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Dezember 2018

Jahresrückblick 2018

Das Jahr 2018 bot wenig Gelegenheiten für emotionale Höhenflüge in Hilden.

Eine Analyse von Ludger Reffgen

Zum Jahreswechsel versuche ich der Frage nachzugehen, wie sich Hilden im zu Ende gehenden Jahr in einzelnen, für die Bürger nicht unbedeutenden Bereichen entwickelt hat. Echte Kracher waren nicht dabei. Vieles plätscherte einfach nur dahin – nicht immer befriedigend, aber trotzdem auf seine Art vertraut und daher nicht weiter zur Notiz genommen. Was für den Erinnerungsspeicher bleibt, sind Punkte und Entscheidungen, die absehbar auch jenseits des Jahreswechsels noch eine Rolle spielen werden oder Konsequenzen haben. Die habe ich an Beispielen aufgesammelt. Die Darstellung mag auf den ersten Blick übertrieben negativ erscheinen. Um nicht missverstanden zu werden: Natürlich hat Hilden auch positive Seiten, die ich keineswegs verkennen will. Diese zu bejubeln und sattsam zu feiern ist das Geschäft zahlloser routinierter Claqueure, die diese Aufgabe professionell oder en passant aus unterschiedlichsten Motiven hinreichend erledigen. Aber reicht es wirklich, den Menschen nur oft genug zu erzählen, wie schön und gut alles ist?

Als Oppositionsgruppe im Stadtrat haben wir, die Bürgeraktion, vornehmlich die Risiken der städtischen Entwicklung im Blick und sehen unsere Aufgabe darin, den Finger in offene Wunden zu legen. In jedem gut geführten Unternehmen gibt es dafür einen Risikobericht, der das Gefährdungspotential im Hinblick auf die Zukunft aufzeigt. Den gibt es bei der Stadt, die sich mit ihren rund 900 Mitarbeitern gerne als Dienstleistungs-Konzern sieht, nicht – obgleich er auch dort eigentlich unerlässlich wäre. Aber die Darstellung von Risiken ist mehrheitlich politisch unerwünscht und unterbleibt folglich.

Bürger-Proteste und scharfe Kritik begleiteten auch 2018 so manche Ratsentscheidung: der Schulentwicklungsplan für die Grundschulen und das Bauvorhaben an der Oderstraße sorgten nicht nur für hitzige Debatten, sondern auch für mehr Zuhörer, als auf den Emporen des Ratssaals Platz finden können. Nach den Erlebnissen des Vorjahrs zur Bebauung von Meide-West, dem gewaltigen Bauprojekt Beethovenstraße und der Absicht, einen Spielplatz am Bruchhauser Kamp zu bebauen, hat man sich an solche Szenarien gewöhnt: Wütende Bürger im Ratssaal sind nichts Ungewöhnliches mehr. Der Missmut in der Stadt wächst.

Das war 2018 – Wie hat sich die Stadt entwickelt? Und warum der Bauwahnsinn weitergeht

Das Jahr 2018 war durch extrem intensive Bautätigkeit gekennzeichnet. Das hat die allgemeine Lebensqualität in der relativ kleinen, dicht an dicht bebauten Stadt negativ beeinflusst und denen, die in Hilden händeringend eine bezahlbare Wohnung suchen, nichts gebracht. Wer den Realitätsbezug dieser Zusammenhänge immer noch als „Räuberpistolen“ persifliert, den hat das Landesumweltamt im Sommer eines besseren belehrt: In Hilden leiden 38 Tausend Menschen, das sind 70 Prozent der Bevölkerung – so viele, wie in keiner anderen vergleichbaren Stadt in Nordrhein-Westfalen – unter extremen Hitzeinseln, als Folge der klimatischen Veränderungen. Primär ist für die überdurchschnittliche Erwärmung der Stadt aber die Stadtentwicklungspolitik verantwortlich, die es seit Jahren zulässt, dass Grün- und Freiflächen der „Bauwut“ geopfert werden und die Stadt förmlich zugebaut wird. Ein Ende ist nicht absehbar, zumal die am 1. Januar in Kraft tretende Änderung der Landesbauordnung die einzuhaltenden Abstandsflächen zwischen Baukörpern noch weiter reduziert.

