Jetzt lässt der Baudezernent die Katze aus dem Sack: Die Anlage der Streuobstwiese entlang der Bahnlinie an der Hofstraße war nur Mittel zum Zweck. So empfinden es jedenfalls viele Spender, die, im Glauben für eine gute Sache zu zahlen, vor drei Jahren dem Spendenaufruf der Stadt folgten. Mit ihrem Geld und dem tatkräftigen Einsatz vieler Bürger konnte eine landwirtschaftlich genutzte Fläche entlang der Güterzugstrecke im Hildener Süden ökologisch aufgewertet werden.
Zur Einweihung, nachdem in einer Gemeinschaftsarbeit 51 Obstbaum-Hochstämme gepflanzt waren, nannte der Bürgermeister das Projekt auf Basis der Spendenaktion „ein Herzensanliegen“. Er unterstrich die besondere Verbindung der Menschen mit „ihrer“ Streuobstwiese. Das zeige sich „an der breiten Unterstützung aus der Bürgerschaft.“ Der Naturschutzbund NABU übernahm die dauerhafte Patenschaft und gemeinsam mit dem Landwirt die Pflege.
War das vom Bürgermeister mit soviel Stolz gelobte Projekt der Nachhaltigkeit nur Mittel zum Zweck? So jedenfalls empfinden es viele rückblickend, die zur Finanzierung der Obstwiese dem damaligen Spendenaufruf der Stadt gefolgt waren und glaubten, mit ihrer Spende dem lokalen Klimaschutz zu dienen. Heute, drei Jahre später, fühlen sie sich getäuscht. Denn, um die Bebauung einer benachbarten großen Freifläche zu ermöglichen und den dortigen ökologischen Verlust und die damit einhergehenden Umweltbelastungen auszugleichen, soll jetzt die überwiegend von den Bürgern finanzierte Obstwiese herhalten.
Plan lässt Menschen fassungslos reagieren
Der Plan, der diese Woche im Ausschuss für Stadtentwicklung, Klima und Mobilität zur Abstimmung steht und über den Ende des Monats abschließend im Rat entschieden werden soll, lässt viele Menschen vor allem im Süden der Stadt fassungslos reagieren. Insbesondere umweltbewusste Bürger fühlen sich hinters Licht geführt, weil sie für ein Projekt gespendet haben, das jetzt als rechtliche Grundlage zur weiteren Versiegelung einer Freifläche herangezogen wird, die Spender mit ihrem Beitrag sozusagen indirekt die Bebauung einer Freifläche gefördert haben.
Bei der offiziellen Einweihung der Streuobstwiese im Frühjahr des Wahljahres 2025, zu der auch der Bürgermeister gekommen war, drängten viele politische Vertreter aufs Gruppenfoto, um sich für ihre besondere ökologische Verantwortung feiern zu lassen. Man darf gespannt sein, wie sich die Fraktionen angesichts der nunmehr durchsichtigen Strategie verhalten. Vor allem CDU und SPD hatten in der Vergangenheit die Bebauung der Freifläche im Hinterland der Hofstraße befürwortet.
Das damit erforderliche Bebauungsplanverfahren zieht sich bereits seit Jahren dahin. Wäre dem seinerzeitigen Vorschlag der Bürgeraktion (BA) gefolgt worden, eine Neubebauung nur entlang der Hofstraße zu genehmigen, könnten die Wohnungen längst fertiggestellt und bezogen sein, und die Freifläche wäre erhalten geblieben. Doch die Ratsmehrheit entschied anders.
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