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In dieser Woche hat die Presse zum laufenden Anmeldeverfahren für das kommende Kindergartenjahr eine Zwischenbilanz  gezogen. Nach Angaben des Rathauses gehen danach ab Sommer mindestens 200 Kinder in Hilden erneut leer aus. Was sich in Hilden seit langem bei der Kinderbetreuung abspielt, haben der jugendpolitische Sprecher der Bürgeraktion, Ulrich Siedentop und BA-Fraktionsvorsitzender Ludger Reffgen in einer Stellungnahme gegenüber den Medien als „unhaltbaren Zustand“ bezeichnet.


Jahr für Jahr werde die gleiche Feststellung getroffen: Es fehle an hunderten Betreuungsplätzen. Angesichts der Problematik, dass es sowohl an Räumlichkeiten als auch an Personal mangele, sei jedoch Kreativität und der Wille zur Lösung gefragt, so die beiden Kommunalpolitiker. „Der fortgesetzte Versorgungsnotstand mit mindestens 200, auch dieses Jahr wieder nicht versorgten Kindern dürfte einen Jugenddezernenten Tag und Nacht nicht ruhen lassen.“

Obschon bereits seit Jahren – entgegen aller Qualitätsmaßstäbe – eine permanente Überbelegung der Gruppen hingenommen werde, ändere sich der Missstand nicht. Im Gegenteil: „Je länger der Zustand andauert, desto unerträglicher wird er.“

„Wenn die Stadt in angemessener Frist keine neue Kindertagesstätte auf die Beine bringt – zur Realisierung der neuen Kita „Holterhöfchen“ verstreichen immerhin mehr als fünf Jahre –, muss sie sich intensiver um Hilfs- und Notlösungen bemühen“, machen Siedentop und Reffgen als Vorgabe klar. Im vergangenen Jahr (10.03.2021) habe die BA exemplarisch die vorübergehende Nutzung von leerstehenden Gewerbe-Räumlichkeiten vorgeschlagen. Der Vorschlag sei jedoch an komplizierten Bedenken und einem offensichtlichen Desinteresse der Verwaltung gescheitert – „wie bei den meisten Vorschlägen, die in Hilden nicht aus dem Rathaus kommen“.

Wenn der Schuh extrem drücke – und daran bestehe bei der Kinderbetreuung in Hilden kein Zweifel –, müsse man sich kreativ um Übergangslösungen bemühen. Vorstellbar sei  beispielsweise für die BA, dass die Stadt sich übergangsweise um geeignete Räumlichkeiten bemühe und damit für ambitionierte Tagesmütter die Grundlage zum Einstieg für eine oder mehrere Großtagespflegestellen schaffe.

Stattdessen entstehe der Eindruck, dass sich die Stadt seit Jahren in einer Mangelverwaltung einrichte, in der zwar jährlich der Fehlbestand fortgeschrieben werde, womit den betroffenen Eltern jedoch noch in keiner Weise geholfen sei. „Damit laufen wir Gefahr, uns bei den fehlenden Betreuungsplätzen an eine chronische Mangelwirtschaft zu gewöhnen, der man im Rathaus und bei einem großen Teil der Politik achselzuckend gegenübersteht“, beschreiben Reffgen und Siedentop das Szenario. Die wiederholt vom Jugenddezernenten geäußerte Feststellung, es habe ja noch keiner geklagt, wirke wie eine Einladung, die Notlage auf die leichte Schulter zu nehmen und die Geduld vieler Eltern weiter strapazieren zu können. „Ob es der Stadt im Ernstfall gelingt zu beweisen, alles Erdenkliche unternommen zu haben, um Schadensersatzansprüche klagender Eltern abzuwehren“, sei höchst fraglich.

Nach Einschätzung der BA erfüllt Hilden längst nicht mehr die Kriterien einer familienfreundlichen Stadt. Fatal für das Missverhältnis von Angebot und Nachfrage bei den Betreuungsplätzen wirke sich auch der Bau neuer, überwiegend hochpreisiger Wohnungen aus, mit denen erklärtermaßen das Ziel verfolgt werde, vor allem junge Familien von auswärts anzulocken, die jedoch den Fehlbestand an Kita-Plätzen in Hilden noch größer werden ließen. In aller Regel könnten sich nur Doppelverdiener solch teure Wohnungen leisten, also Familien, die umso mehr auf Kinderbetreuung angewiesen seien.

Sich auf die Familienfreundlichkeit der Stadt etwas einbilden zu wollen und so zu tun, als ließen sich für Familien mit Kindern in Hilden alle Wünsche erfüllen, gehe inzwischen einfach an der Realität vorbei. Diese Erkenntnis sei zwar für jeden verantwortlichen Kommunalpolitiker mehr als bitter, aber leider die traurige Wirklichkeit, so Siedentop und Reffgen abschließend.