Die damit einhergehende Stellplatznot hat bereits viele Wohnviertel der Stadt erreicht, Tendenz steigend. Höchste Zeit für eine kommunale Stellplatzsatzung, meint die BA; damit der realitätsfremde Schlüssel ‚ein Stellplatz je Wohnung‘ angehoben wird. Alles halb so wild, meinen Verwaltung und die übrigen Ratsfraktionen; sie sehen noch keinen Handlungsbedarf.

Dabei wird die bereits jetzt höchst angespannte Situation absehbar eskalieren, wenn große Bauprojekte wie die an der Beethoven- und Zelterstraße mit über 140 Wohneinheiten mal erst fertiggestellt sind. Die Stellplatznot könnte zum Sprengstoff in der Bürgerschaft werden. Dem sozialen Frieden wird das nicht dienen. Übrigens: Das völlig überdimensionierte Objekt, das an die Stelle des vormals so beliebten, inzwischen abgebrochenen kleinen Einkaufszentrums rückt, wechselte im Herbst – noch vor dem ersten Spatenstich – den Eigentümer und ging in den Besitz einer Investmentfonds-Gesellschaft über, einer sogenannten „Heuschrecke“.

Das war 2018 – Wohnen in Hilden: Von Wende keine Spur

Die Stadt hat sich in den letzten 25 Jahren weitestgehend aus dem sozialen Wohnungsbau zurückgezogen und den Bereich Mieten dem freien Markt überlassen. Die wenigen Sozialwohnungen, die in diesem Zeitraum neu erstellt wurden, konnten nicht im entferntesten die Halbierung des Bestands verhindern, noch der steigenden Nachfrage Wohnungssuchender mit Wohnberechtigungsschein entsprechen. Zwischen 1996 und 2017 sank die Zahl der verfügbaren Sozialwohnungen in Hilden von 2800 auf 1251. Ende 2017 (das sind die letzten Zahlen) suchten über 300 Personen/Haushalte mit WBS eine für sie bezahlbare, öffentlich geförderte Wohnung. Besonders schwierig ist die Lage der wachsenden Zahl von Menschen mit geringen Renten.

An diesem Missverhältnis hat der Rat auch im ablaufenden Jahr nichts nennenswert geändert. Maßnahmen, die auf eine Änderung zielten, wurden abgelehnt oder die Entscheidung verschoben oder verwässert.

  • Der Antrag der BA, seitens der Stadt Belegungsrechte zu erwerben und mit diesem Instrument die Zahl der verfügbaren Sozialwohnungen zu erhöhen, wurde von der Ratsmehrheit um die beiden sogenannten Volksparteien verworfen.
  • Ein städtisches Grundstück an der Furtwängler Straße, ehemals von einer aufgegebenen Schule genutzt, könnte vollständig zum Bau von etwa 100 neuen öffentlich geförderten Wohnungen genutzt werden. Das hat die BA vorgeschlagen. Ob der Vorschlag verwirklicht wird, ist indes sehr fraglich. Die Interessen gehen weit auseinander. In Einem ist sich die Ratsmehrheit erkennbar einig: Sie möchte mit dem Areal – wie bei der Albert-Schweitzer-Schule im Süden – viel Geld machen. Insbesondere SPD und CDU suchen noch nach Gründen, den BA-Vorschlag ablehnen zu können, ohne ihrem vermeintlichen sozialen Ruf allzu sehr zu schaden. Bis dahin wurde die Entscheidung ins kommende Jahr vertagt.
  • Kurz vor Jahresende hat der Rat Kriterien für „preisgedämpfte Mieten“ festgelegt. Ein Regelwerk, auf das Bauträger im Rahmen von Bebauungsplanverfahren verpflichtet werden sollen, einen Teil ihrer Bauprojekte vergünstigt anzubieten. Die Einstiegsmiete von 8,75 Euro auf der Basis April 2018 ist an eine Preisgleitklausel gebunden, die im kommenden Frühjahr bereits deutlich über 9 Euro klettern wird. Zwei (!) Wohnungen sind bisher auf dieser Grundlage geplant. Die SPD weicht Fragen aus, ob Menschen wie Polizisten, Krankenschwestern oder Busfahrer sich diese Mieten werden leisten können, spricht aber dennoch von einer wirksamen „Mietpreisbremse“. Die BA ist der Meinung, dass diese Mietkonditionen die eigentliche Zielgruppe verfehlen, weil diese Bremse schlecht konstruiert ist. Ihr Antrag, mit einer Miete von „preisgedämpften“ 8 Euro zu beginnen, wurde niedergestimmt.
Das war 2018 – Verkehr in Hilden geht an die Nerven

