stellen im Bereich der Betreuung, zum Beispiel auch bei anstehenden Krankheits- oder Schwangerschaftsvertretungen.

»Wir werden alle Maßnahmen unterstützen, die den Flüchtlingskindern bei der Bewältigung ihrer Situation hilft, ohne die bestehende Betreuung noch weiter zu verschlechtern.«

Die Fraktion Bürgeraktion kritisiere schon länger Form und Inhalt der Kindergartenbedarfsplanung und stimme mit dem JAEB in der Kritik überein, wonach der Jugendhilfeausschuss nur sehr unzulänglich seiner Arbeit nachkommen könne, wenn grundlegende Statistiken wie die Ausfallrate und der Krankenstand in Kitas nicht bekannt seien und dem Gremium als Kontrollinstanz nicht zur Verfügung stünden. Deshalb unterstütze die BA auch die Forderung des JAEB auf Einführung eines Kennzahlen-Systems – als wichtige Voraussetzung zur Beurteilung des Zustands der Hildener Kitas und als ein obligatorisches Steuerungsinstrument der Verwaltung.

Zur Vorreiterrolle und Konkurrenz umliegender Städte bei der Frage zum kreativen Umgang mit einer attraktiven Gestaltung des Jobprofils und der Mitarbeiterwerbung lohne sich durchaus ein „Blick über den Tellerrand“ oder auch eine interkommunale Zusammenarbeit. Vorrangig sehe die BA jedoch die (Wieder-)Herstellung der Mitarbeiterzufriedenheit als die wichtigste Maßnahme, um Arbeitsplätze wieder attraktiv zu machen. Nur so könne auch der von Eltern vielfach beobachteten wachsenden Unzufriedenheit in der Belegschaft begegnet werden, die bereits ihren Niederschlag in Briefen an das Jugendamt, den Bürgermeister und den zuständigen Jugenddezernenten gefunden hätten.

Abschließend nimmt der BA-Fraktionsvorsitzende in dem Gastbeitrag zum aktuellen Flüchtlingsproblem Stellung. Der Bedarf an Betreuungsplätzen dürfte durch die vielen Flüchtlinge noch einmal deutlich steigen, hatte der JAEB gemutmaßt. Die Situation um den Ukraine-Krieg sei für alle überraschend und angesichts der nicht abbrechenden Flüchtlingsströme noch ziemlich unübersichtlich.

„Dennoch haben wir den Eindruck, dass die Stadtverwaltung agiert und nicht nur reagiert“, äußert sich Reffgen vorsichtig optimistisch zu den Beobachtungen. Da die notwendigen Betreuungsanforderungen im Einzelnen noch nicht bekannt seien, wie zum Beispiel der Umgang mit Kriegstraumata bei Kindern, sei es schwierig und so gut wie unmöglich, der Stadt Hilden aktuell konkrete Empfehlungen zu geben oder gar Vorgaben zu machen. Das wolle man Fachleuten und den gesetzlichen Regelungen der Kinder- und Jugendhilfe überlassen, sagt Reffgen und fügt hinzu: „Was uns jedoch wichtig ist: Wir werden dabei alle Maßnahmen unterstützen, die den Flüchtlingskindern bei der Bewältigung ihrer Situation hilft, ohne die bestehende Betreuung noch weiter zu verschlechtern.“