‚Unternehmerpark Hildener Tor‘ – Eine kritische Betrachtung

By 18. Oktober 2021Dezember 3rd, 2021Meinung

Im Hildener Norden wachsen momentan riesige Gewerbehallen wie Pilze aus dem Boden. Unter dem hochtrabenden Namen „Unternehmerpark Hildener Tor“ entsteht auf Hildens aktuell größter Baustelle ein neues Gewerbegebiet. Von der Gerresheimer Straße aus unübersehbar auf über 80.000 Quadratmeter zum Teil jungfräulichen Feld- und Wiesenflächen – während der Itter-Park beispielsweise weitestgehend leer steht.

 

Auf dem Gelände der früheren Tennis-Ranch und angrenzenden Feld- und Wiesenflächen wurde damit begonnen, ein Areal von über 80.000 m² mit Gewerbehallen zu bebauen.                                     Foto: Bürgeraktion Hilden

Die Region brauche Gewerbeflächen, zitiert die Rheinische Post in ihrer aktuellen Lokalausgabe (18.10.) den Geschäftsführer des Investors und Projektentwicklers. Aus dem Mund eines Unternehmers, dessen Geschäft es ist, entsprechende Objekte zu bauen und zu vermarkten, kann diese Aussage nicht im geringsten überraschen. Im Gegenteil: Würde er etwas anderes behaupten, müsste man ihm anraten, über seinen Job nachzudenken. Aber muss man ihm deshalb auch pflichtschuldigst Glauben schenken? Wohl kaum. Zumindest nicht, soweit man sich eine Spur Kritikfähigkeit zur Meinungsbildung bewahrt hat.

Denn das, was möglicherweise sogar für die Region seine Berechtigung hat, muss nicht zwangsläufig auch gut für Hilden sein. Eine ähnlich absurde Argumentation ist fast täglich unter dem Schlachtruf „Wir brauchen mehr Wohnungen“ zu erleben. Da Hilden seit Jahren flächenmäßig an die Grenzen seines Wachstums stößt, kann die Stadt nicht die Probleme der Region lösen, weder beim Gewerbe, noch beim Wohnungsbau.

Speditionen „Nein“? – Logistik-Unternehmen „Ja“?

Mit den sprichwörtlich aus dem Boden gestampften Hallen schießen gleichzeitig auch die Gerüchte über ihre künftige Nutzung ins Kraut. Der Name des Online-Giganten Amazon macht die Runde. Das hätte uns gerade noch gefehlt: Ein Multi, der seine Gewinne global verschiebt und vielfach durchs grobmaschige Steuernetz entkommt. Speditionen sind zwar von der Stadt vertraglich ausgeschlossen. Das hindert den Projektentwickler aber offenbar nicht daran, durch geflissentliches Schweigen Spekulationen zu befeuern, auf dem 12 Fußballfelder großen Areal könnte sich ein Logistik-Unternehmen ansiedeln. Denn konkret auf solche Vermutungen von der Presse angesprochen, werden diese eben nicht schleunigst dementiert. Vielmehr kann sich so das Gerücht halten, der Branchen-Riese Amazon, immer wieder in den Schlagzeilen mit der massenhaften Ausbeutung von Billig-Arbeitskräften, könnte sich im Hildener Norden großflächig ansiedeln.

Stadt und Presse werden nicht müde zu behaupten, die für das Bauprojekt in Anspruch genommenen Freiflächen, ungefähr 30.000 Quadratmeter Feld- und Wiesengelände, seien ökologisch vergleichsweise wertlos gewesen. Die Behauptung blendet aus, dass es solche Flächen, die das Stadtklima positiv beeinflussen, in Hilden kaum mehr gibt. Umso behutsamer müsste damit umgegangen werden. Selbst das vom Projektentwickler beauftragte Klima-Gutachten war zu der Einschätzung gekommen, die für das Stadtklima so wichtige Kaltluftentstehung werde bei den immensen Hallen-Dimensionen örtlich stark eingeschränkt. Konsequenz: Die Erhitzung der Stadt wird weiter forciert. Da wirken Dachflächen-Begrünung und helle Gebäudefassaden wie ein schwacher Trost – wie ein Tropfen auf den buchstäblich heißen Stein.

 

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