Verkehrlich ging es 2018 vor allem rund um die Elberfelder Straße heiß her: Staus ohne Ende in glühender Sonne.

Die Baustelle an der Kreuzung Oststraße wurde monatelang zum Stadtgespräch. Aus ein paar Wochen – wie zunächst angekündigt – wurde fast ein halbes Jahr. Bis heute ohne plausible Erklärung, trotz wiederholten Nachfragens. Die gibt es offenbar auch nicht, außer der laxen Erklärung, die Arbeiten hätten sich verzögert. Kurz vor Weihnachten wurde die Baustelle abgeräumt. Doch die Festtagsruhe trügt – im Januar geht es weiter, an gleicher Stelle und mindestens bis Herbst 2021. Wenn man den offiziellen Angaben Glauben schenkt.

Zeitgleich verdichten sich die Bauaktivitäten am Hildener Kreuz. Der Neubau des Brückenbauwerks über die A 46 hat begonnen. Die Wechselwirkung der Baustellen auf den Verkehrsfluss in und um Hilden verspricht nichts Gutes für die kommenden Jahre. Ein abgestimmtes Baustellen-Management, wie von der BA gefordert, wird im Rathaus in den Wind geschlagen.

Das war 2018 – Kulturjahr in Hilden war kein Sommermärchen

Wer vom kommenden Jahr mehr erwartet als von 2018, hätte – kulturpolitisch gesehen – dazu allen Grund. Kulturell blieb das Jahr weit hinter dem zurück, was dem Etikett der selbsternannten „Kulturstadt Hilden“ würdig wäre. Das liegt einerseits am Programm und wie es abgewickelt – oder besser gesagt – nicht abgewickelt wurde. Zum Anderen – und das wiegt perspektivisch noch schlimmer – schämt man sich im Rathaus nicht einmal mehr der Tatsache, dass Kultur dort unter ferner liefen rangiert.

Da passt es ins Bild, dass die Leitung des Kulturamts, die etwa ein Drittel der amtsinternen Personalausstattung ausmacht, fast ein halbes Jahr nicht besetzt wurde. Gleiches gilt fortgesetzt für die stellvertretende Musikschulleitung. Die Bücherei hat einstweilen nur eine kommissarische Leitung, nachdem die neue Spitze nach nur kurzer Zeit aufgegeben hat. Die Musikschule wird im Übrigen künftig nur noch von einer Halbtagskraft geführt. Was das alles für Museum und Archiv bedeutet, deren Leitung im kommenden Frühjahr in den Ruhestand geht, kann man sich schon ausmalen.

Auch inhaltlich verabschiedet sich dieses Jahr ohne bleibende Wirkung. Das war vor Jahresfrist noch anders, als das Jahr 2017 zum 20. Jubiläum des Kunstraums mit dem künstlerischen Paukenschlag „Bittergedanken“ endete. Trauriger Höhepunkt bildete 2018 der Hildener Sommer, der nichts war, außer dürr und ausgetrocknet. Da blickt man schon lieber auf einige gute Konzerte Hildener kulturtreibender Vereine zurück.

