Nach dem Desaster im Behindertenbeirat: Wie die Verwaltung mit Ehrenamtlern umspringt

In der vergangenen Woche sind der Vorsitzende des Behindertenbeirats und sein Stellvertreter mit sofortiger Wirkung von ihren Ämtern zurückgetreten. Voraufgegangen war ein Streit. Beide werfen der Verwaltung vor, dem Beirat – ohne Absprache mit ihnen, jedoch unter Beteiligung von Juristen – eine neue Satzung aufoktroyieren zu wollen. Ein Vorgang, der auch intern zu erheblichen Querelen geführt hat.

Der Fall werde als unrühmliches Beispiel für schlechten Umgang mit Ehrenamtlichen in die über 40-jährige Geschichte des Behindertenbeirats eingehen. So bewertet BA-Fraktionsvorsitzender Ludger Reffgen, was sich in den letzten Wochen in der städtischen Dachorganisation der Gehandicapten in Hilden abgespielt hat und vor wenigen Tagen mit dem sofortigen Rücktritt der beiden Vorsitzenden einen vorläufigen Höhepunkt erreichte. Nach heftigen Vorwürfen, mit einer neuen Satzung vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden, hatten sowohl Vorsitzender Klaus Dupke, als auch sein Stellvertreter Hermann Nagel unter Hinweis auf ein zerrüttetes Vertrauensverhältnis ihre Ämter niedergelegt.

Beide hatten sich als Anwalt der Behinderten in Hilden verstanden und jahrzehntelang in der Stadt als Beispiele für ehrenamtliches Engagement gegolten. Eine Art Kummerkasten für alle Gehandicapten. Jetzt hatten sie selbst Nöte und schilderten vor der Sozialausschusssitzung in einem Brandbrief den Fraktionen, was zur Zeit zwischen dem Beirat und der Verwaltung schiefläuft. Reaktion gleich Null. Im Gegenteil: Der Wunsch, in der Sitzung das Mindeste zu tun, was in solchen Fällen das Selbstverständlichste ist, nämlich die Beratung und Entscheidung auszusetzen und zu vertagen, wurde vom Ausschussvorsitzenden – jenseits seiner Kompetenzen – mit Nachdruck vereitelt.

„Dass sich ausgerechnet das Sozialdezernat im kleinen Einmaleins mit Ehrenamtlichen schwer tut, ist in hohem Maße befremdlich.“

Der Fall werfe ein schlechtes Licht auf den Umgang der Verwaltung mit Ehrenamtlichen. Die Querelen zeugten von einem völlig unsensiblen Umgang, stellt Fraktionschef Reffgen fest und fragt nach der politischen Verantwortung von Bürgermeisterin und Sozialdezernent im Rathaus. Denn das Verhalten sei mehr als nur eine bedenkliche Geste. Angesichts der ohnehin schwierigen Aufgabe, Menschen zu finden, die sich für ein ehrenamtliches Engagement zur Verfügung stellten, wirke das Verhalten der Verwaltung geradezu fatal, dann auch noch völlig sorglos Personalressourcen zu verschleißen.

Denn am Beispiel der Interessenvertretung der Behinderten werde aktuell ja besonders deutlich, wie schwierig es in einer zunehmend auf soziale Distanz angelegten Demokratie geworden sei, verantwortungsbereite Nachfolger zu finden. Dupke und Nagel hätten zwar durchaus vorgehabt, sich demnächst zurückzuziehen. Doch jetzt hätten sie abrupt dem Beirat den Rücken gekehrt. Ihr schlagartiger Rückzug hinterlasse Trümmer. Dass ausgerechnet das Sozialdezernat sich im kleinen Einmaleins mit Ehrenamtlichen schwer tue, sei in hohem Maße befremdlich.

Es sei traurig und ärgerlich zugleich, wenn zwei verdienstvolle Unentwegte sich so schlecht behandelt fühlten, dass sie für sich keinen anderen Ausweg mehr sähen. Mit ihrem Schritt gehe eine Ära im Hildener Behindertenwesen zu Ende. Er habe als sachkundiger Bürger damals die Anfänge des Behindertenbeirats mitbekommen, schreibt Reffgen und er könne sich gut an den Kampf erinnern, der um viele Kleinigkeiten geführt werden musste. Vieles, was heute selbstverständlich ist, sei über die Jahre hinweg mühevoll erstritten worden. Nach solchen Leistungen wünsche man jedem Betroffenen einen anderen Abgang.