Das neue Jahr wird kulturell mit dem Neujahrskonzert eröffnet, bei dem man wieder – wenn man sich noch darauf einlässt – alte Bekannte trifft. Damit sind weniger die Klassik-Fans beim Stammpublikum gemeint, als vielmehr die Künstler, die sich alle Jahre wieder am Neujahrstag in Hilden die Klinke in die Hand geben. Mit der Repeat/Copy-Taste ins neue Jahr – an diesen „Spannungsbogen“ hat sich Hilden gewöhnt. Dieses Mal ist es wieder das hervorragend besetzte Posaunenquartett „Opus 4“ des Gewandhausorchesters Leipzig, das sich in schöner Regelmäßigkeit mit zwei, drei anderen Ensembles abwechselt. So kann Kultur, selbst wenn sie erstklassig dargeboten wird, auch Langeweile vermitteln.

Die vorliegende Betrachtung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie könnte noch vielfältig ergänzt werden; manches würde hier den Rahmen sprengen. Insgesamt fällt die Bilanz sehr nüchtern aus und bietet wenig Anlass, triumphal die Korken knallen zu lassen. Dennoch – auf ein gutes 2019!

Grünflächenpflege: Bürger werden seit 2 Jahren vertröstet – „Stinksauer“

Seit zwei Jahren warten viele Bürger auf eine durchgreifende Änderung bei der Pflege öffentlicher Grünflächen. Passiert ist bis heute nichts.

„Die Antworten sind diffus bis nichtssagend und sehr unverbindlich. Sie sind im Grunde eine Zumutung.“ Damit reagiert BA-Frakationsvorsitzender Ludger Reffgen auf eine Stellungnahme zu einer Anfrage zur Pflege von öffentlichen Grünflächen, die er vor einigen Wochen im Umweltausschuss stellte.

Zu der Anfrage war es gekommen, nachdem sich Bürger wiederholt über verwahrloste und wild wuchernde Grünanlagen im Stadtgebiet beschwert hatten. „Gibt es konkrete Planungsabsichten zur Verbesserung des Pflegezustands der Grünflächen?“, wollte Reffgen wissen und erinnerte die Verwaltung an in der Vergangenheit gegebene Zusagen, die mangelhafte Reinigung und Pflege der Grünflächen und des Straßenbegleitgrüns grundlegend zu ändern.

Bereits im Frühjahr 2017 habe die Verwaltungsspitze von einem vorliegenden ausgearbeiteten Grünflächenkonzept zur Verbesserung des Pflegezustands gesprochen, das ausprobiert und mit dem Erfahrungen gesammelt werden sollten, hält Reffgen dem Rathaus vor. Im Sommer 2017 hätte die Verwaltung dazu ein erstes Resümee ziehen wollen. Jetzt sei der aktuellen Stellungnahme zu entnehmen, dass zwischenzeitlich jedoch nichts passiert sei. „Die Antworten entsprechen weitestgehend den einschlägigen Erfahrungen der sich beschwerenden Bürger, die endlos, aber völlig wirkungslos vertröstet werden.“

Im Februar soll das Konzept jetzt mit zweijähriger Verspätung dem Umweltausschuss vorgelegt werden. Reffgen: „Wir werden diesmal in der Angelegenheit nicht locker lassen. Die Glaubwürdigkeit der Verwaltung ist verspielt. Kein Wunder, dass die Bürger stinksauer sind.“

Eine schöne Bescherung: Zu Weihnachten eine neue Weiche – Fährt die S-Bahn von Hilden bald nach Opladen statt nach Ohligs?

Beim Nahverkehr Rheinland (NVR) gibt es Überlegungen, der S-Bahnlinie S1 eine neue Streckenführung zu verpassen. Das könnte bedeuten, dass die Züge der Linie ab Hilden Bahnhof nicht mehr über Hilden-Süd nach Solingen-Ohligs fahren, sondern über die Langenfelder Ortsteile Richrath und Immigrath nach Leverkusen-Opladen geführt werden. Auslöser für solche Gedankenspiele sind Wünsche der Stadt Leverkusen, die alte Kreisstadt Opladen mit Düsseldorf zu verbinden.

Die Überlegungen sind Teil großräumiger Planuntersuchungen am Reißbrett. Sie stecken noch in den Kinderschuhen und sollen zunächst mit einer Machbarkeitsstudie geprüft werden. Was für Hilden von solchen Plänen zu halten ist, hat der Vorsitzende der BA-Ratsfraktion, Ludger Reffgen, gegenüber der Presse zusammengefasst:

„Was früher zu Weihnachten manchmal auf dem Wunschzettel stand und an der Modelleisenbahnplatte Kinderaugen zum Leuchten brachte, ist heute im wahren Leben geeignet, blankes Entsetzen auszulösen: Eine neue Weiche, die – erst mal eingebaut – eine geänderte Streckenführung ermöglicht, Bahnhöfe abhängt, oder andere Haltepunkte verbindet.“

„Ursächlich für die aktuellen Überlegungen des Verkehrsverbundes NVR sind insbesondere Wünsche des Bergischen Raums, die es traditionell an den Rhein zieht. Auf den ersten Blick scheint Hilden nur sekundär betroffen, weil die Stadt am Scheitelpunkt der alternativen Trassenführungen liegt. Tatsächlich könnte die Maßnahme aber empfindlich auf Hilden wirken:

Erstens erfüllt die S1 nach Ohligs eine wichtige Zubringerfunktion für Hilden, vor allem an die dortigen IC- und ICE-Verbindungen. Zumindest die Qualität dieser Verbindung würde mit dem Vorschlag auf dem Spiel stehen.

Zweitens würde der Vorschlag nicht spurlos für den Hildener Süden und Osten bleiben. Die jetzige Streckenführung der S1 hat maßgeblichen Anteil an der dortigen Infrastruktur und ist für tausende Pendler unverzichtbar. Wenn es Leverkusen tatsächlich so stark nach Düsseldorf drängt, sollte dort vielleicht mal über eine Regio-Bahn nachgedacht werden, die die S1 nicht beeinträchtigt.

Drittens – aber nicht minder problematisch – erinnert der Vorschlag fatal an alte Pläne mit einer Satellitenstadt Karnap-West. Damit könnte die Alternativtrasse auch gefährlich auf die Stadtentwicklung, insbesondere im Hildener Süd-Westen wirken und tot geglaubte Pläne wiederbeleben. Ich empfinde das wie einen Griff in die Mottenkiste. Derartige Überlegungen und Szenarien hat es schon vor über 30 Jahren gegeben, als die Entwicklungsziele der Stadt noch vom Größenwahn beherrscht waren. Man muss aufpassen, dass solche Vorschläge keine neuen Begehrlichkeiten wecken und unliebsame Kettenreaktionen auslösen.“

In diesem Sinne: Eine schöne Bescherung!

Wohnbau-DERR schafft Fakten an der Oderstraße – BA fragt: Wurde hinter den Kulissen schon alles klar gemacht?

Wie Anwohner der Oderstraße entsetzt berichten, wurde vor ihren Fenstern, just dort, wo das Wohnbau-Unternehmen DERR auf einer Grünfläche einen Neubau plant, ein großer Kirschbaum gefällt. Das Bauvorhaben ist im Stadtrat höchst umstritten. Weil es zwischen den Wohnblöcken einen Teil der Grün- und Ausgleichsflächen vernichtet.

Alle kleinen Fraktionen – auch die BA – haben sich gegen die Planung ausgesprochen. Nur SPD und CDU, die gemeinsam über eine Zweidrittel-Mehrheit verfügen, hatten kürzlich im Stadtentwicklungsausschuss der nächsten Etappe im Bauleitplanverfahren, der Offenlage, zugestimmt. Dieser Schritt sollte in der kommenden Woche vom Rat bestätigt werden.

CDU: „Unsere Zustimmung zur Offenlage bedeutet nicht, dass am nächsten Morgen der Bagger vor der Tür steht.“

Aber noch sei ja gar nichts endgültig entschieden, hatte die CDU erst vor zwei Wochen im Stadtentwicklungsausschuss den besorgten Anwohnern ausdrücklich mit auf den Weg gegeben und zu beruhigen versucht: Eine Zustimmung zur Offenlage bedeute keineswegs, dass „am nächsten Morgen der Bagger vor der Tür stehe“. Wie bitte? Was zu diesem Zeitpunkt noch utopisch und wie eine überflüssige, weil völlig übertriebene Bemerkung anmutete, hat sich jetzt auf seine Art fatal realisiert und erscheint in neuem Licht. Zwar ist der „Bagger“ ausgeblieben, aber stattdessen hat die Kettensäge brutal ganze Arbeit verrichtet.

Der Baum hätte zweifellos dem Bauvorhaben im Weg gestanden. Offenbar will DERR, ermuntert vom Abstimmungsverhalten der SPD/CDU-Mehrheit, bereits im laufenden Verfahren Fakten schaffen. Wer so handelt, muss sich seiner Sache schon ziemlich sicher sein. Wurde hinter den Kulissen im Rathaus möglicherweise schon alles glatt gezogen? Bürgerbeteiligung, Offenlage, Einwohnerfragestunde etc. zur glatten Farce degradiert – was nicht wenige Bürger seit langem mit gesetzlich vorgeschriebenen Beteiligungsverfahren ohnehin gedanklich verbinden?

Die Fraktionen hätten es jetzt am kommenden Mittwoch im Rat gemeinsam in der Hand, diesem Treiben mit einer deutlichen Absage ein Ende zu bereiten und ein klares Zeichen für Glaubwürdigkeit und politischen Anstand zu setzen. Aber, ob der Rat dazu mehrheitlich die Kraft aufbringt?

BA zum Bauprojekt Grünewald: „So nicht!“

„Für die BA ist das Bauprojekt an der Köbener Straße/Grünewald noch nicht zustimmungsfähig, solange die Stellplatzfrage nicht befriedigend geregelt wird.“ Entsprechend habe die BA im Stadtenttwickungsausschuss auch kein positives Votum abgegeben, sondern vorläufig mit „Enthaltung“ gestimmt. Darauf weist BA-Fraktionsvorsitzender Ludger Reffgen anlässlich eines anderslautenden Presseberichts hin und betont, daran werde sich auch nächste Woche im Stadtrat nichts ändern.

Die BA hatte für sehr dicht besiedelte Viertel wie den Bereich Grünewald kürzlich eine städtische Stellplatzsatzung ins Gespräch gebracht, um den ohnehin bereits extremen Parkdruck durch Neubau-Vorhaben nicht noch weiter zu erhöhen. Damit mochte sich der Stadtentwicklungsausschuss jedoch noch nicht beschäftigen und hat das Thema einstweilen vertagt.

„Auf dem Buckel der Bewohner“

Gleichwohl brenne das Problem vielen auf den Nägeln. „Wir halten in hochverdichteten Wohngebieten eine Stellplatzregelung im Verhältnis 1:1 (ein Platz je Wohnung) für völlig unzureichend, weil sie an der Lebenswirklichkeit vorbeigeht“, begründet Reffgen die Vorbehalte der Bürgeraktion gegen das Bauprojekt. Der Druck spiele sich auf dem Buckel der Bewohner, vor allem der Mieter ab, die nicht mal einen Vorgarten hätten, um notfalls ihr Auto unterzubringen.

Grundsätzlich wolle die BA dem Bauvorhaben der Firma DERR an der Straße Grünewald noch nicht die Tür zuschlagen. Sollte der Stellplatz-Schlüssel für das gesamte Viertel günstiger ausfallen, könne aus der vorläufigen Stimmenthaltung eine Zustimmung der BA werden, stellt Reffgen in Aussicht.

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